UNFÄLLE

Bahnstrecke: So gehen die Einsatzkräfte mit Unglücken um

Die Feuerwehrleute können nach Einsätzen an der Bahnstrecke die Notfallseelsorger des Kreises um Hilfe bitten.

Die Feuerwehrleute können nach Einsätzen an der Bahnstrecke die Notfallseelsorger des Kreises um Hilfe bitten.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE FOTO SERVICES (SYMBOLBILD)

Dinslaken.   Zweimal innerhalb von drei Tagen kam ein Mensch an derselben Stelle auf den Gleisen in Dinslaken zu Tode. So geht die Feuerwehr damit um.

Zwei Mal innerhalb von drei Tagen ist in Dinslaken ein Mensch an derselben Stelle auf den Gleisen im Ortskern von Dinslaken-Hiesfeld/Barmingholten verunglückt. In beiden Fällen, am Dienstag und am Donnerstag, geht die Polizei von einem Suizid aus. Bei den Menschen vor Ort lösten die beiden Unfälle Trauer und Entsetzen aus.

Notfallseelsorger stehen auch für die Feuerwehr zur Verfügung

Auch für die Feuerwehr sind zwei Unglücke in so kurzer Abfolge ungewöhnlich und schwer zu verarbeiten. Die Einsatzkräfte können danach die Hilfe bei der Notfallseelsorgern des Kreises Wesel in Anspruch nehmen, erklärt der Leiter der Dinslakener Feuerwehr, Udo Walbrodt. Auch wenn diese eigentlich für die Betreuung von Betroffenen zuständig seien, stünden die Seelsorger auch für die Feuerwehrleute innerhalb einer halben Stunde zur Verfügung. Dieses Angebot zu nutzen stehe den Einsatzkräften frei, so Walbrodt. Viele verarbeiten traumatische Erlebnisse auch im Gespräch mit den Kollegen.

Hoffnung, dass der Betuwe-Lärmschutz den Zugang zur Strecke erschwert

Die meisten Feuerwehrleute in Dinslaken arbeiten ehrenamtlich – die Wehr besteht aus 336 Ehrenamtlern und 76 hauptamtlichen Kräften. Bei Unglücksfällen an der Bahnstrecke werden die Einsatzkräfte ausgesucht, es kämen nicht unbedingt die jüngeren und weniger erfahrenen Kräfte zum Einsatz, so Walbrodt. Zudem bemühe sich die Feuerwehr seit einigen Jahren, den meisten ihrer Kräfte vor Ort den Anblick der Unglücksstelle selbst zu ersparen. Walbrodt hofft, dass die Lärmschutzwände an der Betuwe-Strecke den Zugang zu den Bahngleisen etwas erschweren – auch, wenn das die Einsatzkräfte behindere. Allerdings ist bislang nicht an allen Stellen durchgehender Lärmschutz geplant.

So betreut die Bahn ihre Lokführer

Laut Statistik der Deutschen Bahn erleben Lokführer alle 20 Jahre einen sogenannten Schienensuizid. Die Betroffenen werden vor Ort von einem Notfallmanager oder durch Personal für die psychologische Erste-Hilfe professionell betreut, so eine Bahnsprecherin. Lokführer werden bei Personenunfällen ausnahmslos von einem Kollegen abgelöst und nach Hause begleitet und bleiben solange außer Dienst, bis die aus dem Ereignis resultierenden Belastungsreaktionen bei ihnen abgeklungen sind. Bei den ersten Fahrten nach dem Wiedereintritt in den Dienst hat der Lokführer die Möglichkeit, sich von einem Gruppenführer, einer Vertrauensperson oder einem Psychologen begleiten zu lassen. Auch gibt es eine intensive Nachbetreuung. Rund 20 Lokführer sind aufgrund der Folgen einer Traumatisierung trotz Therapie dauerhaft fahruntauglich und können innerhalb der Deutschen Bahn in eine andere Tätigkeit wechseln.

Identität ist geklärt

Die Polizei konnte nach dem ersten Unglücksfall die Identität des Opfers zunächst nicht klären. Das ist mittlerweile geschehen.

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