Tag gegen Gewalt an Frauen

„Dinslaken für Kinderrechte“: Aktion gegen sexuelle Gewalt

| Lesedauer: 4 Minuten
Michaela Eislöffel, Holger Mrosek, Anja Krebs (AWO), Christian Weißenbruch, Antje Peter (AWO) und Dr. Bernd Riekemann (Vorstand AWO Kreis Wesel) mit dem Plakat-Entwurf (der Tippfehler wurde korrigiert).

Michaela Eislöffel, Holger Mrosek, Anja Krebs (AWO), Christian Weißenbruch, Antje Peter (AWO) und Dr. Bernd Riekemann (Vorstand AWO Kreis Wesel) mit dem Plakat-Entwurf (der Tippfehler wurde korrigiert).

Foto: aha / nrz

Dinslaken.  Stadt und AWO wollen mit der Plakataktion auf das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen und auf Hilfsangebote aufmerksam machen.

„Dinslaken für Kinderrechte“ – für dieses Statement stehen auf einem Plakat 46 Menschen aus Dinslaken auf 30 Bildern mit ihrem Gesicht ein: Politikerinnen und Politiker, Lehrer, Erzieherinnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beratungsstellen und sozialen Projekten sowie die erste Bürgerin der Stadt, Michaela Eislöffel, setzen sich für Kinderrechte und gegen die sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen ein. Am 25. November jährt sich zum 40. Mal der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“. Das Plakat ist Teil der landesweiten Aktionswoche – und Michaela Eislöffel und AWO verbanden die Präsentation mit einem Appell.

188 Beratungsgespräche zu sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Die AWO-Anlaufstelle gegen sexuelle Gewalt in Dinslaken sowie die Stadt Dinslaken richten mit dem Plakat den Fokus auf Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Sie müssen häufig Gewalt, sexuelle Übergriffe oder sexuellen Missbrauch erleben oder miterleben. Dass das auch im Kreis Wesel, in Dinslaken der Fall ist, belegen nicht nur 188 Beratungsgespräche, die die AWO-Anlaufstelle gegen sexuelle Gewalt im vergangenen Jahr mit Betroffenen, Erziehern, Lehrern geführt hat. Betroffene Kinder und Jugendliche offenbaren sich in Präventionskursen an Schulen und selbst Bürgermeisterin Michaela Eislöffel ist in ihrer Zeit als Pädagogin in Berührung mit dem Thema gekommen und hat die Beratung der AWO in Anspruch genommen, berichtete sie bei der Vorstellung des Plakats. Sie hatte damals einen Verdacht, der auch weiterverfolgt worden sei und ließ sich beraten, wie damit professionell umzugehen ist.

„Man muss zu einer systematischen Umgangsweise mit dem Thema kommen“

Die rechtlichen Kenntnisse, wie sich Fachkräfte in solchen Fällen zu verhalten haben, würden innerhalb der Lehrer- und Erzieherausbildung nicht vermittelt. Ein Manko, das dringend behoben werden müsse, appellierte Michaela Eislöffel. Sie müssten wissen, wie sie „sich bei einem Verdacht verhalten müssen“, so Michaela Eislöffel. Gerade die Missbrauchsfälle von Lügde hätten gezeigt, „dass man zu einer systematischen Umgangsweise mit dem Thema kommen muss“, bekräftigte Christian Weißenbruch (Fachdienst Erziehungsberatung des Kreises Wesel in Dinslaken).

Holger Mrosek, Leiter des städtischen Fachbereichs Jugend und Soziales, betonte den Stellenwert der Prävention. Seit 20 Jahren veranstalte er in seiner Freizeit Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungstrainings und stelle zunehmend fest, was auch im Theaterstücks „Grrls“ thematisiert wurde: Dass in der Gesellschaft etwas „grundlegend falsch“ laufe, „wenn wir unsere Kinder erziehen müssen, sich richtig zu verhalten, damit sie keine Opfer werden, statt unsere Kinder zu erziehen, dass sie nicht Täter werden“.

AWO fordert: Kinderrechte ins Grundgesetz

Die AWO-Anlaufstelle gegen sexuelle Gewalt setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden. „Damit würde der Staat stärker in die Pflicht genommen, wenn es um kindgerechte Lebensverhältnisse und um gleiche Entwicklungschancen für alle Kinder und Jugendlichen geht.“

Mit der Aktion möchten AWO und Stadt sensibilisieren und auf die Hilfsangebote in Dinslaken hinweisen. Die Anlaufstelle gegen sexuelle Gewalt berät jeden Bürger, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Betroffene, Verwandte, Freunde, Pädagogen – auch präventiv, auch anonym. Auf den Plakaten, die von Fotodesignerin Andrea Zmrzlak entworfen wurden und die an Kindertagesstätten, Schulen und weiteren öffentlichen Orten aufgehängt werden, steht die Telefonnummer der AWO-Anlaufstelle: 02064/ 621850.

Hier gibt es Hilfe

Die AWO-Anlaufstelle gegen sexuelle Gewalt (Hünxer Straße 37, Dinslaken) ist montags und mittwochs von 15 bis 17 Uhr, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Die Anlaufstelle ist unter 02064/621850 oder asm@awo-kv-wesel.de erreichbar.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter 08000 116 016 rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr in 15 Sprachen erreichbar. Unter www.hilfetelefon.de können sich Betroffene, Angehörige, Menschen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen und Fachkräfte beraten lassen – ebenfalls anonym und kostenlos.

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