Industriebrache

Dinslaken hat ein Problem mit Diebstahl auf dem MCS-Gelände

Das MCS-Gelände an der Thyssenstraße ist 7,9 Hektar groß und seit Jahresbeginn im Besitz der Stadt Dinslaken.

Das MCS-Gelände an der Thyssenstraße ist 7,9 Hektar groß und seit Jahresbeginn im Besitz der Stadt Dinslaken.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Dinslaken.  Die Stadt hat 35.000 Euro zur Sicherung des MCS-Geländes ausgegeben. Trotzdem wird immer wieder geklaut: zuletzt Fliehburg-Holz für 17.000 Euro.

Das MCS-Gelände entwickelt sich zum Problem für die Stadt. Dinslaken ist seit Jahresbeginn Eigentümer des 7,9 Hektar großen Geländes zwischen der Thyssen- und Karlstraße und somit auch für dessen Sicherung verantwortlich. Dennoch dringen immer wieder Einbrecher auf das Grundstück ein – und bedienen sich auf dem Gelände in großem Stil. Zuletzt verschwand das Holz, das ursprünglich für den Bau von Flüchtlingsunterkünften an der Fliehburg gedacht und nun auf dem MCS-Gelände gelagert war – und das nun dazu benutzt werden sollte, einen Anbau für die Tafel und ein Vereinsheim für den SuS 09 zu errichten.

Das ist der Hintergrund

Im Rahmen eines Tauschgeschäfts kam die Stadt Dinslaken zu Jahresbeginn in den Besitz des MCS-Geländes samt der darauf noch befindlichen alten Produktionshallen. Dem iranischen Eigentümer wurden dafür Flächen im Bereich Augustastraße/Ziegelstraße überlassen, auf denen Wohnbebauung geplant ist.

Geplant war, die brach liegenden Grundstücke an der Karlstraße, Thyssenstraße und Karl-Heinz-Klingen-Straße in den nächsten Jahren zu entwickeln. Bis es soweit und auch geklärt ist, was mit den Hallen auf dem Grundstück geschieht, sichert die Stadt das alte Werk. Eine schwierige Aufgabe: Immer wieder werden zugeschweißte Tore wieder aufgeflext und Schlösser aufgebrochen, so Dinslakens Stadtsprecher Marcel Sturm. „In Summe haben wir schon über 35.000 Euro für Sicherungsmaßnahmen ausgegeben und trotzdem hilft es nicht wirksam,“ so der Stadtsprecher.

Das wurde gestohlen

Direkt nach der Übernahme des Geländes im Januar ertappte eine Mitarbeiterin der Stadt Metalldiebe, die mit einem Transporter vorgefahren waren und sich in den alten Produktionshallen bedienten: Der Transporter war randvoll mit Metallschrott, Generatoren, elektrischen Bauteilen, Sauerstoffflaschen.

Auch die Einbrecher, die nun das Fliehburg-Holz gestohlen haben, müssen größere Fahrzeuge benutzt haben. Verschwunden sind laut Marcel Sturm Kanthölzer in verschiedenen Längen – von 2,50 Meter bis 6,53 Meter, 2,50 mal 1,25 Meter große Grobspan- und Seekieferplatten – und Maschinenteile. „Ein Aufladen und Abtransport kann nur mit Stapler und Lkw durchgeführt worden sein“, meint Sturm. Insgesamt hatte das Material einen Wert von geschätzt 17.000 Euro. Hinzu kommen die Vandalismus-Schäden, die ungebetene Besucher hinterließen.

Wann das Holz und die Maschinenteile gestohlen wurden, lässt sich nicht genau sagen: Der Verlust wurde bei einer Bestandsaufnahme am 24. August bemerkt.

Auch Fotografen sind eingedrungen

Diebe sind zudem nicht die einzigen illegalen Besucher auf dem Gelände. Zu Jahresbeginn zündelten hier Jugendliche. Und auch Lost-Place-Fotografen sind offenbar mehrmals eingestiegen und haben Fotosessions in den Gebäuden abgehalten. Im Internet finden sich mehrere Seiten, auf denene Bilder vom Außengelände und auch aus der Fertigungshalle und den Materialräumen zu sehen sind.

So geht es weiter

Das Fliehburg-Holz reicht nun nicht mehr ganz für die Tafel und den SuS. „Die Tafel bekommt noch Zuschnitte, die für ihre Zwecke brauchbar und noch vorhanden sind“, so Sturm. Auch der SuS erhält noch einen Großteil des Materials. „Hier fehlt allerdings ein Rest mit einem Wiederbeschaffungswert von rund 10.000 Euro“, so Sturm. In den kommenden Wochen sollen Gespräche mit dem Verein über „eine mögliche anderweitige Hilfe“ geführt werden.

Das MCS-Gelände sei nun „weitestgehend gesichert“, so Sturm. Die Ermittlungen aufgrund der städtischen Anzeigen seien aber eingestellt worden.

>>Historie

Seit 1911 wurden auf dem Gelände an der Thyssenstraße Stahlflaschen hergestellt. 1948 übernahm die Rheinische Röhrenwerke AG die Produktion. 1955 ging die Herstellung von Gasflaschen auf die Phoenix Rheinrohr GmbH und 1970 auf die Mannesmannröhren-Werke AG über. 2000 endete die Mannesmann-Ära. Für das trotz gefüllter Auftragsbücher insolvente Dinslakener Werk, das nun „Mannesmann Cylinder Systems“ (MCS) hieß, musste ein Investor gefunden werden.

Der Verkauf an einen Londoner Investor brachte eine kurze Erholungsphase. Die Rettung kam erst 2003 durch iranische Geldgeber. 2011 meldete das Unternehmen erneut Insolvenz an. Das endgültige Aus für MCS und die 102-jährige Stahlflaschen-Produktion in Dinslaken kam 2013.

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