Integrationsbeauftragter

Burhan Cetinkaya: Integration benötigt einen langen Atem

Önay Duranöz, Oktay Kirli, Tunahan Selvi, Yeskin Akyüz, Cüneyd Azrak, Christa Jahnke-Horstmann, Burhan Cetinkaya, Karin Budahn-Diallo und Yasemin Kröksür (v.l.) bei der Kampagne „Wir sind Dinslaken - Vorbilder im öffentlichen Dienst“.

Foto: Lars Fröhlich

Önay Duranöz, Oktay Kirli, Tunahan Selvi, Yeskin Akyüz, Cüneyd Azrak, Christa Jahnke-Horstmann, Burhan Cetinkaya, Karin Budahn-Diallo und Yasemin Kröksür (v.l.) bei der Kampagne „Wir sind Dinslaken - Vorbilder im öffentlichen Dienst“. Foto: Lars Fröhlich

Dinslaken.   Zum Ende des Monats wird der Integrationsbeauftragte Burhan Cetinkaya Dinslaken in Richtung Berlin verlassen. Viele Projekte hat er angestoßen.

„Wessen Sohn bist Du?“ – so lautet die erste Frage, die dem Integrationsbeauftragten Burhan Cetinkaya im April 2014 bei seinem ersten Aufenthalt in Lohberg gestellt wurde. Nun, er musste die Lohberger enttäuschen – Burhan Cetinkaya stammt aus Bremen, ist ein Kind der Großstadt, wie auch seine Frau. Deshalb zieht es die Beiden jetzt auch mit ihren Kindern zurück in eine Millionenstadt. Berlin wird es sein. Dort beginnt Burhan Cetinkaya am 1. Oktober seine Anstellung als Stadtentwickler beim Land Berlin.

„Wir haben uns immer nach dem Großstadtleben gesehnt. Bevor unsere Älteste in die Schule kommt, wollten wir uns, sobald sich eine Chance bot, auf Jahre in einer Großstadt niederlassen“, begründet der Integrationsbeauftragte seinen Entschluss, bereits nach dreieinhalb Jahren seine Zelte hier abzubrechen und einen Neuanfang zu wagen. Er hinterlasse der Stadt ein Integrations- und Flüchtlingskonzept, Strukturen und Netzwerke, die es gelte weiter zu pflegen und zu intensivieren. Denn wie offen ist eine Stadt für ihre zugewanderten Menschen, wie offen ist Dinslaken?

„Ich habe hier viele Menschen getroffen, die nicht nur große Reden schwangen, sondern die Ärmel hochkrempelten und anpackten“, lobt Burhan Cetinkaya. „Für diese Zusammenarbeit bin ich dankbar.“ Doch Integration brauche einen langen Atem und sei vor allem eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es sei dabei wichtig, viele Menschen und Organisationen mitzunehmen, sie einzubinden in dem Prozess.

„Der Integrationsprozess muss kontinuierlich weitergeführt werden“, so Cetinkaya, es wanderten ja auch immer wieder Menschen neu ein. „Als ich damals in Dinslaken ankam, sollte ich als erstes ein Integrationskonzept entwickeln“, erinnert er sich, „doch auf der Tagesordnung stand erst einmal der gewaltbereite Salafismus.“ Eine Herausforderung, der sich auch die Stadt stellen musste und auch Burhan Cetinkaya.

Er habe seine Arbeit gut gemacht und man sei traurig über sein Fortgehen, bekundeten kürzlich die Mitglieder des Integrationsrates. Vor allem lobten sie sein Geschick, die verschiedensten Menschen mit einzubinden in die Arbeit. Sei es beim christlich-islamischen Dialog, der sich nach Cetinkayas Meinung interreligiös öffnen müsse, bei der Sprachförderung und der Elternbildung, bei der Förderung des ehrenamtlichen Engagements der Migrantenselbstorganisationen, dem interkulturellen Zusammenleben.

Der Dinslakener Appell sei ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit aller hier in Dinslaken, so Cetinkaya. Gemeinsam gegen Ex-tremismus vereinigten sich über 3000 Bürgerinnen und Bürger und 80 Vereine, Kirchen, Moscheen, Institutionen und unterschrieben den Appell. Mehr als 1000 Menschen gingen gegen Hass und Gewalt auf die Straße, um für ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen zu demonstrieren.

Doch dürfe sich eine Stadt nicht auf ihre Erfolge ausruhen, gibt er seinem Nachfolger, der zur Zeit noch gesucht wird, auf den Weg. Benachteiligte Stadtteile gebe es immer noch, sie gelte es, mitzunehmen. Flüchtlinge sollten nicht in „Ghettos“ untergebracht, sondern auf die Stadt verteilt werden. Arbeitgeber fordert er auf, Menschen mit Migrationshintergrund nicht zu vergessen, sondern ihnen eine Chance zu geben.

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