Wasser

Das Wasser fließt in Richtung Quelle

Das Rotbach Pumpwerk in Dinslaken-Hiesfeld

Das Rotbach Pumpwerk in Dinslaken-Hiesfeld

Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Dinslaken.   Verkehrte Welt in Dinslaken: Der Rotbach fließt in Hiesfeld 600 Meter bachaufwärts.

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Wenn die im Rotbach beheimatete Schmerle den Bachlauf hinauf schwimmt, geht das auf einem Teilstück in Hiesfeld besonders einfach. Denn auf einer Strecke von rund 600 Metern führt der Weg zur Quelle nicht gegen, sondern mit dem Strom. Keine Laune der Natur, sondern durchdachtes Werk menschlicher Anlagentechnik.

Weil dem Rotbach durch Bergschäden das Gefälle fehlte und dadurch in Hiesfeld in der Senke irgendwann ein See entstanden wäre, baute der Lippeverband von 1994 bis 1996 ein riesiges, unterirdisches Pumpwerk. Je nach Wasserstand jagen bis zu sieben Pumpen unterschiedlicher Größe bis zu 6 600 Liter in Richtung Rhein. Pro Sekunde!

Die Pumpen pressen das Nass durch Rohrleitungen zum rund 1 000 Meter entfernten „Auslaufbauwerk“. Ab hier reicht das natürliche Gefälle wieder aus, damit der Rotbach bei Götterswickerhamm den Rhein erreicht.

Der Schmerle hätte dieser Kunstgriff so gar nicht gut gefallen. Weil der Fisch flussaufwärts schwerlich durch die Pumpen gekommen wären. Eben deshalb hat der Lippeverband hier Neues probiert: Eine separate Leitung führt Wasser zu einem so genannten Quelltopf, der einen Parallelbach im alten Bett des Rotbachs speist. Von hier aus fließt das Wasser teils in Richtung Mündung, teils über künstlich erzeugtes Gefälle in Richtung Quelle, um sich nach 600 Metern mit dem Hauptstrom des Rotbachs zu vereinen.

Für Fische, die bachaufwärts schwimmen, ändert sich ab hier die Fließrichtung. Sie schwimmen jetzt nicht mehr gegen, sondern mit dem Strom. Und auch wenn der Quelltopf mittlerweile durch Buschwerk verborgen ist, merken Spaziergänger etwa in Höhe des Hiesfelder Gymnasiums, dass sich die Fließrichtung des Bachs ändert. Das heute beim Lippeverband in mehreren Pumpwerken angewandte Verfahren war anfangs mit einem großen Fragezeichen versehen. „Man wusste ja nicht, ob die Fische trotz der Strömungsänderung weiter schwimmen“, sagt Reinhard Rissel vom Lippeverband, der das Rotbach-Pumpwerk seit dem Bau betreut. Gewissheit brachte die Durchgängigkeits- Untersuchung eines Universitätsinstituts im Jahre 2000: Unterhalb des Quelltopfes wurden Fische markiert, die dann oberhalb in Richtung Quelle auf Bottroper Stadtgebiet gesucht wurden. Und gefunden.

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