Mordprozess

Brand im Saunaclub: Neues Gutachten entlastet Voerder nicht

Bei einem Brand im FKK-Saunaclub in Hamminkeln blieb vom Gebäude nicht viel übrig. Ein Gast kam ums Leben. Ein Voerder steht deshalb vor dem Landgericht.

Bei einem Brand im FKK-Saunaclub in Hamminkeln blieb vom Gebäude nicht viel übrig. Ein Gast kam ums Leben. Ein Voerder steht deshalb vor dem Landgericht.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services (archiv)

Voerde/Hamminkeln/Duisburg.  Ein weiterer Brandsachverständiger erläuterte vor dem Landgericht Duisburg nun sein Gutachten. Überraschungen gab es dabei aber nicht.

Seit vier Monaten wird vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg gegen einen 43-jährigen Mann aus Voerde verhandelt. Ihm wird Mord vorgeworfen. In der Nacht zum 14. Juli 2019 soll er in Hamminkeln aus Verärgerung über den schlechten Service einen FKK-Saunaclub angezündet haben. Ein 64-jähriger Niederländer starb. Am zwölften Verhandlungstag erläuterte ein weiterer Brandsachverständiger sein Gutachten. Überraschungen gab es dabei nicht.

Ein Gutachter hatte bereits vor sechs Wochen seine Erkenntnisse vorgetragen. Doch die Verteidigung bemängelte erfolgreich eine gewisse einseitige Vorgehensweise des Experten sowie handwerkliche Mängel des Gutachtens. Die Kammer hatte einen neuen Gutachter beauftragt. Diplom-Ingenieur Guido Schweers, ein hoch erfahrener Sachverständiger auf dem Gebiet der Brandursachenforschung, schloss natürliche Ursachen oder einen technischen Defekt als Grund für den Brand im Gebäude aus. „Das Feuer, dessen Brandherd das Bett in Zimmer 16 war, wurde durch eine offene Flamme entzündet“, stellte der Chemiker fest.

Keine Anhaltspunkte für eine fahrlässige Verursachung gefunden

Anhaltspunkte für eine fahrlässige Verursachung vermochte der Experte nicht zu finden. „Die Bewohnerin hat ausgesagt, sie habe vor dem Verlassen des Raumes noch eine Zigarette geraucht.“ Wäre das Feuer aber durch eine glimmende Zigarette entzündet worden, hätte sich in Minuten ein Schwelbrand mit viel Rauch entwickelt, weiß der Experte. Der Brandmelder jedoch schlug erst 30 bis 45 Minuten, nachdem die Frau das Zimmer verlassen hatte, an. Auch eine versehentlich umgestoßene Kerze oder ein Teelicht kämen nicht als Ursache in Betracht. Er habe keine entsprechenden Spuren gefunden. „Es deutet alles auf Brandstiftung hin“, so das Urteil des Sachverständigen, der damit anders lautenden Theorien der Verteidigung die Grundlage entzog.

Das Gericht ließ erneut Aufnahmen einer Überwachungskamera aus der Tatnacht zeigen. Man sieht, wie der Angeklagte aus dem Fenster des Zimmers steigt, in dem er sich zuvor mit Prostituierten vergnügt haben soll. Gut drei Minuten später dringt erster Rauch aus dem Fenster, nach zehn Minuten schlagen die Flammen heraus. „Nur das Bett kann das Feuer so schnell genährt haben“, so der Gutachter. Für den Prozess sind bis September zahlreiche weitere Termine geplant.

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