Kultur

Aus purer Liebe zur Musik

Rainer Stemmermann (l.) und Sonja Alefs (1. Reihe, 3. v. r..)  sangen ein paar Nummern gemeinsam mit dem Tune up Vocal Jazz Ensemble.

Foto: Markus Joosten

Rainer Stemmermann (l.) und Sonja Alefs (1. Reihe, 3. v. r..) sangen ein paar Nummern gemeinsam mit dem Tune up Vocal Jazz Ensemble. Foto: Markus Joosten

Dinslaken.   „Face to Face“ im Lohberger Ledigenheim: Rainer Stemmermann und Sonja Alefs boten mit Freunden emotionalen Jazzgesang in Perfektion.

Als sich Sonja Alefs und Rainer Stemmermann zum ersten Mal wie in der Programmankündigung „Face to Face“ gegenüberstanden, vibrierte die Luft im Ledigenheim längst vor Harmonie und Rhythmus.

Denn die beiden Vollblutmusiker standen zwar als Akteure und Programmmacher im Zentrum des „Alles aus Liebe“-Specials am Samstag im Ledigenheim, aber das bedeutete keineswegs, dass sie auf der Bühne unter sich bleiben wollten.

Das Tune up Vocal Jazz Ensemble eröffnete den Abend

Und so gab es schon diverse musikalische Highlights, als die beiden zu den karibischen Rhythmen von „Something good“ der Moderatorin Carolina Kwasnik verkündeten, das etwas Gutes im Kommen sei. Tatsächlich war es schon lange da.

Und dass lag daran, dass Rainer Stemmermann nicht nur Sänger und Pianist, sondern eben auch Chorleiter ist. Sein Tune up Vocal Jazz Ensemble eröffnete den Abend. Und zeigte gleich, wo die Reise hingehen würde: „Stompin’ At the Savoy“ von den Fivepipes bot Close Harmony-Gesang in Pastellfarben: federleicht und fröhlich und dabei einschmeichelnd weich.

Ein anspruchsvolles A-capella-Stück

Es sind nicht nur die harmonischen Intervalle, die charakteristisch für diesen leicht swingenden Gesangsstil sind, die Dynamik jedes längeren Tons oder jeder kleineren Phrase wird von den Sängern en bloc auf- und wieder abgedreht, gleiten sie dann noch zwischen den einzelnen Tönen hin und her, ist Close Harmony perfekt.

Aber das Tune up Vocal Jazz Ensemble hat noch mehr drauf: Paul Simons „Still crazy (after all these years)“ wird im Arrangement von Darmon Meader und Jens Johansen zum anspruchsvollen A-capella-Stück, in dem die Sattechnik von Zeile zu Zeile wechselt.

Der Schlagzeuger braucht eigentlich keine Trommeln

Und mit dem mitreißenden afrikanischen Sabsylma Special kam erstmalig neben der menschlichen Stimme der ganze menschliche Körper zum Einsatz. Schlagzeuger Harald Ingenhag braucht eigentlich gar keine Trommeln, er beherrscht auch die Body Percussion, das Trommeln mit den Füßen, das Klatschen mit den Händen und das rhythmische Schlagen auf Brust und Oberschenkel.

„Die Gedanken sind frei“, als Volkslied im modernen Jazzgewand und in der musikalischen Improvisation. Neben Harald Ingenhag haben der beeindruckend vielseitige Gitarrist Frank Sichman und der Spardosen-Terzett-Bassist Kai Struwe ihren Platz auf der Bühne eingenommen. Und da auf der Bühne nun alles singt und swingt, stimmt auch das Publikum mit ein.

Starke Stimmen

Reinhard Schmitz spielt das Saxophonsolo in „Somethings Good“, dann wird es wirklich face to face. Stemmermann mit seinem jazzigen Tenor und Sonja Alefs mit ihrer klaren, äußerst präzise intonierenden Stimme bezaubern mit dem verspielten „Favourite Things“, Stemmermanns ruhiger Pop-Ballade „Gezeiten“ mit dem Text von Martina Weinem.

Im zweiten Teil des Abends ernten Sonja Alefs und Frank Sichmann an der Akustikgitarre standing ovations für Joni Mitchells „Circle Game“, singt, spielt und tanzt Rainer Stemmermann „Mr. Bo Jangles“. Starke Stimmen im Verein eröffneten das Set nach der Pause: Die DC Voice Band, der Pilotchor des Vereins, der Organisator der Konzertreihe zum Valentinstag ist, wurde prompt für eine Zugabe auf der Bühne gehalten.

Alte Fivepipes-Zeiten lebten auf

Rainer Stemmermann merkte man den Spaß am Konzert an, er leuchtete innerlich. Seine größte Freude aber hatte er sich bis zum Ende aufgehoben. Mit Werner Brücker aus der Originalbesetzung, Sonja Alefs und Theresa Kruse ließ er alte Fivepipes-Zeiten aufleben. Gutgelaunter wie perfekter Jazzgesang mit humorvollen Scateinlagen. Natürlich ließ sich dieser „Night Train“ nicht mehr stoppen.

Coldplay „Fix you“ mit allen beteiligten hatte alles, was eine Zugabe zu einem haften bleibenden Konzertende macht, aber die Energie auf der Bühne und im Saal entlud sich in einer weiteren Improvisation. Dann sang Sonja Alefs „Auld lang syne“. Und dies bedeutet, dass auch der schönste Abend mal zu Ende geht.

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