Coronavirus

Coronavirus-Zentrum Dinslaken soll Betrieb wieder aufnehmen

Die Abstrichzentren in Dinslaken und Moers wurden geschlossen. Ein Schild am Tor der Trabrennbahn Dinslaken informiert Hilfesuchende.

Die Abstrichzentren in Dinslaken und Moers wurden geschlossen. Ein Schild am Tor der Trabrennbahn Dinslaken informiert Hilfesuchende.

Foto: aha / NRZ

Kreis Wesel/Dinslaken/Moers.  Der Kreis Wesel arbeitet daran, die Corona-Abstrichzentren wieder in Betrieb zu nehmen. Vom Land zugesagtes Schutzmaterial ist nicht angekommen.

Das Zelt, in dem das Corona-Abstrichzentrum an der Trabrennbahn in Dinslaken gearbeitet hat, steht noch. Ein Schild an der Tür informiert Hilfesuchende darüber, dass die Zentren in Dinslaken und Moers nach nur wenigen Tagen Betrieb wieder geschlossen wurden. Nun gibt es Hoffnung: Vielleicht kann das Abstrichzentrum Dinslaken bald wieder eröffnet werden.

Der Kreis Wesel arbeitet aktuell mit Hochdruck daran, die Abstrichzentren wieder in Betrieb zu nehmen. Das erklärte Michael Maas, Vorstandsmitglied des Kreises Wesel für den Bereich Gesundheitswesen, am Mittwoch in einem Gespräch mit der Presse. Die Abstrichzentren mussten schließen, weil dem Labor, das die Proben analysieren sollte, die Kapazitäten ausgingen - „ein bundesweites Problem“, so Anja Schulte, Sprecherin des Kreises Wesel. Offenbar ist ein für die Analyse notwendiges Enzym nicht lieferbar.

Nur noch Patienten mit deutlichen Symptomen werden getestet

Bundesweit seien etwa 30 Labore in der Lage, die Proben zu analysieren, im erreichbaren Umfeld des Kreises Wesel sind es etwa 20. Der Kreis Wesel telefoniert alle Labore täglich ab, um Kapazitäten zu klären. Falls das Zentrum wieder eröffne, werde die Öffentlichkeit gesondert informiert. Bis dahin werden nur noch in den Krankenhäusern bei stationär aufgenommenen Patienten, die deutliche Symptome aufweisen, sowie in den Hausarztpraxen, die über Laborkapazitäten verfügen, Abstriche genommen.

Erste infizierte Patientin ist genesen

Die erste, nachweislich mit dem Coronavirus infizierte Patientin aus Kamp-Lintfort sei mittlerweile genesen und wieder in Arbeit. Das Coronavirus hat – mit dieser Patienten beginnend – den Kreis Wesel in drei Wellen erreicht: In der ersten Phase seien die meisten Infektionen auf einen Kontakt nach Heinsberg zurückzuführen gewesen, in der zweiten Phase waren vor allem Rückkehrer aus dem Skiurlaub in Ischgl und deren Kontakte betroffen – das betrifft etwa ein Drittel der bislang positiv getesteten Patienten.

Infektionswege können nicht mehr nachvollzogen werden

Sehr lange war also immer klar, welchen Weg die Infektion gegangen ist und an welcher Stelle sie eingedämmt werden kann. Das ist aktuell nicht mehr möglich - wie im Rest Deutschlands auch. „Jetzt sind wir aber in einer Situation, in der wir die Infektionswege vielfach nicht mehr nachvollziehen können“, so Maas.

Auch der Kreis Wesel geht davon aus, dass es eine Dunkelziffer von Menschen gibt, die wegen geringer Symptome unbemerkt an Corona erkrankt waren. Bei den kommunizierten Infektionszahlen handelt es sich um die labortechnisch abgesicherten Fälle, sie können nicht die Realität abbilden - sie spiegeln nur die Entwicklung wieder. Zudem wurde zu Beginn der Krise noch anders getestet: Anfangs wurden etwa auch Zweitkontakte von Infizierten getestet, das sei nun nicht mehr der Fall.

Die knappen Test-Kapazitäten sollten auf den Personenkreis, der deutliche Symptome zeigt und eine ärztliche Überweisung hat, konzentriert werden, so Maas. „Auch, wenn in der Anfangsphase der Corona-Lage in ganz Deutschland auch alle Kontaktpersonen und Menschen ohne Symptome getestet wurden, ist dies heute nicht mehr möglich und sinnvoll.“ Es gelte jetzt, sowohl personelle als auch materielle Ressourcen zu schonen. Materialengpässe seien auch im Kreis Wesel ein großes Problem.

Kreis hat zugesagtes Schutzmaterial nicht bekommen

Vom Land zugesagtes Schutzmaterial habe den Kreis Wesel nur in geringer Stückzahl erreicht - mit Ausnahme einer kleinen Menge zugelieferter Schutzmasken für zwei Krankenhäuser im Kreis Wesel. „Die Materialien, die der Kreis Wesel an Abstricheinrichtungen, Rettungsdienste und Krankenhäuser abgeben konnte, wurden bisher aus eigener Initiative beschafft. Dabei war das persönliche Engagement Einzelner ausschlaggebend für den Erfolg“, so Maas. „Es muss nun dringend und zeitnah mehr Kraft in die Herstellung und Beschaffung von Schutzausrüstungen investiert werden.“

Kreis Wesel: Hier sind Bund und Land gefordert

Das Land und der Bund seien hier gefordert, die Kreise und Städte effizienter als bisher zu versorgen, damit diese eine bedarfsgerechte Verteilung organisieren können. Mit Blick auf die Arbeit des Krisenstabes des Kreises Wesel betonte auch Dr. Lars Rentmeister, Vorstand Sicherheit und Ordnung, dass aktuell die Beschaffung von Schutzausrüstung Priorität hat: „Eine von fünf Unterarbeitsgruppen des Krisenstabes widmet sich genau diesem Thema.“

Corona im Kreis Wesel: Die aktuellen Zahlen

Aktuell sind im Kreis Wesel 176 mit dem Coronavirus infizierte Menschen registriert - am Dienstag waren es 164 Fälle. Die meisten Corona-Infektionen gibt es in Moers (29), gefolgt von Dinslaken (21), Wesel (20), Hünxe (18), Hamminkeln (17), Neukirchen-Vluyn (15), Voerde (14), Schermbeck (13), Rheinberg (9), Kamp-Lintfort (8), Alpen (6), Xanten (5) und Sonsbeck (1). Bislang sind im Kreis Wesel zwei Menschen infolge des Virus verstorben.

Hier finden Sie unsere interaktive NRW-Karte mit allen aktuellen Fallzahlen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben