Kunst

Bergbau: Ein Bild kehrt zurück nach Dinslaken

Silvo Magerl, RAG Vorstandsvors. Peter Schrimpf, Stiftungsvorstand Ledigenheim H. K. Bellinghausen, Bürgermeister Dr. Michael Heidinger und Thorsten Illmer bei den Feierlichkeiten für das Holzrelief.

Silvo Magerl, RAG Vorstandsvors. Peter Schrimpf, Stiftungsvorstand Ledigenheim H. K. Bellinghausen, Bürgermeister Dr. Michael Heidinger und Thorsten Illmer bei den Feierlichkeiten für das Holzrelief.

Foto: Heiko Kempken / Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Ein Bild kehrt aus Ibbenbüren zurück: Das Holzrelief der Lohberger Grubenwehr befindet sich nun wieder im Festsaal des Ledigenheims in Dinslaken.

„Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, hab’ mich nur versteckt...“ Marius Müller-Westernhagen hatte sicher nicht das Bild der Grubenwehr im Sinn, doch passte am Samstag sein Song, dargeboten vom MGV Concordia, perfekt zum festlichen Rahmen im Ledigenheim. Denn es kehrte nach Dinslaken heim, was nach Dinslaken gehörte – das Holzrelief der Grubenwehr, einst geschnitzt von Heinz Illmer. Da dieses Relief in früheren Jahren nie richtig eingeweiht wurde, gab es wenigstens zur Rückkehr, organisiert durch Silvo Magerl vom Bergbau Netzwerk Lohberg, eine kleine Feier.

Das Werk wiegt 200 Kilo

Ganz so einfach sei dies gar nicht gewesen, berichtet dieser. Das 3,2 mal 2,2 Meter große Bild ist nämlich 200 Kilogramm schwer und musste in Ibbenbüren durch fünf Leute von der Wand gehoben und transportfähig gemacht werden. „Die Ibbenbürener waren gar nicht glücklich, das Bild abzugeben, aber auch sie fanden – es gehört nach Dinslaken“, so Magerl. Auch RAG-Vorstandsvorsitzender und Schirmherr Peter Schrimpf sowie Bürgermeister Michael Heidinger dankten den Ibbenbürenern für die Rückgabe und die Anwesenheit bei der Feier.

Wie aber war es jetzt eigentlich zu all dem gekommen? Die Grubenwehren im Ruhrgebiet, so erzählt Willi Paetzel, einstmals Oberführer der Grubenwehr Lohberg, wurden in regelmäßigen Abständen in Essen-Krey geschult und nachgeschult.

Dort entdeckte Paetzel ein Bild, auf dem ein vorgehender Grubenwehrtrupp in halbsteiler Lage dargestellt wurde. Das wäre auch was für uns, dachte sich der Lohberger. Zwar gab es auf Lohberg keine halbsteile Lagerung, dafür kam es aber zu jener Zeit immer wieder zu Selbstentzündungen im „Alten Mann“, einer bereits abgebauten Fläche. Seine Idee fand beim damaligen Bergwerksdirektor Dr. Josef Kantor große Zustimmung.

Von Ibbenbüren zurück nach Dinslaken

In Heinz Illmer, einem Bergmann und gelernten Schreiner, fand man schnell den geborenen Künstler. „Heinz Illmer kam als 20-Jähriger als Flüchtling nach Lohberg, fand hier im Bergbau Arbeit und wohnte in den ersten Jahren im Ledigenheim“, erzählt Willi Paetzel. „Im heutigen Festsaal lernte er auch seine Frau Inge Lipka kennen, die hier in der Kantine ihren Arbeitsplatz hatte. Das Bild findet also hier den richtigen Platz hier im Festsaal.“

Schnell wurde im neuen Grubenwehrgebäude ein Raum für den künstlerisch veranlagten Bergmann eingerichtet. Der Schachtfotograf wurde mit unter Tage genommen, um einen Trupp mit Atemschutzausrüstung bei einem Inertisierungsvorgang (Löschung eines Schwelbrandes im Alten Mann) zu fotografieren. Das Holz fürs Relief fand man im Sauerland. 1977 schließlich war das Holzrelief und fand im Schulungsraum der Lohberger Grubenwehr ein Zuhause. Bis 2005 die Zeche Lohberg schloss.

Das Relief ging zum Bergwerk Ibbenbüren und bekam, dank des ehemaligen Lohberger Betriebsratsvorsitzenden und späteren Arbeitsdirektor auf Ibbenbüren, Jörg Buhren-Ortmann, einen Ehrenplatz in den Räumen der Ibbenbürener Grubenwehr. Nun schloss aber dieses Bergwerk im vergangenen Jahr ebenfalls seine Pforten – und das Bild kehrte zurück nach Dinslaken.

Rund um die Feierlichkeiten

Für den musikalischen Rahmen bei den Feierlichkeiten im Ledigenheim sorgten der MGV Concordia und die Bergkapelle Niederrhein. Der Knappenverein und die IGBCE Ortsgruppe versorgten mit Speisen und Getränken.

Einleitende Worte fand der Stiftungsvorstand des Ledigenheims Hans-Karl Bellinghausen, den es freute, dass das Holzrelief der Grubenwehr nun im Festsaal des Ledigenheimes seinen endgültigen Platz fand. Er wies noch einmal auf die Bedeutung des Ledigenheimes für den Bergbau hin und auf den gelungenen Wandel mit einem neuen Schwerpunkt. Auch überbrachte er die Grüße der früheren Bürgermeisterin und heutigen Voerder Bundestagsabgeordneten Sabine Weiss, ohne „deren Engagement das Ledigenheim nicht zu dem geworden wäre, was es heute ist“.

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