Handel

Dinslakener Geschäft Tapeten Fischer schließt nach 50 Jahren

Tapeten Fischer wird Anfang 2020 den Geschäftsbetrieb einstellen. Jennifer Blacha (li.) und Birgit Neuhaus finden das traurig, denn sie kaufen gerne dort ein und nehmen mittlerweile dafür auch 230 Kilometer Anfahrt in Kauf, denn sie sind nach Ostfriesland verzogen.

Tapeten Fischer wird Anfang 2020 den Geschäftsbetrieb einstellen. Jennifer Blacha (li.) und Birgit Neuhaus finden das traurig, denn sie kaufen gerne dort ein und nehmen mittlerweile dafür auch 230 Kilometer Anfahrt in Kauf, denn sie sind nach Ostfriesland verzogen.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Der Familienbetrieb Tapeten Fischer aus Barmingholten schließt zum Anfang kommenden Jahres. Das Geschäft rechne sich einfach längst nicht mehr.

Der Familienbetrieb Tapeten Fischer aus Barmingholten schließt nach knapp 50 Jahren Anfang Januar. Inhaber und Geschäftsführer Thorsten Fischer ist selbst noch überrascht, was für eine Resonanz diese Nachricht vor Kurzem, als er sie bei Facebook teilte, ausgelöst hat. „Ich war echt total baff, weil ich das nicht erwartet hätte“, sagt der 43-Jährige, der das 1970 gegründete Traditionsunternehmen aktuell noch in der dritten Generation führt. „Andererseits gibt es in Dinslaken dann natürlich kein vergleichbares Geschäft mehr.“

Das Ende hat sich abgezeichnet

Dass Schluss sein soll und wird bei Tapeten Fischer, hat sich schon lange abgezeichnet. Konkreter wurde es vor etwa einem halben Jahr, erzählt Fischer. „Obwohl wir alles was ging – ob an Heizung oder an Strom – zurückgeschraubt haben, um die Kosten zu senken“, sagt der Geschäftsführer, „zahlen wir jeden Monat Geld drauf mittlerweile – und das nicht erst seit diesem halben Jahr.“ Doch das sei ihm immer lieber gewesen, als an den Mitarbeitern zu sparen. „Wir haben in den vergangenen Jahren nie kostenbedingt jemanden entlassen“, sagt Thorsten Fischer nicht ohne Stolz. Bei den nunmehr sechs verbliebenen Mitarbeitern – darunter sind auch Fischer selbst sowie seine Frau – ließe sich das nun mit der Geschäftsaufgabe natürlich nicht vermeiden.

Das sind die Gründe

Inhaber Fischer führt mehrere Gründe für die sinkenden Erlöse in seinem Familienbetrieb an: Zum einen sei der Konkurrenz-Druck in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, durch das „Preis-Dumping“ bei Online-Händlern, privaten Händlern im Netz aber auch großen Ketten oder Discountern. „Da können wir als kleiner Einzelhändler natürlich nicht gegen anstinken“, sagt er. Zum anderen sei die Nachfrage nach Tapeten generell gesunken. „Wer tapeziert denn heutzutage noch seine gesamte Wohnung? Eine Wand vielleicht, aber mehr?“ Die Tapeten-Industrie, findet Fischer, „hat schlichtweg verpennt, für sich Werbung zu machen“. Das ließe sich auch am Markt erkennen: In Deutschland gebe es mittlerweile nur noch vier Tapetenhersteller, „vieles kommt jetzt aus Südostasien“, so Fischer.

Ausverkauf beginnt zum Jahresende

Doch Schwarzmalerei mag der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann nicht, er guckt lieber nach vorne. „Mir ist wichtig, dass es hier jetzt einen sauberen Abschluss gibt. Damit ich mir nachher auch nichts vorzuwerfen habe“, betont der Dinslakener. Der Ausverkauf des aktuell noch rund 1000 verschiedene Tapeten sowie Farben, Bodenbeläge und „Kleinzeugs“ umfassenden Sortiments werde wohl zum Jahresende beginnen. Was danach dann mit dem etwa 10.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Turmstraße passiert? Fischer weiß es noch nicht, ist aber überzeugt davon, das Gelände gut verkaufen zu können. Die Nachfrage nach freien Flächen sei in Dinslaken schließlich ungebrochen.

Wie es für ihn selbst weitergeht, der er hier im Betrieb nicht nur groß geworden ist sondern in dem er auch seit jeher gearbeitet hat? „Ich weiß es noch nicht“, sagt Fischer. Weiter im Handel zu arbeiten sei keine Option, sagt er erst, kommt dann doch ins Grübeln. „Wobei, wenn es passt - wieso nicht?“ Er habe auf jeden Fall keine Angst davor, keine Arbeit zu finden. „Denn: Wer in Deutschland arbeiten will, der findet auch Arbeit. Ich bin flexibel. Und ich definiere mich nicht über meinen Beruf.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben