Händler

Das Schweigen der Marktschreier in Dinslaken

Käse-Alex (Alexander Thamm) ist mit seinen 19 Jahren Deutschlands jüngster Marktschreier. Auch er bietet in Dinslaken bei Käsemaxx seine Waren an.

Foto: Heiko Kempken

Käse-Alex (Alexander Thamm) ist mit seinen 19 Jahren Deutschlands jüngster Marktschreier. Auch er bietet in Dinslaken bei Käsemaxx seine Waren an. Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Eigentlich hätte es am Samstag einen Wettbewerb der lauten Händler auf dem Neutorplatz geben sollen. Der fiel aber buchstäblich ins Wasser.

Eigentlich hätte es um 16 Uhr auf dem Neutorplatz richtig laut werden sollen. Die Gilde der Marktschreier, die hier zurzeit gastiert, wollte den besten Marktschreier vom Publikum küren lassen. Stattdessen: Regen und eine Stille, die fast schon greifbar ist, weil man eigentlich etwas anderes erwartet hatte. „Sch...wetter“, kommentiert Wurst-Achim den Regen, als ein vereinzelter Kunden vorbei geht. „Wenn wir nicht arbeiten müssten, wären wir auch nicht hier. Ich kann die Menschen da verstehen“, meint sein Händlerkollege Michel Saarloos, der als Blumenkönig des Hamburger Fischmarktes in Dinslaken gastiert.

Kleine Frotzeleien unter den Kollegen

Einen richtigen Wettstreit der Marktschreier gibt es nicht, dafür aber kleine Frotzeleien unter den Kollegen. „Kaufen Sie lieber den leckeren Käse statt Aale“, ruft Käse-Alex von seinem Wagen. „Sei ruhig, Du Drei-Käse-Hoch“, tönt es daraufhin von Michel Saarloos zurück. Bei den Marktschreiern wird es auch ohne Wettbewerb nicht langweilig. Aber wer hätte eigentlich den Wettstreit der lautesten Schreihälse gewonnen, wenn er stattgefunden hätte?

„Meistens gewinnt Wurst-Achim“, sagt Käse-Alex. Mit seinen 19 Jahren ist Alexander Thamm nicht nur der jüngste Marktschreier, der in Dinslaken auf dem Neutorplatz dabei ist. Er ist auch der jüngste Vertreter seiner ganzen Zunft in Deutschland. „So etwas macht doch heute kein Jugendlicher mehr“, sagt er. Er selbst ist durch seinen Vater (Käse-Maxx) zu seinem Beruf gekommen. „Ich stand schon als kleines Kind mit auf dem Wagen. Jetzt mache ich das seit etwa zweieinhalb Jahren beruflich.“ Beim Wettbewerb der Marktschreier hätte er sich aber bei der Konkurrenz keine großen Chancen ausgerechnet, auch wenn er richtig laut sein kann. „Wurst-Achim hat nicht umsonst auf seinem Wagen stehen, dass er das lauteste Lebewesen der Welt ist“, erzählt er.

Händler sind noch bis Dienstag auf dem Neutorplatz

Da gibt es allerdings etwas Protest von Michel Saarloos. „Wer gewinnt?“, fragt er seinen mit Käse handelnden Kollegen und weist kurz darauf hin, dass er erst kürzlich zum besten Blumenmarktschreier in Europa gekürt wurde. „Wenn ich richtig loslege, wächst hier kein Gras mehr“, sagt er kämpferisch. Ein Wettbewerb zwischen Wurst-Achim und ihm wäre für die Zuschauer wohl ein kleines Fest geworden.

„Das hätten wir auch sehr gerne gemacht, aber bei dem Wetter macht das keinen Sinn“, sagt Michel Saarloos. „Das nächste Mal, wenn wir nach Dinslaken kommen, machen wir das aber. Und dann bringe ich für die Menschen hier ein extra Geschenk mit“, verspricht der Marktschreier. Bis Dienstag sind die Händler noch auf dem Neutorplatz.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik