„Mut proben“

Burghofbühnenstück behandelt Corona-Auswirkungen auf Kinder

Ein Umhang, mit dem man immer passend gekleidet ist, nimmt Ängste, die Maske ist in Coronazeiten auf der Bühne Pflicht. 

Ein Umhang, mit dem man immer passend gekleidet ist, nimmt Ängste, die Maske ist in Coronazeiten auf der Bühne Pflicht. 

Foto: Lisa Engineer / Burghofbühne

Dinslaken.  Premiere des Burghofbühnen-Kinderclub-Stücks „Mut proben“ wurde zur Momentaufnahme der Befindlichkeiten der Kinder nach halbem Jahr Coronakrise.

Mut proben. Überhaupt: proben! Proben dürfen! Mut, das Ergebnis der Proben zu sehen? Selten hat das Thema einer Kinderclub-Produktion der Burghofbühne Dinslaken während der Probenarbeit so an Aktualität gewonnen wie „Mut proben“, das sechs Kinder zwischen acht und 12 Jahren am Dienstag erstmalig auf der Studiobühne im Tenterhof zeigten.

Im kleinen Dachtheater galten Corona-Auflagen, die Zuschauerzahl war derart begrenzt, dass selbst Intendant Mirko Schombert zwar die Premiere ansagen durfte, aber danach sofort den Raum verlassen musste. Und auf der Bühne trugen die jungen Akteure Schutzmasken.

Corona, die dominierende Quelle der Angst in diesen Zeiten

Corona, die dominierende Quelle der Angst in diesen Zeiten war dann auch ein Thema im Stück. Und in der Metaebene die Frage: Schlagen sich Auswirkungen von Pandemie und Lockdown auf die Art und Weise nieder, wie die Kinder das Stück ausgestalten? Ein Stück für eine der Bürgerbühnen der Burghofbühne zu inszenieren, bedeutet, es zu initiieren: Den Inhalt verfassen die Teilnehmenden selbst, lassen ihre eigenen Erfahrungen und Wünsche oder wie im aktuellen Stück auch Ängste einfließen.

Um Mut zu haben, muss man Angst haben. Mut bedeutet Überwindung, sonst ist es Gedankenlosigkeit. Die Ängste, die die Kinder nennen, sind universell: Es sind die Ängste vor dem eigenen Versagen, etwas gegenüber anderen falsch zu machen. Die Reaktion: Abwehr. „Ich habe keinen Bock“, kann auch „ich traue mich nicht“ bedeuten.

Drei Szenarien vorgegeben

Also raus aus der Ängstlichkeit: Mut proben. Drei Szenarien hat Theaterpädagogin Riccarda Tomberg vorgegeben und gleich der erste ist der Klassiker: die Geisterbahn. Doch bevor die beiden Mädchen zu Carpenters „Halloween“-Klängen aus den Stühlen springen, die zum Geisterbahnwagen wurden, stellen sie sich der großen Angst schlechthin: Was bringt die Zukunft? Der „Wahrsager“ hat da eine klare Vorstellung. Schlechte Entwicklungen für die Mädchen bedeuten 20,60 Euro bar auf seine Hand.

Der eigene monetäre Vorteil als Motivation, sich mit den Ängsten anderer auseinanderzusetzen, entwickelte sich im Folgenden zu einem in einem Kinderclub-Stück seltsamen roten Faden. Riccarda Tomberg hatte ein Showformat ähnlich der „Höhle der Löwen“ vorgegeben. Um den Hauptpreis traten drei Teams an mit Produkten an, die helfen sollten, Ängste zu besiegen. Es gewann ein politisch korrekter Vampirmantel, mit dem man wahlweise immer passend angezogen ist oder sich gegenüber unangenehmen Menschen in eine Statue verwandeln kann. Ein Mantel als Mittel gegen die Angst, dem erwarteten Bild nicht zu entsprechen oder um sich selbst einer Situation entziehen zu können.

Es ging um Geld

Was einem dabei – soll man sagen: Angst? machen konnte: Bei der Diskussion um das gute Stück ging es um den überhöhten Preis, den namentlich genannten Billig-Läden, die ihn im Angebot hätten und um die Anbieterinnen selbst, die behaupteten, das Preisgeld für ihren Artikel zu spenden, es in Wirklichkeit aber auf der besagten Dinslakener Kirmes aus der ersten Szene verprassen wollten.

Geld wurde dann auch zur Motivation für ein Interview, das einer der Jungen aus dem Kinderclub, der eigentlich darauf keine Lust hatte, als Virologe Christian Drosten gab. Dabei war diese Szene der Aufhänger, über das zu sprechen, was in diesen Coronazeiten Mut macht. Warum war es den Kindern so wichtig, auf der Bühne immer wieder zu betonen, dass es bei allem nur ums Geld geht? Ist es das, was sie im letzten halben Jahr, zurückgeworfen auf ein erwachsenes Umfeld und die Medien, gelernt haben und nun im Spiel verarbeiten?

Ängste vor und nach Corona waren andere

Im Pressegespräch nach der Vorstellung erinnert sich Riccarda Tomberg an die ersten Proben vor einem Jahr. Man sprach über Ängste und es waren Kinderängste: Der erste Schultag, Lehrer, ausgebüxte Schlangen. Dann kam der Lockdown. Und als es nach vier Monaten eine erste Probe gab, sei die Stimmung der Kinder anders gewesen, beschwerter. „Als müssten sie erst wieder lernen, gemeinsam zu agieren“. Spielen wollten sie, aber auch einfach nur auf dem Hof herum toben. Was den Kindern in der Krise Mut gemacht habe? Auf diese Frage habe es bei den meisten erst ein langes Schweigen gegeben. Und dann die Antworten: die Haustiere, die möglichen Treffen mit den Freunden drinnen.

Zum Dankeschön nach der gelungenen Premiere gab’s Bonbons vom Ensemble für die Leiterin und die Lieblingsschokolade der Kinder für die Akteure. Da freuten sie sich, wie sich nur Kinder freuen können. Und das machte einem auch als Zuschauerin Mut.

>> DIE BURGHOFBÜHNE UND IHRE MITMACH-ANGEBOTE

  • Mut proben ist ein Kinderclub-Stück von und mit Lynn Guthardt, Giovanni Matteo Lupino, Friedrich Lupino, Alina Neumann, Ozanhannes Kalafatoglu und Leonard Schmatloch. Inszenierung: Riccarda Tomberg.
  • Sie erarbeiteten es im Rahmen des Bürgerbühnenangebots der Burghofbühne seit dem letzten Herbst.
  • Die Bürgerbühne der Burghofbühne für jede Altersgruppe ermöglicht Laien unter der Regie von Profis, eigene Stücke auf die Bühne zu bringen.
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