Theaterprojekt

Junge schreibt Briefe an Gott über nicht gelebte Jahre

Adnan Köse, Marlene Zimmer und Dr. Hans Feldhoff (v.l.) im Theater Halbe Treppe in Lohberg.

Foto: Heiko Kempken

Adnan Köse, Marlene Zimmer und Dr. Hans Feldhoff (v.l.) im Theater Halbe Treppe in Lohberg. Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Adnan Köse inszeniert „Oscar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt mit Marlene Zimmer als krebskrankem Jungen. Premiere im Ledigenheim.

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Marlene Zimmer nimmt im Superman-T-Shirt und mit Baseball-Kappe auf der Probebühne im Theater Halbe Treppe ihren Platz am Schreibtisch ein: „Lieber Gott, ich heiße Oscar, bin zehn Jahre und schreibe Dir jetzt einen ersten Brief, weil ich wegen der Schule nicht dazu gekommen bin.“

Während die Verwandlung zum kleinen Jungen der hessischen Schauspielerin souverän gelingt, muss „Oscar“ schnell zugeben, dass er in seinem Brief an Gott „schreibt wie Lametta“. Worte wie Schnörkel und Tand, weil er (noch) glaubt, mit der Wahrheit nicht die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen zu erlangen, das er braucht. Denn Oscar hat Krebs. Leukämie im Endstadion. Im Kinderkrankenhaus haben sie ihn aufgegeben, die traurigen Blicke und die Unbeholfenheit der Ärzte und Pfleger deutet er als unausgesprochene Vorwürfe: Er mache sie traurig. Nur „Oma Rosa“, einer unkonventionelle Ehrenamtlichen, gelingt es, sich mit dem Jungen zu verbünden. Mit der Aufforderung, in Briefen Gott (und sich selbst) jeweils zehn nicht gelebte Jahre von der Jugend bis ins Alter zu erzählen, lässt sie Oscar reifen und schließlich gelassen sterben.

„Oscar und die Dame in Rosa“ stammt aus der Feder des Erfolgsautoren Eric-Emmanuel Schmitt („Letzte Nacht auf Erden“, „Hotel zu den zwei Welten“). Adnan Köse inszeniert das Einpersonenstück derzeit mit Marlene Zimmer in der Titelrolle. Premiere ist am Freitag, 17. März, um 19.30 Uhr im Ledigenheim Lohberg.

Förderverein St. Marien Lohberg unterstützt Projekt

Die Produktion wird gefördert vom Förderverein St. Marien Lohberg. Das passt, der Glaube spielt in „Oscar und die Dame in Rosa“ eine zentrale Rolle. Oscar, der von Zuhause aus nicht religiös erzogen wurde, geht durch das Briefeschreiben nicht nur durch ein ganzes Menschenleben, er lernt Gott als Ansprechpartner kennen. „Er wird im Glauben gestärkt“, sagt Adnan Köse und bekennt: „Ich bin selbst ein sehr gläubiger Mensch.“ Seine Mutter, die, wie Oscar, an Krebs starb, habe ihm bis zuletzt versichert: „Mach dir keine Sorgen, Gott passt auf.“ – „Ich habe viel Schlechtes erlebt“, so der Regisseur, „aber ich konnte meinen Glauben behalten“. Oscars 100-jähriges Leben in dessen Briefen sei durchaus eine Leidens- und Heilsgeschichte wie das Leben Jesu.

„Es ist ein sehr anrührendes Stück, da kommen einem die Tränen“, sagt Dr. Hans Feldhoff vom Förderverein St. Marien Lohberg.

Marlene Zimmer, die derzeit vor allem in der freien Szene Frankfurts auf den Bühnen steht und den Text von Eric-Emmanuel Schmitt derzeit zum ersten Mal probt, pflichtet ihm bei: „Das spannendste und schwierigste zugleich ist, die Angst vor Krankheit und Tod zuzulassen, die einem bei diesem Thema selbst beschleicht und die man im Alltag verdrängt. Wir halten diese Angst hinter einer verschlossenen Tür versteckt. Aber hier müssen wir die Tür öffnen.“

Termine und Tickets

Nach der Premiere am 17. März im Ledigenheim Lohberg ist eine weitere Vorstellung am Samstag, 1. April, ebenfalls um 19.30 Uhr im Tribünenhaus der Trabrennbahn angesetzt. Anschließend sind Aufführungen außerhalb von Dinslaken geplant.

Tickets für den 17. März und 1. April gibt es im Vorverkauf für 13 Euro im Café Kostbar auf der Duisburger Straße, telefonisch vorbestellbar unter 02064-621930, oder an den Abendkassen für 15 Euro.

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