Natur

Der Rotbach in Dinslaken soll ein neues Bett bekommen

Der schnurgerade Rotbach soll sich nach der Umstrukturierung von der B8 in Dinslaken bis Voerde schlängeln.

Der schnurgerade Rotbach soll sich nach der Umstrukturierung von der B8 in Dinslaken bis Voerde schlängeln.

Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Der Rotbach soll zwischen B8 und Stadtgrenze umgestaltet und an der Thyssenstraße freigelegt werden. Dann wäre die Rotbachroute durchgängig.

Der Rotbach soll ein neues Bett bekommen. Der Bachlauf soll zwischen B8 und Stadtgrenze Voerde naturnäher gestaltet und im Bereich Thyssenstraße zum Teil freigelegt werden. Anlass ist die Europäische Wasserrichtlinie, die eine ökologische Verbesserung des Gewässers bis 2021, allerspätestens aber bis 2027 vorschreibt. Angenehmer Nebeneffekt: Die Rotbachroute würde dann durchlaufen und wäre im Bereich der Thyssenstraße nicht mehr unterbrochen.

Der Rotbach ost ökologisch in schlechtem Zustand

Im Bereich des Rotbachsees hat der Bach schon vor Jahren sein Korsett abgelegt – der Lippeverband hat mehrere Teilstücke renaturiert. In der Innenstadt ist das Gewässer in einem „schlechten“ ökologischen Zustand, so die Stadt. An der Thyssenstraße ist der Rotbach „tot“, wie es Ludger Veen, Leiter des städtischen Fachdienstes Tiefbau formuliert. Seit Jahrzehnten arbeite er schon an der Aufwertung des Gewässers, „nun wird es endlich realistisch“.

Die Strecke zwischen B8 und der Voerder Stadtgrenze ist 1250 Meter lang. Bis zur Eppinkstraße ist das Bachbett schnurgerade, wurde in ein Bett mit steilen Hängen gezwängt. Das ist etwa bei Hochwasser ein Problem: Ein Teil der Straßenentwässerung läuft über den Rotbach, bei Hochwasser könnten zudem die steilen Uferböschungen Schaden nehmen. Es ist auch ökologisch fragwürdig: Am Ufer und im Umfeld fehlen gewässertypische Strukturen, die Sohle des Bachbetts ist zwar nicht durchgehend befestigt aber „durchweg strukturarm“, so die Stadt, die beim Ingenieur- und Planungsbüro Lange in Moers eine Konzeptstudie in Auftrag gab.

Der Effekt: Mehr Platz fürs Wasser

Wolfgang Kerstan stellte im Planungsausschuss ein Konzept vor, wie man den Rotbach zwar „nicht mäandern“ aber immerhin „pendeln“ lassen könnte. Um nicht mehr schnurgerade sondern – bachlauftypisch – in Schlangenlinien fließen zu können, braucht der Rotbach Platz. So könnte neben dem Bachlauf im Bereich der Bezirkssportanlage ein kleines Rückhaltebecken entstehen. Zwischen Thomashof und Brücke sowie im weiteren Verlauf zwischen Rotbachstraße und Eppinkstraße hat das Büro die Anlage kleiner sogenannter „Sekundärauen“ vorgesehen, an der Stadtgrenze zu Voerde soll ein Retentionsraum (Rückhalteraum) entstehen.

Die Kosten lägen 2,8 Millionen Euro

Damit hätte der Bach bei Hochwasser mehr Auslauf – 11 000 Kubikmeter mehr Wasser fänden Platz. An den Stellen, an denen die Situation zu beengt ist, könnte das Bachbett durch den Einbau von Buhnen – Totholz oder Pflanzen – strukturiert werden. Dafür muss die Stadt noch Grundstücke kaufen. Außerdem müssen die Wege entlang des Rotbachs anders gestaltet werden. Kerstan stellt sich einen breiten Weg auf der einen und einen schmalen auf der anderen Seite vor.

Die Kosten für die Maßnahme lägen bei 2,8 Millionen Euro plus 400 000 Euro für den Retentionsraum an der Stadtgrenze. 2250 Euro pro Laufmeter, laut Kerstan eine übliche Summe. Das Land habe die Förderung von 80 Prozent der Kosten in Aussicht gestellt.

„Musterbeispiel für die Revitalisierung eines Bachlaufs“

Etwa zwei Millionen Euro würde die Offenlegung und ökologische

Verbesserung des Rotbachs im Bereich der Thyssenstraße kosten, die von den Wasserbehörden als „Musterbeispiel für die Revitalisierung eines Bachlaufs in einem Industriegebiet“ gesehen wird. Von 300 Metern des Bachlaufs zwischen Bahnlinie und Thyssenstraße sind 250 überdeckt, zum Teil sind die Decken sanierungsbedürftig und abgesperrt, die Grundstücke gehören verschiedenen Eigentümern.

Radfahrer müssten keinen Umweg mehr fahren

Ein Teil der Abdeckung könnte entfernt werden, in die verbleibenden 110 Meter entlang der Metallwerke Dinslaken könnten „Fischfenster“, also Fenster im Deckel, Licht und Sauerstoff bringen. Der Beton könnte begrünt, Bäume gepflanzt werden. Dort, wo steile Wände eine Veränderung des Bachlaufs nicht zulassen, könnten wieder Buhnen eingearbeitet werden. Bislang müssen Radfahrer auf der Rotbachroute den Bereich umfahren. Um den Radweg durch den Bereich zu führen, müssten Grundstücke gekauft werden.

Nach der Zustimmung der Politik bringt die Verwaltung nun das Genehmigungsverfahren auf den Weg.

>> HINTERGRUND

Mehr Infos zur Europäischen Wasserrahmenrichtlinie gibt es auf www.flussgebiete.nrw.de .

Eine Grafik des Bereichs zwischen B8 und Stadtgrenze Voerde nach der Umstrukturierung findet sich auf der Seite der Stadt Dinslaken unter https://www.dinslaken.de/www/sitzungsdienst2014.nsf/HTML/B6518674858C0371C1258073002917A6/$FILE/Anlage%201%20zur%20Vorlage%20Nr.%201074%20PUGStA_1.pdf

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