„Die Bude ums Eck“

Bude am Waymannskath ist feste Anlaufstelle in Voerde

Vater und Sohn, das sind Kemal und Burak Can (v.l.): Beide sind derzeit eingesprungen, um im Büdchen der urlaubenden Tochter beziehungsweise Schwester Bahar am Waymannskath in Voerde die Kunden weiterhin zu bedienen.

Foto: Heiko Kempken

Vater und Sohn, das sind Kemal und Burak Can (v.l.): Beide sind derzeit eingesprungen, um im Büdchen der urlaubenden Tochter beziehungsweise Schwester Bahar am Waymannskath in Voerde die Kunden weiterhin zu bedienen. Foto: Heiko Kempken

Voerde.   Die Trinkhalle von Bahar Can am Waymannskath ist ein beliebter Treffpunkt für den kleinen Kauf und zum Klönen. Vater und Bruder helfen auch mit.

Der Waymannskath in Voerde ist eine ruhige Ecke: Wohnhäuser reihen sich aneinander, die Vorgärten sind gepflegt, die Hecken fein gestutzt, kaum Durchgangsverkehr. Eine Trinkhalle würde man hier zunächst nicht vermuten. Wer allerdings hier aufgewachsen ist, kennt das Büdchen am Waymannskath. Seit Jahrzehnten ist die kleine Trinkhalle, eingebettet zwischen einer Kindertagesstätte und den Gärten der anliegenden Häuser, eine feste Anlaufstelle in der Gegend.

Burak Can nimmt einen Kaffeebecher vom Regal, stellt ihn unter den Vollautomaten und drückt eine der Tasten. Der Automat tut seine Arbeit, mahlt die Bohnen und befüllt den Becher mit frischem Kaffee. Die Kundin am kleinen Fenster des Büdchens nimmt den Becher entgegen und zahlt: „Einen schönen Tag noch.“ – „Den wünsche ich Ihnen auch“, erwidert Burak Can. „Es gibt Kunden, die kommen jeden Tag. Wirklich immer“, sagt er.

Geschwister kennen die Bude noch aus ihrer Kindheit

Vor zwei Jahren hat Buraks Schwester Bahar das Büdchen am Waymannskath übernommen. Weil sie sich momentan einige Tage Urlaub gönnt, sind Burak und Vater Kemal eingesprungen und versorgen die Kunden mit Süßigkeiten, Getränken, belegten Brötchen, Zeitungen und Tabak. „Aber auch wenn nichts gekauft wird, redet man einfach ein bisschen. Hauptsache die Leute kommen vorbei.“

Familie Can ist in Voerde verwurzelt. Das Büdchen kennen Burak und Bahar noch aus ihrer eigenen Kindheit: „Wir waren früher selber öfter auf dem Spielplatz nebenan und haben uns hier eine gemischte Tüte, Sammelkarten oder Zeitschriften gekauft“, erinnert sich Burak.

Erinnerungen von damals spielen eine wichtige Rolle

Die Erinnerungen von damals spielen bei den Geschwistern heute immer noch eine wichtige Rolle: „Wir haben jetzt einzelne Süßigkeiten im Angebot. Die Kinder dürfen sich die Bonbons auch mal selber in Tüte packen.“ So wie es damals auch bei ihnen war. Damit verdiene man nicht viel, aber es sei eine schöne Sache, findet Burak.

Vater Kemal stimmt zu: „Da haben die Kinder richtig Spaß.“ Für die Kinder haben Bahar und ihr jüngerer Bruder sich in den vergangenen zwei Jahren einiges einfallen lassen: An Ostern wurden vor der Trinkhalle Eier bemalt, in den Sommerferien veranstalteten sie eine Wasserschlacht, an Halloween wird es Bonbons für die Kinder geben und im Advent wird das Büdchen festlich geschmückt.

Vor allem die Kinder habe immer neue Wünsche

„Wenn ich von hier nach Hause laufe, grüße ich 50 Leute“, scherzt Burak – man kennt sich, manche seit vielen Jahren. Am Büdchen finden die Leute immer ein offenes Ohr. Da gibt es die Eltern, die ihre Kinder zur Kindertagesstätte nebenan bringen und hier einen Kaffee trinken. Dann sind da die Arbeiter, die sich morgens ein belegtes Brötchen mit auf die Schicht nehmen. Außerdem kämen viele ältere Kunden, die nicht mehr in die Innenstadt laufen möchten. „Denen bringen wir die Sachen dann auch schon mal nach Hause.“

Und dann sind da natürlich die Kinder, die mit immer neuen Ideen ans Büdchen treten: Fidget Spinner, Sammelkarten und die neuesten Süßigkeiten – die jüngsten Besucher am Büdchen sind zugleich auch die anspruchsvollsten. Die Arbeit sorgt dennoch für gute Laune: „Wir haben auf jeden Fall viel Spaß“, sagt Burak, anders ginge das auch nicht. Seine Schwester betreibt das Büdchen werktags von 7 Uhr in der Früh bis abends um 21 Uhr. Nur sonntags wird die Trinkhalle eine Stunde später geöffnet.

„Am Wochenende ist es ziemlich voll hier“, sagt Burak. Aber Schwester Bahar kann sich auf ihren Bruder und Vater Kemal verlassen: „Wenn ich gut drauf bin und Zeit habe, komme ich gerne hier her“, erzählt Kemal. Dann würde die Tochter auch schon mal einen Kaffee spendieren: „Deshalb bin ich auch gerne hier“, sagt der Vater und grinst.

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