Gesundheit

Diagnose Vaskulitis

Foto: WAZ FotoPool

Dinslaken.   Fast 40 Jahre dauerte Astrids Odyssee durch die Arztpraxen und Krankenhäuser. Obwohl mit 18 oder 19 Jahren erstmals Symptome auftauchten, wurde die richtige Diagnose erst 2011 gestellt – Vaskulitits, eine Entzündung der Blutgefäße, die Organschäden fast sämtlicher Organe verursachen kann.

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„Du siehst doch gut aus, Du kannst doch nicht krank sein“ – diesen Satz hört Astrid G. immer wieder. Und er ist noch einer der nettesten in ihrer fast 40 Jahre dauernden Krankheits-Odyssee. Obwohl mit 18 oder 19 Jahren erstmals Symptome auftauchten, wurde die richtige Diagnose erst 2011 gestellt – Vaskulitis, eine Entzündung der kleinen, mittleren und großen Blutgefäße, die somit Organschäden fast sämtlicher Organe verursachen kann. „Und bei dieser Verteilung habe ich ganz laut hier geschrieen“, erzählt Astrid. Denn bei ihr sind im Laufe der Jahre so gut wie alle Organe betroffen. Sie hat mehr als einmal um ihr Leben kämpfen müssen.

Eigentlich sei sie ein quirliges Kind gewesen, dass auf Bäume kletterte, beim Klauen von Stichlingen aus einem Bach Schmiere stand und trotz Krankheit ihrer Mutter eine relativ glückliche Kindheit erlebte. Die sollte eines Tages vorbei sein, als ein junger Mann mit dem Jaguar seines Chef auf Tour ging und das junge Mädchen voll erwischte und mit mehreren Wirbelbrüchen für Wochen ins Krankenhaus schickte. Die unbeschwerte Kindheit war von einem auf den anderen Moment beendet. Doch eines war dem jungen Mädchen geblieben – ein unbändiger Kampfeswillen, der ihr später mehr als einmal das Leben retten sollte. Als junges Mädel kämpfte sie nämlich für Teilnahme an einem Kurs in der Tanzschule. Dort lernte sie ihren späteren Mann Jürgen kennen, dem sie ein paar Jahre später nach Münster folgte. Zu jener Zeit begannen erstmals die Darmkoliken und die damit eingehende Entzündung des Darms. „Ich war da mal gerade 18 oder 19 Jahre alt“, erinnert sich Astrid.

Jeden Tag genießen

Gallenkoliken, Gelenkschmerzen sollten bald darauf folgen. Ein befreundeter Rheumatologe attestierte eine Autoimmunkrankheit, verordnete Medikamente. „Eines Tages fiel ich ohne Vorwarnung einfach um. Nach diesem Sturz, einer Virusinfektion und einer Herzmuskelentzündung hießt es plötzlich, ich hätte Leukämie.“ Eine Fehldiagnose, wie sich später herausstellen sollte. Bedingt durch ihre Familiengeschichte, tippte sie selber auf einen Hinterwandinfarkt – richtig. Drei Monate strikte Bettruhe. Verzweiflung und immer wieder die Selbstmotivation: „Es kann doch nur besser werden.“

Astrid beginnt ein Medizinstudium in Köln. Durch Zufall entdeckt man, dass ihr Pankreasgang zerfetzt, die Galle voller Steine war. Die OP, so sagt man ihr, werde höchstwahrscheinlich nicht klappen. „Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, dass die Zeit in der ich mein Leben noch genießen könnte, begrenzt sein sollte“, erinnert sich Astrid an jene Zeit. Doch sie überlebt, wie noch manches andere Mal, als die Nieren versagten, eine Blutvergiftung und Leberabzesse sie wieder zurückwarfen, eine Sepsis sie ins Koma beförderte. Und kein Arzt konnte ihr sagen, was ihr nun wirklich fehlte, warum sie ständig irgendwelche lebensbedrohlichen Krankheiten befielen.

Bis sie 2011 in Duisburg auf die Chefärztin der Rheumatologie und Physiotherapie Dr. Monika Klass traf. Ach, Sie sind eine Vaskulitis-Patientin, habe sie ihr bei der Begrüßung gesagt. „Es war eine Erlösung, endlich hatte ich eine Diagnose – nach fast 40 Jahren. Endlich muss ich niemanden mehr beweisen, dass ich krank bin“, sagt Astrid fast heiter. Wie aber lebt man nun mit dieser Diagnose? „Ich akzeptiere meine Krankheit und die daraus resultierenden Schwächen. Doch ich erwarte noch viel vom Leben, genieße jeden Tag ganz bewusst. Aber ohne meinen Mann, ohne Freunde hätte ich es vielleicht nicht geschafft.“

Facettenreiche Krankheit

Astrid hat nie aufgegeben, ihren Lebenswillen stets behalten, das nötigt auch der Rheumatologin Dr. Monika Klass Respekt ab. Die Chefärztin des St. Johannes Hospitals in Hamborn kennt sich mit der Krankheit und all ihren unterschiedlichen Facetten bestens aus, ist sie doch weit über die Grenzen der Region hinaus eine anerkannte Expertin auf diesem Gebiet.

Leider eine der wenigen, denn immer noch ist vielen Ärzten die Vaskulitis unbekannt, wird die richtige Diagnose erst nach vielen Jahren gestellt. Denn Vaskulitiden sind eine Gruppe von Erkrankungen, die sich als Entzündungen der Gefäße definieren und in allen Organen des Körpers auftreten und mit Gefäßverengungen und Gefäßverschlüssen einhergehen können. „Dabei machen die Patienten oft einen langen Leidensweg durch“, so Monika Klass. Und genau dies führe oft zu schweren Erkrankungen und lebensbedrohlichen Zuständen. Dabei sei die Vaskulitis dank immunsuppressiver Medikamente behandelbar geworden. „Zumindest erreichen wir oft eine Remmission, einen Krankheitsstillstand.“

Wie erkennt man nun eine Vaskulitis? „Nun, sichtbar kann sie durch Einblutungen in die Haut werden, vor allem an den Beinen. Einblutung ins Auge, dass dadurch rot wird. Aber auch Abgespanntheit, Fieber, Gelenkschmerzen, Lähmungen, Missempfindungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren-, Gallen-, Bauchspeicheldrüsenentzündungen können auf eine Vaskulitis deuten“, zählt Dr. Klass auf. Dabei verlaufe jede Erkrankung anders. Eine fundierte, fachübergreifende Diagnostik sei wichtig.

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