Corona

Dinslaken: 40. Lepramarsch als ökumenischer Gottesdienst

Im letzten Jahr wurde noch durch die Neustraße marschiert. Der 40. Lepramarsch 2020 findet coronabedingt am 27. September als ökumenischer Gottesdienst um 11 Uhr auf dem Altmarkt statt.

Im letzten Jahr wurde noch durch die Neustraße marschiert. Der 40. Lepramarsch 2020 findet coronabedingt am 27. September als ökumenischer Gottesdienst um 11 Uhr auf dem Altmarkt statt.

Foto: Jochen Emde/Funke Foto ServiceS

Dinslaken.  40. Lepramarsch ist coronabedingt anders. Sonntag, 27. September, 11 Uhr, laden Kirchen und Dr. Romana Drabik zum Gottesdienst auf den Altmarkt.

Ein Lepramarsch in Coronazeiten, geht das? „Wir machen einen Marsch ohne Marsch“, sagt Pfarrer Barthel Kalscheur geheimnisvoll und lächelt. Soll heißen: Der 40. Lepramarsch in Dinslaken findet in diesem Jahr als ökumenischer Gottesdienst am Sonntag, 27. September, um 11 Uhr auf dem Altmarkt statt – der Gottesdienst in der Stadtkirche entfällt. Und aus den Gemeinden soll hin marschiert werden – wer es kann.

So haben es sich die Organisatoren – Pfarrer Armin von Eynern, Pfarrer Kalscheur und Dr. Romana Drabik – überlegt. 250 Flyer werden in diesen Tagen im Stadtgebiet verteilt, 100 Stühle werden zur Veranstaltung aufgestellt, der Rest muss stehen. „Keiner wird weggeschickt, aber es gilt das bekannte Hygienekonzept“, betont Kalscheur. Interessierte Besucher müssen sich in beiden Gemeindebüros mit Name, Adresse und Rufnummer anmelden (Ev. Gemeindeamt: 02064/603558, St. Vincentius: 02064/829359-0), spontan Entschlossene in die Liste auf dem Altmarkt eintragen.

Die Form des „Lepra-Gottesdienstes“ sei angelegt an die DIN-Tage-Gottesdienste, erklärt Armin von Eynern, mit kleinen Bausteinen, die das Thema von verschiedenen Seiten beleuchteten. Die musikalische Gestaltung übernehmen Stella Seitz und der Chor Cantemus sowie Daniela Grüning und der Bläserkreis Stadtmitte.

Da im 40. Jubiläumsjahr des Lepramarsches coronabedingt nicht an den Türen oder in den Schulen gesammelt werden kann, sollen Spendendosen auf dem Altmarkt aufgestellt werden. Außerdem wird in den Gottesdienstprogrammen ein Spendenkonto abgedruckt.

Natürlich steht das Thema Lepra mit Mittelpunkt. Seit 44 Jahren betreibt Dr. Romana Drabik Lepraarbeit in Dinslaken – und vielen Ländern der Welt. Die Ärztin wird ein Grußwort an die Gottesdienstbesucher richten und es sollen Grußbotschaften für ihre Leprahilfe von befreundeten Ärzten verlesen werden: aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion, aus Indien, aus dem Grenzgebiet Tadschikistan-Afghanistan.

Eine biblische Krankheit

„Dort überall ist unsere Stadt Dinslaken präsent. Die Möglichkeit dieser Hilfeleistung ist für mich eine unfassbare Freude und drängt mich weiter zum Handeln“, sagt Romana Drabik. Und sie erklärt: Lepra sei eine biblische Krankheit und laut Weltgesundheitsorganisation seit 1982 heilbar. Der Begriff habe sich in der Alltagssprache bewahrt, denn medizinisch-wissenschaftlich sei Lepra die „Hansensche Krankheit“. Dann erzählt sie von ihren vielen Besuchen, zuletzt in Karakalpakstan. „Ich kämpfe die ganze Zeit gegen das Bakterium und gehe von einem zum anderen.“ 90 Prozent der Menschen seien immun dagegen, aber sie könnten andere Personen – Immunschwache, Vorerkrankte, psychisch Belastete – „leise“ anstecken. Oft reiche schon eine Tablette täglich zur Behandlung und zum Schutz. Wichtig seien natürlich normale Ernährung und Hygiene. Immer, wenn man die Diagnose Lepra gebe, „nehmen die Menschen Abstand. Ich habe keine Angst vor Lepra“, sagt Drabik.

Die höchste Zahl Leprakranker gebe es in Indien, Brasilien, Indonesien sowie „Hotspots“ in den ehemaligen Sowjetrepubliken, vor allem in Kasachstan. Im indischen Bombay trug Dinslaken in einem kleinen Leprazentrum im Jahr 2012 die Kosten für Medikamente fast zu einhundert Prozent. „Es sollte geschlossen werden, aber wir konnten von unserem Lepra-Konto 10.000 Euro überweisen“, freut sich die Ärztin. Besonders im Nachhinein: „Ein Spender hat uns das Geld zurück überwiesen.“ Zuletzt seien aus Dinslakener Mitteln Audiometer für taubstumme Kinder sowie OP-Mikroskope finanziert worden.

Jetzt freuen sich die Organisatoren des etwas anderen Lepramarsches im 40. Jahr auf eine gute Resonanz beim ökumenischen Gottesdienst auf dem Dinslakener Altmarkt und die eine oder andere Spende.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben