HUBERTS

Das Ende des „Huberts“ - das sind die Hintergründe

Die Dinslakener Jugendkneipe „Huberts“ ist seit Dienstag geschlossen.

Foto: NRZ

Die Dinslakener Jugendkneipe „Huberts“ ist seit Dienstag geschlossen. Foto: NRZ

Dinslaken.   Die Caritas hat die Stadt überraschend über die Aufgabe der Maßnahme informiert. Dabei geht es auch um Anwohner- und Nutzerbeschwerden.

Die Jugendkneipe „Huberts“ ist seit Dienstag überraschend geschlossen. Die Caritas hat dem Bürgermeister am Montag in einem offenen Brief mitgeteilt, dass sie die Maßnahme zum 15. Mai einstellt.

Die Stadt wurde von der Nachricht „überrumpelt“, sagt Stadtsprecher Marcel Sturm. „Wir bedauern sehr, dass dieses Angebot für die jungen Menschen von heute auf morgen plötzlich wegbricht.“

So kam es zur der Einrichtung

Die Caritas hatte das ehemalige Haus Hubertus auf dem Gelände des BSV 1461 vor sechs Jahren auf Bitten der Stadt übernommen, als bekannt wurde, dass sich dort eine Rockergruppe niederlassen wollte. Das „Huberts“ war als niederschwelliges Angebot für Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren konzipiert, sollte Raum und Möglichkeit bieten, sich ungezwungen zu treffen, Bands sollten hier erste Auftritterfahrungen sammeln können.

Diese Konflikte gab es

Allerdings gab es immer wieder Beschwerden über die Jugendkneipe – aus unterschiedlichen Richtungen. Anwohner des anliegenden Bärenkamps hatten sich über laute Veranstaltungen im Huberts und über Hinterlassenschaften der Besucher am Wegesrand beklagt.

Ratsmitglieder aus dem Bereich Sicherheit und Ordnung hätten die Caritas „auf die Lautstärke und die Anzahl der Veranstaltungen angesprochen“, die darauf „entsprechend reagieren“ musste, schreibt Caritasdirektor Michael van Meerbeck in dem Brief an die Stadt. Auch sei bei bestimmten Veranstaltungen problematisches Publikum in der Jugendkneipe zugegen gewesen, und die Caritas müsse ihre Angebote nun einmal „mit Sicht auf den Jugendschutz prüfen und gestalten“, heißt es in dem Schreiben.

Daraufhin beschwerten sich Besucher, dass Veranstaltungen nicht stattfinden, Öffnungszeiten nicht verlässlich seien.

Diskussion im Jugendhilfeausschuss

Im Februar stand Guido Busch für die Caritas dem Jugendhilfeausschuss zum Thema „Huberts“ Rede und Antwort. Die Stadt regte an, einen runden Tisch einzurichten, Sozialdezernentin Christa Jahnke-Horstmann sprach von einem „erheblichen Kommunikationsproblem“.

Da der Runde Tisch bislang nicht existiert, wollte die UBV im morgigen Jugendhilfeausschuss beantragen, Michael van Meerbeck zur nächsten Sitzung einzuladen. Außerdem sollte die Verwaltung den Runden Tisch initiieren – und „bei der Verweigerung von Beteiligten entsprechende Konsequenzen aufzeigen“, so die UBV.

„Aufwand und Reibungsflächen“ seien „unverhältnismäßig“

Die Caritas habe in einem Schriftwechsel mit der Stadtverwaltung „den Wunsch geäußert, vor der Einrichtung eines Runden Tisches die durch die Gespräche angeregten Veränderungen zu implementieren oder umzusetzen, um hiernach zu Gesprächen einzuladen“, schreibt van Meerbeck. „Jugendliche und junge Erwachsene konnten sich, in dem durch den Caritasverband gesetzten Rahmen, zu jedem Zeitpunkt in die Programmgestaltung einbringen.“

Nun, so heißt es in dem Schreiben, „wächst der Aufwand und die Reibungsflächen durch die Maßnahme in einer Weise an, wie es für ein niederschwelliges Angebot ohne pädagogische Fachkräfte aus unserer Sicht unverhältnismäßig ist.“ Einzelne Angebote werde die Caritas in die Häuser der offenen Tür in Lohberg übertragen. Dort könne man auch fachlich entsprechenden Raum dafür stellen.

Der Mietvertrag läuft bis 2020

„Es ist nicht unsere erste Aufgabe, eine Kneipe zu betreiben“, begründet Michael van Meerbeck den Rückzug im Gespräch mit der NRZ. Man habe sich innerhalb des Verbandes abgestimmt und sei sich einig gewesen, dass „das für uns nicht mehr machbar“ und außerdem „der Grad des Ärgernisses zu groß“ ist, so van Meerbeck.

Der Mietvertrag für das Objekt – es gehört dem Schützenverein – läuft noch bis Mitte 2020. Die Caritas zahlt monatlich 1300 Euro Miete und werde den Vertrag erfüllen, so van Meerbeck. Das Flüchtlingscafé werde weiter im „Huberts“ stattfinden, möglicherweise auch Veranstaltungen von Vereinen. Die Stadt zahlt der Caritas jährlich einen Zuschuss von 30 000 Euro. Dadurch seien Miete und Betriebskosten gedeckt. Ob der Jahresbeitrag nun anteilig gekürzt wird, darüber muss man innerhalb der Stadtverwaltung noch beraten, so Marcel Sturm. Die Stadt werde „zu überlegen haben, wie mit der Situation umzugehen ist“.

Kommentar 

Die Jugendlichen haben das Nachsehen

Beschwerden der Anwohner über Lärm, Beschwerden der „Huberts“-Besucher über ausgefallene Veranstaltungen – das hätte man im Gespräch regeln können. Die Ursache für den Rückzug der Caritas ist aber eine andere: Es geht um die gekündigten Bauverträge für die Flüchtlingsunterkünfte – und die Art und Weise des städtischen Umgangs mit der Caritas dabei. Das Vertrauensverhältnis ist gestört. Den Rückzug bei der Flüchtlingsbetreuung hat die Caritas angeboten, beim „Huberts“ hat sie Konsequenzen gezogen. Traurig nur, dass das Nachsehen die Jugendlichen haben. (aha)

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