Aus dem „Ich“ wurde ein „Wir“

Dinslaken.   Erst 15 Monate sind seit der Premiere von Kordula Völkers Soloprogramm „Mittendrin“ im Theater Halbe Treppe vergangen. Aber sei es, dass die Liedermacherin und Kabarettistin im Jahr vor ihrem nächsten runden Geburtstag einen etwas kompensiertes Zeitgefühl hat oder einfach vor Ideen übersprudelt, am Freitag stellte sie vor ausverkauftem Haus „Ich. Du.Wir.“ vor. Und im zweiten Teil wurde auch klar, warum die neuen Songs nicht einfach in das vorherige Programm integriert werden konnten.

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Erst 15 Monate sind seit der Premiere von Kordula Völkers Soloprogramm „Mittendrin“ im Theater Halbe Treppe vergangen. Aber sei es, dass die Liedermacherin und Kabarettistin im Jahr vor ihrem nächsten runden Geburtstag einen etwas kompensiertes Zeitgefühl hat oder einfach vor Ideen übersprudelt, am Freitag stellte sie vor ausverkauftem Haus „Ich. Du.Wir.“ vor. Und im zweiten Teil wurde auch klar, warum die neuen Songs nicht einfach in das vorherige Programm integriert werden konnten.

Zum „Ich“ der Liedermacherin auf der Bühne und dem „Du“, das sich sowohl auf das lyrische Gegenüber in den Texten wie auch aufs Publikum beziehen lässt, gesellte sich das „Wir“. Zum ersten Mal in ihrer seit den 90er Jahren währenden Karriere tritt Kordula Völker in Bandbesetzung auf. Friedas Vergnügen nennt sich das Damentrio der Dinslakenerin und der beiden Berlinerinnen Marion Schmidt (Ukulele) und Monika Sasse (Bass-Ukulele). Das musikalische Vergnügen fürs Publikum besteht darin, dass die Drei die humoristische Seite des Blues entdecken.

Friedas Vergnügen hat sich Kordula Völker als Überraschung für den zweiten Teil aufgespart, den ersten Teil gestaltete sie, wie es das Publikum von ihr kannte, solo.

Zur Gitarre umkreist sie, mal auf Deutsch, mal auf Englisch, manchmal auch von Zeile zu Zeile wechselnd, die universalen Themen Liebe und Freiheit. Völker feiert die Liebe in ihren Chansons, trinkt auf ihr Wohl. Doch der Beigeschmack ist immer bittersüß. Kein Neubeginn ohne eine vorhergehenden Abschied, kein Werden ohne das Wissen, dass alles was aufblüht auch verblühen wird. Was bleibt, ist nicht das „du“, sondern das „ich“. Und dem schenkt Völker in ihren Texten ihre Achtsamkeit.

Aber wie bleibt das Ich in einer zwischenmenschlichen Beziehungen, in der Nähe auch immer Reibung bedeutet, unversehrt? Dieser Gedanke zieht sich als Leitmotiv durch alle Texte. Sanft poetisch, aber auch sehr direkt, gesellschaftspolitisch und kämpferisch. Besonders stark: Ihre Ausweitung der „Me too“-Debatte auf die Opfer von Kindesmissbrauch innerhalb der eigenen Familie. Kann auch hier die Mauer des Schweigens durch ein „ich auch“ gebrochen werden?

Die Liebe ist für Kordula Völker rein weiblich, ihre Lieder über die Liebe künstlerisch autonom und damit universell. Dies ändert sich ein wenig mit Friedas Vergnügen. Das Trio kennt sich aus der Frauen-Szene und diese wird zum eigenen, den zweiten Teil dominierenden Thema.

Wann bedeutet Toleranz erdulden, wann Gleichgültigkeit? Wo verlaufen die roten Linien im GroKo-Deutschland? Steht man fester allein oder in solidarischer Gemeinschaft in der Mitte oder an einem selbstgewählten Rand der Gesellschaft?

„Ich.Du.Wir.“ stellt diese Fragen und dafür gab es für Kordula Völker und Friedas Vergnügen am Ende des Abends langanhaltenden rhythmischen Applaus.

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