STURM

Nach Sturm Friederike sind manche Waldwege weiter gesperrt

Gesperrtes Waldgebiete nach Sturm Friederike an der B8 am Donnerstag den 01.03.2018 in Voerde. Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Foto: Lars Fröhlich

Gesperrtes Waldgebiete nach Sturm Friederike an der B8 am Donnerstag den 01.03.2018 in Voerde. Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services Foto: Lars Fröhlich

Dinslaken/Voerde/Hünxe.   In Hiesfeld oder den Kaninchenbergen sind noch Waldwege gesperrt. Die Aufräumarbeiten können Jahre dauern. Förster Herbrecht erklärt die Gründe.

Über einen Monat nach Sturm „Friederike“ hat der Landesbetrieb Wald und Holz die allgemeinen Waldsperrungen wieder aufgehoben. Theoretisch dürfen also alle Wälder wieder betreten werden. Praktisch aber sind manche Waldwege in Dinslaken, Voerde und Hünxe weiterhin gesperrt. Hier muss noch aufgeräumt werden, das Betreten wäre zu gefährlich. Die Arbeiten in den Wäldern infolge des Sturms werden aber noch Monate, teils sogar Jahre andauern.

4000 Kubikmeter Holz sind gefallen

Wenn Bäume gefallen sind, zählt sie der Förster nicht mehr als Stück, sondern rechnet in Kubikmetern Holz. Etwa 4000 Kubikmeter Holz hat Friederike in Michael Herbrechts Forstbezirk produziert. Der reicht zwar von Wesel bis Dormagen, der „Schwerpunkt lag aber im Bereich Dinslaken und Hünxe“, so der Förster. Anderswo sei mehr gefallen – im Reichswald bei Kleve etwa würden sich die Kubikmeterzahlen im fünfstelligen Bereich bewegen, so Herbrecht. „Vor allem Nadelholz war gefährdet“, sagt Herbrecht – wegen der flachen Wurzen.

Weil Michael Herbrecht schon während des Sturms ein Unternehmen für die Versuchsfläche Hinter den Kämpen kontaktiert hat – hier waren sämtliche Fichten umgekippt – war dieses Problem schnell erledigt. „1900 Kubikmeter waren mit dem Harvester innerhalb von eineinhalb Wochen aufgeräumt“, so Herbrecht.

Viele Einzelbäume sind umgefallen oder beschädigt

Die restlichen 2100 Kubikmeter Holz aber liegen verteilt im ganzen Revier – „als Einzelwürfe“, so Herbrecht. Heißt: „Egal, wo man hinkommt, man wird überall gefallene Bäume finden.“ Und, was viel schlimmer, weil gefährlicher ist: Die Bäume, die angeknackst, aber noch nicht umgefallen sind. „Für die restliche Arbeit werde ich Monate, wenn nicht Jahre brauchen.“ Einerseits sei es betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, „in die letzte Ecke zu fahren, um einen einzigen Baum herauszuholen.“

Also schafft das Forstamt zuerst die Bäume weg, die eine Gefahr darstellen. Im Rahmen der normalen Pflegemaßnahmen werden dann die weiteren Bäume herausgeschnitten. „Ich versuche generell, alle fünf Jahre in jeden meiner Waldbestände zu kommen.“

Alle Schlepper sind ausgebucht

Andererseits sind seit Friederike alle Schlepper ausgebucht.Reviere wie der Reichswald, in denen viel Holz gefallen ist, hatten dabei Vorrang. Und weil Dinslaken bereits den Harvester auf der Fläche Hinter den Kämpen hatte, muss sich Herbrecht nun hinten anstellen. „Wir können aber nicht mit der Arbeit anfangen, wenn ich keinen Schlepper zur Verfügung habe.“ Seiner Meinung nach müssten die Geräte zuerst dort eingesetzt werden, wo das meiste Gefahrenpotenzial ist: „Bei mir sind die Bäume zum Teil in Stadtnähe.“ Aber das sei eine Frage des Etats, der der Forstverwaltung NRW zur Verfügung stünde.

„Es gibt immer noch lebensgefährliche Stellen“

Weil Herbrecht auch seine Mitarbeiter „nicht in Gefahr bringen“ will, gebe es noch immer „bestimmte Ecken, an denen wir noch nicht waren“. Im Hiesfelder Wald etwa und in den Kaninchenbergen. Hier seien weiterhin Wege gesperrt. „Es gibt immer noch lebensgefährliche Stellen“, sagt Herbrecht. Bis Ende März will er alle Wege frei haben. Bis dahin appelliert er an alle Waldbesucher, die Augen offen zu halten. „Um Stellen, an denen links und rechts Bäume schräg stehen, sollte man einen großen Bogen machen.“

In den Stadtgebieten wurden die meisten Schäden beseitigt

In Dinslaken mussten in dem Monat nach Sturm Friederike 150 bis 160

Bäume im öffentlichen Raum entfernt werden, so Stadtsprecher Marcel Sturm. Gut 90 Prozent der Sturmschäden wurden bereits beseitigt. Bekannte, akute Gefahrenpunkte gebe es nicht mehr. „Vereinzelt werden immer wieder nochmal Punkte gemeldet, allerdings sind das wirklich nur einzelne Schäden“, so Sturm.

Das Holz wird zu Geld gemacht

In Hünxe war das noch gestern der Fall. Am Düsterfurtweg und am Lehmweg wurden zwei Bäume im Wind schwach, die, so vermutet Hauptamtsleiter Klaus Stratenwerth, schon vom Sturm angeknackst waren. Sie wurden gefällt. Die Hünxer Waldflächen, die nicht zum Staatsforst gehören, bewirtschaftet die Forstbetriebsgemeinschaft. Zum Teil wird das Holz der gefällten Bäume dort gehäckselt und als Dünger wieder in den Wald gegeben. Das gute Stammholz wird vermarktet, das Kleinholz – ähnlich wie in Dinslaken – als Biomasse verkauft. Die Erlöse senken den Zuschuss der Gemeinde Hünxe an die Forstbetriebsgemeinschaft.

Schweres Gerät ist im Hiesfelder Wald im Einsatz

Nach Sturmtief "Friederike" sorgt ein "Harvester" im Wald für Ordnung. Hier hatte der Sturm einen Fichtenbestand beinahe vollständig zerstört.
Schweres Gerät ist im Hiesfelder Wald im Einsatz
Ann-Christin Fürbach

Auch in Voerde wurde bereits alles zusammengeräumt. Allenfalls könnten am Straßenrand vereinzelt noch bereits gefällte Bäume liegen, so der Erste Beigeordnete Wilfried Limke. Die Erlöse aus dem Verkauf des Holzes seien in die Entsorgungspreise der Entsorger eingerechnet.

Die Fläche wird wieder aufgeforstet

Die Fläche Hinter den Kämpen in Dinslaken wird kommenden Winter wieder aufgeforstet. Gerne bietet das Forstamt solche Flächen als Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen an. Der Vorteil: Dann zahlt nicht der Steuerzahler die Kosten der Bepflanzung sondern die betreffende Firma.

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