„Pinos Treff“

Blaue Bude in Dinslaken diskutiert über Rechtsextremismus

„Pinos Treff“ in der Blauen Bude debattierte zum Thema Rechtsextremismus.

Foto: Lars Fröhlich

„Pinos Treff“ in der Blauen Bude debattierte zum Thema Rechtsextremismus.

Dinslaken.   Bei „Pinos Treff“ ging es um die Themen Rechtsextremismus und AfD. Der Gesprächsbedarf war groß, der Platz in der Blauen Bude reichte nicht aus.

Man kennt ihn als Künstler, als humorvollen Schöpfer des „Fert“ mit drei Beinen. Am Mittwoch jedoch zeigte Pino Juliano in seinem „Treff“ in der Blauen Bude des Forum Lohberg seine andere Seite: ein studierter Lehrer für Politik und Geschichte, der nachdenklich, engagiert für das Thema eintritt, das derzeit die Republik bewegt. In einem schriftlich ausgearbeiteten Referat voller Zitate und Quellenangaben ging er den Fragen nach, wie die Rechte derart erstarken konnte und wie man sich dem im Alltag entgegenstellen kann. Der Gesprächsbedarf scheint sehr groß zu sein, in der Blauen Bude reichte der Platz nicht aus, so viele Interessierte waren gekommen, um über zwei Stunden lang zu diskutieren.

Vor vier Jahren gehörte Juliano zu den Gründern des „Bündnis gegen Rechts“ in Dinslaken. Offener Rechtsradikalismus stellt in der Bundesrepublik aber weitaus länger eine Bedrohung dar. Etwa 200 Menschen seien in den vergangenen 40 Jahren in Deutschland Opfer rechten Terrors geworden, so Juliano, angefangen beim niemals ganz aufgeklärten Attentat auf das Münchener Oktoberfest 1980, über Solingen bis zu den Morden des NSU.

Immer wieder kam das Gespräch auf die AfD

Doch wie können Neonazis und Hooligans heute Seite an Seite mit Vertretern einer demokratisch gewählten Partei demonstrieren? Juliano zeigte Verflechtungen innerhalb des rechtsextremen Spektrums auf. Und kam immer wieder auf die AfD zu sprechen, die laut eines Urteils des Landgerichts Gießen vom April 2018 offen als rechtsextrem bezeichnet werden darf: Wer sind in dieser Partei die Strippenzieher? Wie äußern sie sich im Netz? Welchen Einfluss übt die Rechte über die AfD auf die Demokratie und ihre Organe aus? Und wer sind ihre Wähler?

Diese letze Frage war dann der Ansatz für die angeregte Diskussion in der Blauen Bude. Einig war man sich, dass viel Gedankengut der extremen Rechten, von der Fremdenfeindlichkeit bis zur Diskreditierung der Medien, salonfähig geworden ist. Aber was ist mit der Verunsicherungen durch die eigene soziale Situation, durch das Nichtverstehen der Sprachen, die man auf der Straße hört oder durch eine latente Angst vor islamistischen Terror? Der Rechtsextremismus nährt sich von diesen Verunsicherungen, schürt sie. Er braucht Feindbilder, er braucht ein Schwarz-Weiß-Denken.

Und so zeichneten sich in der Diskussion Mittel gegen Rechts ab: Aufklärung, das Nehmen von Ängsten, die Lösung sozialer Fragen und das Erinnern, dass das rechte Experiment Nationalsozialismus einst durch Krieg und Verfolgung Millionen deutscher Menschenleben forderte.

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