Verkehr

Anwohner in Voerde-Friedrichsfeld klagen über Busverkehr

Mehr als 70 Busse fahren an Werktagen über den Grenzweg, klagen Anwohner.

Foto: Heiko Kempken

Mehr als 70 Busse fahren an Werktagen über den Grenzweg, klagen Anwohner. Foto: Heiko Kempken

Voerde.   Anwohner des Grenzweges in Friedrichsfeld beklagen in einem Schreiben an die Stadt den hohen Busverkehr. Die Antwort der Stadt stößt auf Kritik.

Gern erinnern sich langjährige Anwohner des Grenzweges zwischen Kastanienallee und Alter Hünxer Straße in Friedrichsfeld an jene Zeit, als ihre Straße eine Sackgasse war. Kaum Verkehr habe es damals gegeben, berichtet Werner Dotzauer in einem offenen Brief an die Stadt, den er Ende Juni inklusive mehr als 50 Unterschriften auf den Weg brachte. In dem Schreiben, das er im Namen der Anwohner verfasste, schildert er verschiedene Probleme, die seine Nachbarn und ihn belasten: Natürlich habe der Autoverkehr deutlich zugenommen – das sei hinnehmbar und der neuen Situation geschuldet. Anders stellt sich die Sache für sie hierbei dar: Bestimmt jeder Dritte sei mit deutlich zu hohem Tempo, nicht selten doppelt so schnell und mehr als die erlaubten 30 km/h, unterwegs.

Dies gelte auch für den einen oder anderen Bus, der durch den Grenzweg fährt. Das Thema Busverkehr ist für die Anlieger ganz grundsätzlich ein Ärgernis: Mehr als 70 Fahrzeuge würden dort täglich werktags fahren, für diesen Verkehr ist die Straße aus ihrer Sicht aber gar nicht ausgelegt. Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen sind dort erlaubt – Linienverkehr ausgenommen, so dass Busse mit mehr als doppelt so viel Leergewicht über die Straße fahren, wie Anwohner Detlef Fonk erklärt.

Anwohner fürchten, dass der Grenzweg zum Sanierungsfall wird und sie zahlen müssen

Dabei seien darin, führt Dotzauer in dem Schreiben an die Stadt weiter aus, selten mehr als ein oder zwei Fahrgäste zu sehen. Mit Blick auf Grenzweg und Heidesiedlung werde offensichtlich ein Bedarf bedient, den es so gar nicht gebe. Dies sei weder wirtschaftlich, noch umweltbewusst, noch bürgerfreundlich, Straßen würden dagegen zerstört, Lärm verursacht. Mit Sorge schauen die Anwohner auf die vielen geflickten Fahrbahnrisse, sie befürchten, dass der Grenzweg zum Sanierungsfall wird und sie zahlen sollen – wozu sie sich als Nicht-Verursacher nicht verpflichtet sehen. In dem Brief erinnern sie an die Zeit, als den betroffenen Bürgern das geplante Baugebiet Heidesiedlung vorgestellt wurde. Schon da sei die Frage gestellt worden, wer für die Straßenschäden durch den Schwerlastverkehr aufkomme. Antwort „von autorisierter Seite“ damals: die Stadt Voerde.

Anwohner hatten seinerzeit für eine Baustraße in Verlängerung der Kastanienallee bis zur Hans-Richter-Straße gekämpft. Des öfteren habe sich schon mal ein Schwerlastzug verirrt und sei nicht über die Baustraße, sondern über den Grenzweg ins Baugebiet gefahren. Nachdem die neue Heidesiedlung fertig war, „kamen die Busse“ und hätten der Straße den Rest gegeben. Die Anwohner sehen weitere Belastungen: Die Stadt hat die Zufahrt zur Heidesiedlung über die alte Baustraße für Fahrzeuge mit einer Höhe von mehr als 2,50 Metern gesperrt. Hinzu kommt der Baustellenverkehr zur Errichtung der neuen Kita, der, so fürchten sie, über ihre Straße fahren wird. Letzteres ist in dem Schreiben an die Stadt kein Thema, weil das Projekt Ende Juni noch nicht bekannt war.

Stadt: Geschilderte Geschwindigkeitsüberschreitungen ließen sich bei Messungen nicht nachweisen

Im Antwortschreiben aus dem Rathaus, das Werner Dotzauer Mitte November, also fast fünf Monate später erreichte, teilt Bürgermeister Dirk Haarmann mit, dass im Juli und August über drei Wochen offen und verdeckt Tempomessungen erfolgten. Ergebnis: Die geschilderten Geschwindigkeitsüberschreitungen ließen sich nicht nachweisen.

Zum Busverkehr sagt Haarmann, dass es im Voerder Stadtgebiet mit dem Fahrplanwechsel am 24. August 2016 umfangreichere Änderungen gab. Um den Bahnhof besser erreichbar zu machen, sei das Angebot verdichtet worden, das für den Bereich der Heidesiedlung deutlich besser sei als vorher. Ein gutes ÖPNV-Angebot liege im allgemeinen Interesse der Bürger und solle dabei helfen, den Umweltschutz zu stärken und eine Alternative zur Nutzung des Pkw schaffen. Sollte sich herausstellen, dass einzelne Fahrten oder ein bestimmtes Angebot nicht angenommen werden, werde die Niag in Abstimmung mit der Stadt nachsteuern. Grundsätzlich brauche es einige Zeit, um etwas Belastbares dazu sagen zu können, da es üblicherweise eine Weile dauere, bis sich neue Angebote herumgesprochen hätten. Richtung Sommer 2018 sieht Haarmann als guten Zeitpunkt für ein Fazit.

In punkto Rissbildung gibt es laut Stadt keine „untypischen Auffälligkeiten“

Die Rissbildung auf der Fahrbahn habe die Stadt geprüft, „untypische Auffälligkeiten“ hätten nicht festgestellt werden können. „Im Übrigen ist der Grenzweg als eine Haupterschließung in der Heidesiedlung angelegt und muss daher auch entsprechende Funktionen übernehmen.“ Dies schließe die Aufnahme von größeren Fahrzeugen wie Bussen und Müllwagen mit ein.

Zu den Lärmbelästigungen, die den Anwohnern zufolge durch Busse verursacht werden, sagt Haarmann, dass von „normalen und in Wohngebieten auch zulässigen Geräuschemissionen auszugehen“ sei, sofern die Fahrzeuge technisch in Ordnung seien. Der Stadt lägen keine Kenntnisse darüber vor, dass der technische Zustand der aktuell eingesetzten Busse „zu unzumutbaren Beeinträchtigungen“ führe. Sie will diese Fragestellung an die zuständigen Stellen richten und, sofern erforderlich, auf Abhilfe drängen.

Anwohnerin Petra Fonk wertet das Schreiben der Stadt als „Drumherumgerede“, das auf keinen der kritisierten Punkte konkret eingehe. So seien etwa die mehr als 70 Busse „völlig außer acht gelassen“ worden, die Geschwindigkeitsmessungen seien in den Sommerferien erfolgt, sagt sie und kündigt an, es bei der Antwort der Stadt nicht bewenden lassen zu wollen.

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