Pandemie

Coronavirus: Physiotherapeuten fordern Soforthilfe

Physiotherapeuten in ganz Deutschland beklagen derzeit einen massiven Umsatzrückgang. Grund ist die derzeitige Coronakrise.

Physiotherapeuten in ganz Deutschland beklagen derzeit einen massiven Umsatzrückgang. Grund ist die derzeitige Coronakrise.

Foto: Lars Fröhlich / FFS (Archiv)

Dinslaken/Voerde.  Selbstständige und Praxen verzeichnen massive Umsatzrückgänge. Der Staat müsse schnell reagieren, so Physiotherapeuten aus Dinslaken und Voerde.

Physiotherapeuten in ganz Deutschland beklagen derzeit einen massiven Umsatzrückgang. Zwar dürfen Mitarbeiter in Heilberufen weiterhin ihrer Arbeit nachgehen, „aber viele Patienten sagen aus Angst vor einer Ansteckung lieber ab“, berichtet Stefanie Budde. Die selbstständige Physiotherapeutin aus Voerde habe seit dem Ausbruch des Coronavirus kaum noch Termine. „Die Aufträge sind um mehr als die Hälfte zurückgegangen.“

In Heimen für geistig behinderte Menschen sei die Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten zum Schutz der Patienten ganz eingestellt worden. Eine wichtige Einnahmequelle, auf die Budde derzeit komplett verzichten muss. „Eigentlich arbeite ich 40 bis 45 Stunden die Woche“, erzählt die alleinerziehende Mutter. Aktuell sei sie nur noch vereinzelt im Einsatz. „Ich habe mal morgens, mal abends einen Termin.“

Keine Möglichkeit, viel Geld zurückzulegen

Dabei seien Heilberufe ohnehin schlecht vergütet. „Wir haben gar nicht die Möglichkeit, viel zur Seite zu legen“, so Budde. Zwei, drei Wochen könne sie vermutlich überbrücken, Monate aber sicher nicht. „Wenn Praxen weiterhin so wenig Arbeit haben, gehen sie bald pleite“, warnt die Physiotherapeutin. Auch sie selbst müsse gucken, wie sie über die Runden kommt. Budde fordert deshalb finanzielle Soforthilfen. „Kleinunternehmen werden Hilfezahlungen zugesagt, Heilberufe sind davon aber ausgenommen“, kritisiert die Physiotherapeutin.

Auch der Landesverband von Physio Deutschland fordert den Bundestag auf, Heilmittelerbringer in einem für Freitag zur Abstimmung vorgesehenen Rettungsschirm zu berücksichtigen. Schließlich sei der nächstmögliche Termin für weitere Hilfsmaßnahmen voraussichtlich erst am 20. April. „Das wird für viele Praxen zu spät sein“, so Budde.

Kurz nach Ausbruch des Coronavirus gab es bereits Einbußen um etwa 50 Prozent

Auch Christopher Ernst, einer von drei Praxisinhabern der Physiotherapie Ernst.Herf.Klang an der Dinslakener Neustraße, musste kurz nach Ausbruch des Coronavirus bereits Einbußen um etwa 50 Prozent verzeichnen. „Wir haben aufgrund eines positiven Coronafalls seit vergangenem Donnerstag geschlossen“, so Ernst. „Aber ich gehe davon aus, dass unsere Termine ohnehin noch weiter zurückgegangen wären.“ Nach Ostern müsse seine Praxis deshalb wieder fast bei null anfangen.

„Wir haben fünf Physiotherapeuten und drei Sekretärinnen“, sagt Ernst. Das oberste Ziel sei, alle Arbeitsplätze zu erhalten. Schließlich habe es bereits vor der Coronakrise viel zu wenige Physiotherapeuten gegeben. „Überall wurde nach Terminen geschrien“, so der Geschäftsführer. „Wenn wir die aktuelle Infrastruktur im Gesundheitswesen nicht erhalten können, wird es massive Probleme geben.“

Derzeit kann nicht jede Behandlung durchgeführt werden

Gleichzeitig müsse aber auch an die Gesundheit der Patienten gedacht werden. „Wir können aufgrund unserer Verantwortung gegenüber Risikogruppen derzeit nicht jede Behandlung durchführen“, sagt Ernst. Bei Leuten mit multiplen Vorerkrankungen, Atemwegsproblemen oder einer Immunschwäche müsse genau abgewogen werden, ob eine Verschiebung des Termins nicht ratsamer wäre. „Wir klären die Patienten telefonisch über mögliche Risiken auf.“

Um die große Zahl an Absagen und Terminverschiebungen zu kompensieren, seien Rettungspakete umso wichtiger. „Wir stehen bereits in Kontakt mit unseren Beratern.“ Denkbar sei beispielsweise, dass die Gesetzliche Krankenversicherung in Form von Ausgleichszahlungen einschreitet. „Das wäre aus meiner Sicht ein realistischer Weg“, so Ernst. Denn eines sei klar: „Wir werden sicherlich in der nächsten Zeit finanzielle Unterstützung brauchen.“

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