Street-Art

Dinslakener Graffiti-Künstler bieten gesprühte Werke als Auftragsarbeit an

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Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool

Dinslaken.   Drei junge Graffiti-Künstler aus Dinslaken haben sich zusammengeschlossen und bieten ihre gesprühten Werke als Auftragsarbeiten an. Damit verbessern sie das Image der Szene und sie können ihrer Leidenschaft legal nachgehen. Ein ungeschriebenes Gesetz könnte in Zukunft vor Schmierereien schützen.

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Graffiti aus der Ecke der Wandschmierereien holen - das war vor einem halben Jahr erklärtes Ziel der Aufsuchenden Jugendarbeit Dinslaken, als die Mauer am Fischerbusch zum Besprühen freigegeben wurde. Nun wollen drei junge Leute, die auch diese „Wall auf Fame“ mitgestaltet haben, den nächsten Schritt machen: Julian Schimanski (26), Finn Köhntop (19) und David Eichenberger (22) haben sich zur Künstlergruppe „Urban Arts“ zusammengeschlossen und malen Graffiti als Auftragsarbeiten.

„Ihr habt marode Flächen, Wände die ewig neu voll getagt werden, kennt Orte, die seit Jahren einer Verschönerung bedürfen, oder wollt einfach etwas Kunst in euer Umfeld bringen? Dann schreibt uns an.“ So wirbt die Gruppe für sich bei Facebook - und verspricht, bei Bedarf „Schriftzüge, Charakter, Landschaften und mehr“ auf Wände, Autos, Transporter, Garagen, Leinwände zu malen. Wie das aussehen könnte, ist etwa in der Unterführung bei Mc Donald’s zu sehen. Weil dort immer alles vollgeschmiert wurde, bekamen die Drei den Auftrag, die Wände zu bemalen. Fast nicht zu glauben für einige Bürger. „Zweimal am Tag kam die Polizei vorbei“, erinnert sich Julian Schimanski und grinst. Eine Woche dauerte die Arbeit.

Ungeschriebenes Gesetz schützt vor Schmierereien

Wenn das Werk einmal vollendet ist, schützt es meist vor den hingeschmierten Schriftzügen, die Hausbesitzer viel Geld kosten, weil sie - einmal entfernt - wieder aufgesprüht werden. Dass aber ein Bild nicht beschmiert wird, das ist in der Szene „ungeschriebenes Gesetz“, sagt Finn Köhntop: „Das wird nie mehr übermalt“.

Einer großen gelben Hauswand, nahe Mc Donalds, könnte auf diese Weise geholfen werden - so wie der privaten Hauswand, die „Urban Arts“ bei Facebook eingestellt hat: Ein Ozean schwappt nun darauf an den Strand. „Es gibt so viele Flächen, die betaggt sind...“, seufzt Julian Schimanski. Den Bus der Aufsuchenden Jugendarbeit Dinslaken haben die jungen Künstler mit einer nächtlichen Stadt-Silhouette ebenso verschönert wie die Disco im P-Dorf.

Böse Katze

Und die Drei können auch anders. Eine subtil bedrohliche, surreale Landschaft inspiriert neuerdings die Dinslakener Band „Keep them shut“. Über zwei Wände wachsen große Pilze gen Decke des Proberaums in der Kuka - hinter einem fletscht eine Katze das Raubtier-Gebiss. Böse Katze - das ist David Eichenbergers Spezialität.

Er malt, wie Julian Schimanski umschreibt, „nicht ganz so liebe Tierchen“, der Hintergrund ist von Julian, der Schriftzug „Kts“, dessen Mitte nach Kreuz aussieht, ist von Finn - Schriftzüge sind sein Ding.

Dass die Drei auch mit Stiften oder Pinsel etwas draufhaben, zeigt das Selbstbildnis des Teams und andere Bilder auf der Facebook-Präsenz.

Nach den Herbstferien geben „Urban Arts“ wieder einen Kunstkurs im P-Dorf - Leinwand, T-Shirt-Design, Stencil Art. Und natürlich auch Sprayen. Ganz legal. An der Mauer am Fischerbusch, der „Wall of Fame.“

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