Lepramarsch

Dinslakener Ärztin Dr. Drabik hilft Leprakranken in Bombay

Romana Drabik arbeitet seit Jahren für die Dinslakener Lepra- und Tuberkulosehilfe, unter anderem in Bombay. Dort in den Slums hat sie mit Dinslakener Geldern eine neue Leprastation aufgebaut.

Romana Drabik arbeitet seit Jahren für die Dinslakener Lepra- und Tuberkulosehilfe, unter anderem in Bombay. Dort in den Slums hat sie mit Dinslakener Geldern eine neue Leprastation aufgebaut.

Foto: Romana Drabik / privat

Dinslaken.  Dr. Romana Drabik aus Dinslaken unterstützt das Bombay Leprosy Projekt. Am 28. September findet wieder der Lepramarsch für den guten Zweck statt.

Immer noch, trotz Heilmitteln, gibt es Jahr für Jahr weltweit 250.000 neue Leprafälle. Dabei geht nicht nur die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sondern auch Lepraexpertin Dr. Romana Drabik von einer doppelt so hohen Zahl an neuen Lepraerkrankten aus. „Die Dunkelziffer muss über die Kontaktpersonen der Erkrankten erfasst werden, die müssen untersucht werden, damit hätten wir schon 80 Prozent erreicht“, sagt Romana Drabik. Von Dinslaken aus wird dies bereits seit Jahren gemacht, denn je rechtzeitiger die Krankheit erkannt wird, desto leichter lässt sie sich behandeln.

Patienten werden diskriminiert

Lepra ist eine Infektionskrankheit, die bevorzugt die Haut und das periphere Nervensystem befällt. Und sie ist seit Bibelzeiten eine Erkrankung, die mit einem Stigma der „Aussätzigkeit“ belastet ist. „Die Diskriminierung treibt die Patienten ins Abseits“, berichtet Romana Drabik. „Diskriminierende Gesetze bieten keinen Schutz, sie richten sich im Gegenteil gegen die Kranken und um so schlechter sind sie zu erreichen und wirksam zu behandeln“, so Drabik.

Gegen Tabuisierung ankämpfen

In Brasilien beispielsweise sei das Thema „Lepra“ ein Tabu, dabei gehöre Brasilien neben Indien und Indonesien zu den Ländern mit den meisten Neuerkrankten. „Und gerade gegen diese Tabuisierung, gegen die Diskriminierung müssen wir verstärkt ankämpfen“, so die Lepraexpertin, die seit fast 40 Jahren vor allem in 16 Staaten der ehemaligen Sowjetunion gegen die Krankheit gekämpft hat. Mit Erfolg: Ärzte wurden ausgebildet, viel Geld in die einzelnen Lepra-Stationen gesteckt, Netzwerke geknüpft und Aufklärungsarbeit geleistet.

Gelder wurden von jetzt auf gleich gestrichen

Aufgrund ihrer Arbeit mit der Lepra lernte Dr. Romana Drabik vor Jahren schon den indischen Arzt Dr. Vivek Pay kennen, der das Bombay Leprosy Projekt (BLP) leitet. Auf einem internationalen Kongress in Tblisi, Georgien, erzählte er der Dinslakener Ärztin von seinen Schwierigkeiten in Bombay. Lange Jahre hatte er Gelder für seine Lepraarbeit zur Verfügung, die von jetzt auf gleich gestrichen wurden. „Ich war entsetzt, glaubte aber nicht, ihm helfen zu können“, erzählt Romana Drabik. „Immerhin zählt Bombay mehrere Millionen Einwohner, was hätten wir da ausrichten können.“ Dennoch fragte sie ihn, wie viel Geld er denn benötige, um die wichtige Arbeit fortsetzen zu können. 10.000 Euro jährlich war seine Antwort.

Ein glücklicher Zufall

Wieder daheim, überwies Drabik ihm das Geld, das eigentlich für ein anderes Projekt gedacht war. Was aber sollte aus Karakalpakstan werden? „Ich hatte ein gutes Gefühl für Indien, aber auch ein schlechtes Gewissen“, erinnert sich die Ärztin. Doch das Glück war ihr hold – noch in derselben Woche spendete jemand die gleiche Summe, die sie dann nach Karakalpakstan überweisen konnte. Seit dieser Zeit unterstützt Romana Drabik mit Hilfe vieler Dinslakener Spender das BLP in Bombay. „Allein im Zentrum von Bombay gibt es Jahr für Jahr 1000 Neuerkrankte, im Großraum Bombay sind es rund 4000“, so die engagierte Dinslakener Ärztin. Das BLP sei die einzige kompetente Anlaufstelle für die Leprakranken, die aus den Slums von Bombay aber auch aus ganz Indien und sogar aus Nepal kommen.

Eine große Aufgabe für eine kleine Stadt wie Dinslaken, doch „bisher haben wir immer alles geschultert, dafür bin ich den Dinslakenern sehr dankbar“, sagt Dr. Romana Drabik.

>> Hintergrund

Um Gelder für die Bekämpfung der Lepra zu sammeln, findet am Samstag, 28. September, wieder der traditionelle Lepramarsch statt.

Anders als bisher wird es jedoch keinen Sternmarsch zum Johannahaus geben. „Wir sammeln uns am Johannahaus und starten von dort aus um 11 Uhr gemeinsam zu einem Sammelmarsch durch die Neustraße zum Neutor“, erzählt Romana Drabik. Beteiligt sind sowohl katholische als auch evangelische Gemeinden.

Die Lepraärztin hofft immer noch darauf, dass sich auch muslimische Gemeinden eines Tages am Lepramarsch beteiligen, denn Lepra trifft alle. Vom Neutor aus geht es nach einem Stopp mit Musik wieder zurück durch die Neustraße zum Johannahaus. Dort wird Romana Drabik bei einem kleinen Imbiss von ihrer Arbeit berichten. Unterstützt wird sie dabei von Gästen aus Weißrussland und Aserbaidschan.

Infos zur Lepraarbeit unter www.lepra-tuberkulose.de .

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