Dinslaken. Der Jungenarbeitskreis fordert die Wiedereinsetzung der Gleichstellungsbeauftragten. Kritisches Engagement dürfte nicht unterbunden werden.

Der Jungenarbeitskreis Dinslaken (JAK) äußert sich in einer Stellungnahme zur Versetzung der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Dinslaken und will damit „Verwunderung“ und „Bedauern“ zum Ausdruck gebracht. Die Gleichstellungsbeauftragte sei „stets eine verlässliche und engagierte Partnerin für uns in Dinslaken“ gewesen. Sie habe sich „jederzeit engagiert für die Gleichberechtigung in Dinslaken eingesetzt und dabei auch die Problemlagen von Jungen und Männern nicht aus dem Auge verloren“.

Die Gleichstellungsbeauftragte habe „mit ihrem persönlichen Engagement und ihrer fachlichen Kompetenz“ erheblich zur Bildung des Jungenarbeitskreises beigetragen. Mit „ihrer maßgeblichen Unterstützung“ sei der „Arbeitskreis Jungenarbeit Dinslaken“, ein fachliches Netzwerk verschiedener Träger der Jugendhilfe, gebildet worden, mit dem Ziel, eine „nachhaltige geschlechterreflektierende Jungenarbeit“ in Dinslaken zu etablieren. Zahlreiche Initiativen und Veranstaltungen zur Geschlechtergerechtigkeit wie etwa der jährlich stattfindende Mädchenherbst, der Boys Day oder der Equal Pay Day in Dinslaken „wären ohne Frau Budahn-Diallo nicht realisiert worden“, so der Jungenarbeitskreis in der Stellungnahme.

„Für mich sind alle Menschen gleichwertig. Egal, welcher Hautfarbe, Religion oder welchen Geschlechts.“ Das habe die Gleichstellungsbeauftragte zu Beginn ihrer Tätigkeit versprochen und diesem Grundsatz sei sie „immer treu geblieben“, so der JAK. „Umso unverständlicher ist für uns die Entscheidung der Bürgermeisterin.“ Da die Gleichstellungsbeauftragte sich selbst nicht mehr zur Sache äußern dürfe, „können wir als Grund dafür der Presse lediglich entnehmen, dass sie des Öfteren ihre fachlichen Bedenken bei Planungen der Stadt zum Ausdruck gebracht“ habe. „Dies als nicht konstruktiv zu bewerten, scheint uns unangemessen, da wir es als originäre Aufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten sehen, kritisch auf die Planungen der Verwaltung zu sehen, um benachteiligende Strukturen zu verhindern. Dass Frau Budahn-Diallo diesem Auftrag in besonders engagierter Weise nachkommt, kann unseres Erachtens nicht als Begründung dafür herhalten, dass sie ihres Amtes enthoben wird. Dies erweckt bei uns den Eindruck, dass kritisches Engagement, das die Gleichstellung unbedingt braucht, unterbunden werden soll.“

Der Jungenarbeitskreis werde die Gleichstellungsbeauftragte und ihre Unterstützung vermissen, heißt es in dem Schreiben. „Die Lücken, die ihre Versetzung reißt, werden nur mit einem erheblichen Mehraufwand aufzufangen sein. Ihre fachliche Kompetenz und ihr Wissen um die lokalen Strukturen ließen sich nicht ohne Einarbeitung und geregelte Amtsübergabe an eine geeignete Nachfolgerin oder einen geeigneten Nachfolger kompensieren.

Eine „vorschnelle Abberufung ohne zwingenden Grund und ohne geregelte Nachfolge, in einer Zeit, in der engagierte, neue Fachkräfte nur schwer zu finden sind“, sei zudem „unverantwortlich und gefährdet den weiteren Prozess zur Schaffung von sozialer Gleichberechtigung im Kontext der allgemeinen Gleichstellungsarbeit in Dinslaken“. Daher bittet der JAK die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger bei der Stadt noch einmal, „ihre Entscheidung zu überdenken“ und der Gleichstellungsbeauftragten wieder ihr altes Amt zu übertragen.