Flüchtlinge

Dinslaken: genügend Platz für Kinder aus Flüchtlingscamps

Die Flüchtlingscamps in Griechenland sind völlig überfüllt. Die Stadt Dinslaken will helfen und zusätzlich minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge aufnehmen.

Die Flüchtlingscamps in Griechenland sind völlig überfüllt. Die Stadt Dinslaken will helfen und zusätzlich minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge aufnehmen.

Foto: Giannis Papanikos / dpa

Dinslaken.  Dinslaken will minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge aus den griechischen Camps aufnehmen. Wie das geht und wie viele Flüchtlinge hier leben.

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Die Stadt Dinslaken möchte minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge aus den überfüllten Lagern in Griechenland aufnehmen. Das teilte die Stadtverwaltung gestern mit. Derzeit arbeitet die Stadt an einem Konzept dazu. Dieses will sie der Politik kurzfristig vorlegen. Entscheiden muss am Ende der Stadtrat.

„Dinslaken unterstützt Hilfe für Flüchtlinge“, heißt in einer entsprechenden Mitteilung der Stadt. Ebenso wie es bereits andere Kommunen signalisiert haben, sei auch die Stadt Dinslaken bereit, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus den überfüllten Camps in Griechenland aufzunehmen. Die Stadtverwaltung will diese „grundsätzliche Bereitschaft“ dem Städte-Netzwerk „Sicherer Hafen“ im „Rahmen des solidarischen Miteinanders“ mitteilen, so die Stadt Dinslaken.

Immer mehr Kommunen wollen helfen

Der Vorschlag, minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung aus den völlig überfüllten Flüchtlingscamps auf den griechischen Inseln zu holen, stammt ursprünglich vom Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck. Die Bundesregierung lehnte dies vor Weihnachten ab und pochte auf eine gemeinsame europäische Lösung.

Derweil erklären immer mehr Kommunen ihre Bereitschaft, zu helfen. Dazu gehören etwa Düsseldorf, Dortmund und Potsdam. Potsdam ist auch koordinierende Stadt im Städtebündnis „Sicherer Hafen“, dem auch Dinslaken angehört und hat an die 120 Mitglieder des Städtebündnisses appelliert, zu prüfen, ob sie ebenfalls geflüchtete Kinder aufnehmen können. Auch aus Düsseldorf gab es einen entsprechenden Aufruf.

Dinslaken hat sich im Oktober zum „Sicheren Hafen“ erklärt

Die Stadt Dinslaken hat sich im Oktober vergangenen Jahres zum „Sicheren Hafen“ für Flüchtlinge erklärt. Der Beschluss fiel mit einer breiten Ratsmehrheit.

Die Stadt ist mittlerweile dem Bündnis „Städte Sicherer Häfen“ beigetreten und würde 50 aus Seenot gerettete Flüchtlinge mehr aufnehmen als die Aufnahmequote vorsieht.

Noch 300 Plätze in der Fliehburg

Bislang wurden der Stadt über die Sicherer-Hafen-Quote noch keine Menschen zugewiesen. Die Kapazitäten seien – trotz der notwendigen Sanierung von Gebäuden auf dem Fliehburg-Gelände – vorhanden,, so Stadtsprecher Marcel Sturm. Insgesamt leben 400 Flüchtlinge mit Anspruch auf Asylleistungen in Dinslaken. In der Fliehburg sind darüber hinaus noch 300 Plätze frei - bei einer Zweierbelegung. Auch eine Dreierbelegung sei möglich. „Wir kriegen das hin“, versichert Marcel Sturm.

So werden minderjährige Flüchtlinge untergebracht

Nach dem Appell aus Düsseldorf, unbegleiteten Flüchtlingskinder aufzunehmen, habe Dinslaken ebenfalls ein Signal setzen wollen, so Marcel Sturm. Die Kapazitäten in der Fliehburg wären von einem solchen Beschluss ohnehin nicht berührt. Flüchtlinge im Kindesalter werden anders untergebracht und betreut als Erwachsene.

Derzeit leben in Dinslaken 22 unbegleitete minderjährige Geflüchtete zwischen sechs und 20 Jahren. Sie wohnen entweder in Pflegefamilien, in einer eigenen Wohnung mit ambulanter Jugendhilfe oder in Heimen. Insgesamt gibt es in Dinslaken fünf Einrichtungen zur Unterbringung von jungen Geflüchteten. Eine davon ist die „Villa Valentin“ der Caritas: Sie bietet bis seit April 2016 bis zu zehn unbegleiteten männlichen Flüchtlingen unter 18 Jahren ein neues Zuhause. Durch ein familiäres und bedarfsorientiertes Konzept werden die Jugendlichen in ihrer Entwicklung und der Integration in die deutsche Gesellschaft individuell begleitet. Die besonderen Biografien und aktuellen Lebenssituationen werden aus einem traumapädagogischen Blickwinkel betrachtet, um den Jugendlichen sichere Zukunftsperspektiven zu ermöglichen, so die Caritas.

Ein Beispiel: Potsdam

Wie viele unbegleitete Flüchtlinge im Kindes- oder Jugendlichen-Alter die Stadt zusätzlich aufnehmen könne und wolle, müsse noch analysiert werden, so Sturm. Generell gehe es bei der Aufnahme von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen aber um andere Maßstäbe, als bei der großen Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015, so Marcel Sturm. Potsdam etwa, eine Stadt mit 175.000 Einwohnern, hat sich bereit erklärt, fünf unbegleiteten minderjährigen Migranten Zuflucht zu bieten.

Stadt erstellt Beschlussvorlage

Die Stadt will nun alle offenen Fragen – auch zu Organisation und Finanzierung – kurzfristig klären. Auch müsse die Zuweisung der Geflüchteten übers Land erfolgen. Dem Stadtrat werde ein entsprechendes Konzept vorgelegt.

>>HINTERGRUND

Auf den griechischen Inseln Inseln leben derzeit nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) über 40.000 Asylsuchende. 2000 seien alleinstehende Minderjährige.

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