Benefiz-Comedy

Am Ende legt Torsten Sträter noch 1000 Euro für Hünxe drauf

Torsten Sträter spielte in der Gesamtschule Hünxe – ein Benefizauftritt für den STV Hünxe.

Torsten Sträter spielte in der Gesamtschule Hünxe – ein Benefizauftritt für den STV Hünxe.

Foto: Heiko Kempken / Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Hünxe.  Torsten Sträter löste sein Versprechen ein und spielte in der Aula der Gesamtschule für den STV Hünxe. Der konnte sich gleich doppelt freuen.

Es ist irgendwann in der zweiten Hälfte, als sich Torsten Sträter auch direkt an die Autorin dieser Zeilen wendet: Wie man diesen Abend wohl noch in geschriebene Form bringen könne? Der roten Faden von „Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“ lag, wenn es ihn überhaupt je gab, als zusammengerolltes Knäuel irgendwo zwischen Kaffeekanne und der Wasserflasche, die der Comedian selbst auf den Boden geworfen hat. Aber es war eben jene Flasche, die, gemeinsam mit unzähligen anderen, den Rhythmus des herrlichen Benefiz-Auftritts bestimmte, den der Comedian zugunsten des STV Hünxe in der Aula der Gesamtschule der kleinen Gemeinde, „die bei Google-Maps im Maßstab 1:1 dargestellt“ werde, gab.

Geschichten aus Sträters Leben

Torsten Sträter sagt: „Eine Geschichte. Eine Technik-Geschichte“, irgendwo im Publikum und dann eben einmal auch auf der Bühne („Sie kennen das ja!") fällt eine Flasche klirrend zu Boden und Sträter beginnt aufs Geschichten aus seinem Leben zu erzählen – nur bis zum Schluss eben nicht jene, die er eigentlich vom Tablet ablesen soll: eine unendliche Geschichte.

Für Toilettengänge machte Sträter Pause

Und innerhalb dieses Rasters wird geschachtelt. Im ersten Teil ist es der Running Gag, dass dauernd jemand aus dem Saal die Toilette aufsuchen muss und Sträter höflich das Programm unterbricht, im zweiten Teil kommt er von allein von „Hölzken auf Stöcksken“ wie man hierzulande sagt. Und eben dieses authentische, sympathische Plaudern ist das Geheimnis des Erfolgs des gelernten Herrenschneiders.

Es sind aber auch Dönekes, die Sträter zu erzählen hat. Allein die Verwechslungskomödien: Im heimischen Waldbröl stellte er sich im Fitnessstudio auf die vermeintliche Waage – die Versicherung zahlte den Schaden nicht, weil man Sträter nicht glaubte, dass er den Staubsaugerroboter wirklich nicht als solchen erkannt hat.

Sträter ist Santiano - nun ja: fast

In Berlin gab er einer ganzen Schar von Damen vor dem Hotel Autogramme – bis sich herausstellte, dass sie ihn mit einem Mitglied von Santiano verwechselt haben: eine Band, die Sträter als „wie Unheilig, aber mit Booten“ nicht ganz unzutreffend beschreibt.

So kam der Comedian zur Mütze

Überhaupt: Sträters Vergleiche. Runde Kaffeepads nennt er „Monatsbinden für Minions“. Das Mineralwasser aus Gerolstein verglich er mit dem vom Discounter - die lokalpatriotischen Gerolsteiner verstanden den Spaß nicht und der Auftritt dort soll der schlimmste in seiner Karriere gewesen sein. Besser lief es beim Poetry Slam in der Fußgängerzone von Wesel. Da war ihm kalt und er kaufte sich die Mütze, die zum Markenzeichen werden sollte.

Noch Fragen? „Ja“, schallt es aus dem Publikum, warum er „so schwarz angezogen“ sei. Sträter verweist auf die Farbenlehre, nach der Schwarz alle Farben in sich vereine. „Sie können sich also vorstellen, dass ich ein orangenes Shirt trage“.

Als man Musik noch auf Kassetten aufnahm

Entsprechend bunt geht es weiter. Sträter erzählt von seinem Sohn in Rheinberg, vom Shoppen im Centro, von der Vergangenheit, als man Musik im Radio noch auf Kassetten aufnahm und der Gegenwart, in der er - trotz aller Kritik am Unternehmen - doch die Nacht vor dem Store verbringt, um mit als erster das Smartphone der neuesten Generation zu haben - auch wenn es technisch keine Neuerungen hat.

Und dazwischen lobt der Comedian, für den „Brexit“ immer noch ein Leckerli für Katzen sei, „Fridays for Future“, das Umweltengagement der Hünxer Gesamtschüler, spart Plastikdeckel an Kaffeebecher, weil er entdeckt hat, dass auch nichts herausschwappt, wenn man – „ta-taaa“ – die Öffnung nach oben halte, spricht über Depressionen und die Wichtigkeit von Vorsorgeuntersuchungen. Comedy muss nicht nur pure Unterhaltung sein.

Und dann gibt es noch einen Tausender für das Flutlicht in Hünxe

Dann fällt wieder eine Flasche, macht Sträter eine flapsige Bemerkung, schallt eine Lachsalve aus dem ausverkauften Saal. Mag er das Sportabzeichen beim STV versemmelt haben, am Samstag war Torsten Sträter ganz klar der Gewinner.

Und: Torsten Sträter verzichtete nicht nur auf das Honorar, er legte sogar noch einen 1000er drauf. Das Geld kommt wie die Einnahmen aus dem Kartenverkauf dem STV Hünxe zugute, der für eine Flutlichtanlage spart

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