WIRTSCHAFT

Das steckt hinter den beiden Voerder Trimet-Schornsteinen

Vor der Führung durch das Trimet-Werk wurden die Besucher sicher ausgestattet.

Foto: Heiko Kempken

Vor der Führung durch das Trimet-Werk wurden die Besucher sicher ausgestattet. Foto: Heiko Kempken

Voerde.   Das Voerder Unternehmen Trimet nahm erstmals an der Nacht der Industrie teil. Die Nachfrage nach Plätzen war groß.

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Silbrig glänzt das flüssige Aluminium in dem Ofen. Wunderschön sieht es aus, doch der Schein trügt, die Temperatur in dem Ofen beträgt 960 Grad Celsius. Die Öfen gehören dem Unternehmen Trimet. In Fußballfeld-großen Hallen stehen sie aneinandergereiht und produzieren 775 Tonnen Aluminium jährlich. Zum ersten Mal nimmt der Standort Voerde an der langen Nacht der Industrie teil. Diese Aktion findet bereits zum siebten Mal statt und wird von dem Träger „Zukunft durch Industrie“ organisiert.

„Industrie für jeden zugänglich machen“

„Wir wollen Industrie für jeden zugänglich machen, die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, was in den großen Unternehmen in ihrer Nachbarschaft passiert,“ erklärt Jörg Winkelsträter von der IHK. Jedes Jahr gibt es rund 3500 Plätze, die Anmeldezahlen sind doppelt so hoch. Diejenigen, die das Glück hatten, eine Karte zu bekommen, lauschen gespannt den einleitenden Worten von Werksleiter Dr. Till Reek. Nach der schwierigen Vorgeschichte mit der Insolvenz des Unternehmens sei er besonders froh, dass auch Trimet Voerde an der Aktion teilnimmt: „Wir wollen mehr sein, als die zwei Schornsteine am Horizont.“

Die Besucher wurden mit Schutzkleidung ausgerüstet

Doch bevor diese Schornsteine angeschaut werden können, werden die Besucher mit Schutzkleidung ausgestattet. Ein rotblauer Kittel, Helm und Schutzbrille sind Pflicht, dann geht es in Zehnergruppen los. Auf den rund 1,2 Kilometer laufen die Teilnehmer unter der Leitung des Instandhaltungsleiters Klaus Pytlik vorbei an vierundneunzig fast tausend Grad heißen Öfen, durch die Anodenbrennerei und das Heimführerbüro.

Pytlik erklärt genau, was auf den fünf Computerbildschirmen zu sehen ist, die im Büro stehen. Dort findet die Überwachung der Öfen statt, die Fachleute erkennen anhand der Bildschirmanzeige und der Flammenfarbe im Ofen wo sie eingreifen müssen. Wichtig sei auch das Thema Energieeinsparung, erklärt er. Jörg Winkelsträter von der IHK stimmt ihm zu: „Unsere Region verbraucht zehn Prozent der Energie von ganz Deutschland.“ Die Teilnehmer sind überrascht, wieviel Energie benötigt wird, um mithilfe der Elektrolyse Aluminium herzustellen.

„Der Stolz der Mitarbeiter auf ihr Unternehmen spürbar“

Seit einigen Jahren nehmen Sandra Manhold und ihr Mann an der Nacht der Industrie teil. Sie stammen beide aus der Energiebranche, Trimet stand ganz oben auf ihrer Wunschliste: „Trimet ist genauso gut organisiert, wie die anderen Unternehmen, obwohl sie zum ersten Mal dabei sind. Das Personal ist kompetent, der Stolz der Mitarbeiter auf ihr Unternehmen spürbar.“ Der Motivationsfaktor der Mitarbeiter, an der Aktion teilzunehmen sei riesig, bestätigt Dr. Till Reek. Doch auch potenzielle Arbeitnehmer und Auszubildende nutzen die Möglichkeit, einen neuen Arbeitgeber kennenzulernen. „Wir haben Einblicke hinter eine Fassade bekommen, die sonst nicht einsehbar ist“, bedankt sich Sandra Manhold. Die zwei Schornsteine des Unternehmens sind für die Teilnehmer etwas näher in die Nachbarschaft gerückt.

HINTERGRUND: ERGEBNISSE 2016/17

Der Aluminiumhersteller Trimet hat die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2016/2017 vorgelegt. Danach erzielte das Familienunternehmen einen Umsatz von rund 1,24 Milliarden Euro.

Die 1600 Mitarbeiter produzierten 625 000 Tonnen Primär- und Recyclingaluminium. Die Produktionswerke der Trimet Aluminium SE liefen in Volllast, die Hütten in Essen, Hamburg und Voerde produzierten rund 390 000 Tonnen Primäraluminium.

Mit weiteren Investitionen in Anlagen, Infrastruktur und die Flexibilisierung der Produktion stellte das Unternehmen die Weichen für weiteres Wachstum . Mit einer Eigenkapitalquote von fast 50 Prozent sieht sich das mittelständische Unternehmen „für die Herausforderungen eines dynamischen Marktes gut gerüstet“, heißt es im Geschäftsbericht. Den Investitionen in Höhe von 47 Millionen Euro steht dabei ein leicht über dem Vorjahr liegendes Ergebnis nach Steuern von 34 Millionen Euro gegenüber.

Zur Trimet-Gruppe gehören neben der Trimet Aluminium SE und der Trimet France SAS mit zwei Produktionsstandorten in Frankreich auch die Trimet Automotive Holding GmbH mit ihren Tochtergesellschaften an den Standorten Harzgerode und Sömmerda. Die Trimet-Gruppe erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr mit insgesamt 3 000 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro.

Auch die Umschmelzwerke in Gelsenkirchen und Harzgerode füllten ihre Kapazitäten voll aus. Insgesamt wurden 235 000 Tonnen Recyclingaluminium produziert. Rund 210 000 Tonnen der Gesamtproduktion wurden als Flüssigmetall, die übrigen 415 000 Tonnen als Formate oder Masseln ausgeliefert.

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