Renaturierung

Der Rotbach legt sein Korsett ab

An einigen Stellen ist der breite Bachlauf schon sichtbar. Foto: Heinz Kunkel / WAZ FotoPool

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Dinslaken.Bis Oktober 2012 gestaltet der Lippeverband ein Teilstück naturnah; Arbeiten am zweiten Teilstück sollen ab November beginnen. Ein weiterer Bauabschnitt ist in Planung. Und der Radweg wird breiter.

Seit Juli sind am Rotbach zwischen Franzosenstraße und Autobahn 3 die Bagger aktiv. Entlang des Bachlaufes ist an einigen Stellen bereits zu erkennen, wie das sich derzeit noch enge, schnurgerade Korsett des Gewässers auf gut zwei Kilometern Länge verändern wird: In sanften Kurven soll sich der Bach durch eine begrünte, bis zu 50 Meter breite Trasse schlängeln und damit wieder ein naturnahes Gesicht erhalten. Dafür wird auf einem Teilstück auch der ufernahe Rad- und Fußweg verlegt. Bis Oktober 2012 wird die Umgestaltung durch den Lippeverband voraussichtlich dauern. „Für die Naherholung in Dinslaken eine Bereicherung“, ist Lippeverbands-Sprecher Michael Steinbach überzeugt.

Die 2,4 Millionen Euro teure Maßnahme ist der dritte Bauabschnitt eines Gesamtprojekts, das die Folgen des Kohleabbaus unter dem Rotbach mildern soll.

Bergbau trägt die Kosten

Daher trägt der Bergbau auch die Kosten. Der gesamte Bereich, erläutert Projektleiter Udo Peters vom Lippeverband, sei durch den Abbau um vier bis fünf Meter abgesunken. Leider jedoch nicht gleichmäßig, so dass der Bach an einigen Stellen zu viel Gefälle hat, während er andernorts zu langsam fließt und sich Wasser staut.

Daher wurde in einem ersten Bauabschnitt schon vor Jahren der Bachlauf deutlich vertieft, um den Ablauf zu verbessern, sowie in einem zweiten Bauabschnitt zwischen der Straße Hinter den Kämpen und der A3 ein Hochwasserschutzdeich errichtet. Er schützt das Gelände und die Häuser dahinter vor Überflutungen – denn in diesem Areal haben sich infolge der Bergsenkungen Wasseransammlungen gebildet.

Der dritte Bauabschnitt ist nun die naturnahe Gestaltung des Bachlaufes. Die Sohle des Gewässers, erörtert Udo Peters, werde an einigen Stellen gehoben, an anderen gesenkt. Damit soll am Rotbach wieder alles im (gleichmäßigen) Fluss sein. Die Fische wurden vor dem Beginn der Bauarbeiten übrigens abgefischt und durch einen Zaun im Bach vor der Baustelle „ausgesperrt“.

Die breite Trasse für das Gewässer bietet Platz für Überflutungen, aber auch Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Rund zehn Hektar Fläche hat der Lippeverband längs des Bachufers zu diesem Zweck aufgekauft. Teilweise, erklärte Udo Peters, werde der Bachverlauf auf die Trasse von 1842 zurückverlegt. Das Drainagepumpwerk nahe der Franzosenstraße, das überflüssiges Grundwasser in den Rotbach pumpt, soll unauffällig in die Bachlandschaft integriert werden.

Rund 80 000 Kubikmeter Erde müssen für die Gesamtmaßnahme bewegt werden. Bepflanzungen will der Lippeverband nur sehr sparsam als „Initialpflanzung“ vornehmen, um den Boden zu festigen. „Der Rest kommt von allein“, weiß Michael Steinbach. „Schon nach zwei Vegetationsperioden ist alles wieder grün“. Bis sich standortgerechte Pflanzen und Tiere angesiedelt haben, könne es jedoch länger dauern.

Bis November werden die Arbeiten im Bereich zwischen Franzosenstraße und Hinter dem Kämpen dauern, anschließend ist ein weiteres Teilstück in Richtung Rotbachsee an der Reihe. Hier wird die Umgestaltung etwas aufwendiger: Ab der Brücke Hinter den Kämpen wird der Radweg teilweise ein Stück zurückverlegt und gleichzeitig auf eine Breite von 3,50 Meter ausgebaut. Das hinter dem Hochwasserdeich liegende Pumpwerk Hülsgraben wird derzeit ebenfalls erneuert, weil seine Kapazität nicht mehr ausreicht. Drei neue Pumpen sollen das anfallende Oberflächenwasser über den Deich in die Rotbachtrasse pumpen und so mit doppelter Leistung die Grundstücke dahinter trocken halten.

Weitere Bergsenkungen werden nicht erwartet

Auch die Vernässung ist eine Folge der Bergsenkungen, die in diesem Bereich zu spüren sind. Der Rotbachsee, erläutert Udo Peters vom Lippeverband, habe beispielsweise sein Volumen seit seiner Entstehung in den 70-er Jahren von 400 000 auf 800 000 Kubikmeter verdoppelt.

Nach der Stilllegung des Bergwerkes Lohberg rechne man künftig nicht mehr mit weiteren gravierenden Senkungen, so dass die aktuellen Maßnahmen wohl von Dauer sind.

Der vierte und letzte Bauabschnitt, die Umgestaltung eines weiteren, gut einen Kilometer langen Rotbach-Abschnittes östlich der Franzosenstraße, ist dagegen über die Planungsphase noch nicht hinaus gekommen. Über die nötigen Grundstückskäufe wird noch mit Eigentümern verhandelt. Bis zur Realisierung der Pläne wird noch eine Menge Wasser den Rotbach hinunter fließen – und das zumindest teilweise in einem natürlicheren Bachlauf als heute.

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