Neugestaltung

Dinslakener Verwaltung befragt Pendler zum Bahnhofsvorplatz

So sieht der Bahnhofsvorplatz aktuell noch aus: Die Stadt plant aber, ihn umzugestalten.

Foto: Hans Blossey

So sieht der Bahnhofsvorplatz aktuell noch aus: Die Stadt plant aber, ihn umzugestalten. Foto: Hans Blossey

Dinslaken.   Auf dem Bahnhofsvorplatz konnten sich am Montag Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer zur Parkplatzsituation und Verkehrsführung äußern.

Die Stadtverwaltung hat am Montag früh zwischen 6.15 und 7.45 Uhr unter Führung von Bürgermeister Dr. Michael Heidinger eine Pendlerbefragung auf dem Bahnhofsvorplatz durchgeführt und dabei Auto- beziehungsweise Beifahrer, Radfahrer und Fußgänger nach ihrer Zufriedenheit bezüglich der aktuellen Parkplatzsituation und der bestehenden Verkehrsführung gefragt.

„Das war eine spontane, aus Neugierde entstandene Aktion von uns“, erklärt Stadtsprecher Marcel Sturm. „Wir wollten gerne persönliche Eindrücke von den Passanten erfragen, um diese für unsere weitere Vorgehensweise zu berücksichtigen.“ Die frühe Uhrzeit habe die Verwaltung ausgewählt, weil dann besonders viele Pendler rund um den Bahnhof unterwegs seien, erklärt Sturm.

In 90 Minuten mit über 200 Pendlern gesprochen

In den anderthalb Stunden hat das rund zehnköpfige Verwaltungsteam auf dem Bahnhofsvorplatz rund 600 Menschen zählen können. „Mit über 200 davon konnten wir jeweils eine kurze Befragung durchführen“, sagt Sturm.

Dabei habe sich gezeigt, dass sehr viele Menschen unzufrieden und unglücklich mit Verkehrsführung wie Parkplatzsituation seien. „Ich lasse mich bringen, weil ich keinen Stellplatz finde“, „Die Parkplatzsituation am Bahnhof ist katastrophal“, „Ich komme extra 40 Minuten früher“, oder „Die Verkehrsführung ist sogar richtig gefährlich“, zitiert der Stadtsprecher einige Aussagen der Befragten.

Diskussion durch Bürgerbegehren neu entfacht worden

120 Autofahrer beziehungsweise Personen, die mit einem Pkw gebracht wurden, hätten zudem Schulnoten für die Stellplatzsituation vergeben: „In 55 Prozent der Fälle war das Ergebnis die Note 5 oder 6“, sagt Sturm.

Durch das Bürgerbegehren dreier UBV-Mitglieder ist die Diskussion zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes neu entfacht: Deren Initiatoren setzen sich für die Beibehaltung der derzeitigen Verkehrsführung sowie der Parkplatzsituation ein.

Stadt kritisiert die Forderung der UBV-Mitglieder

Der geplante Umbau, so die Begründung, führe „zu einer schlechten Erreichbarkeit des Bahnhofs, insbesondere für ältere und behinderte Nutzer sowie Berufspendler“, auch habe sie eine Verkehrskonzentration im Bereich der Wilhelm-Lantermann-/Bahn- und Wielandstraße und damit eine „zusätzliche Lärm- und Abgasbelastung der Anwohner“ zur Folge. Zudem lasse die angespannte Haushaltssituation Investitionen in Millionenhöhe mit den zu erwartenden Folgekosten nicht zu, finden die Initiatoren.

Die Stadt hingegen kritisiert die Forderung. Wäre das Bürgerbegehren erfolgreich, sei eine Verbesserung von Verkehrsführung und Parkplatzsituation nicht mehr möglich. „Der Verwaltung wären dann diesbezüglich die Hände gebunden“, sagt Marcel Sturm.

  • Wie auch schon bei der Kathrin-Türks-Halle, hat die Stadt auf www.dinslaken.de einen eigenen Reiter zur „Diskussion Bahnhofsumfeld“ eingerichtet. Die dort zu findenden Infos veranschaulichten bestehende Probleme am Bahnhof, erklärt Stadtsprecher Sturm. Zudem zeigten sie auf, „dass die Planungen für die Neugestaltung des Bahnhofbereiches – entgegen anders lautender Gerüchte und Behauptungen – noch gar nicht bis ins Detail in Stein gemeißelt sind“.

UBV sammelt weiter Unterschriften 

Während die Stadt Pendler befragt hat, sammeln die Initiatoren des Bürgerbegehrens weiter Unterschriften. „Wir haben knapp 1300 zusammen“, sagt Karl-Heinz Kathöwer, UBV-Vorsitzender und Mitinitiator des Bürgerbegehrens. 3300 sind nötig, um einen erneuten Ratsbeschluss und gegebenenfalls einen Bürgerentscheid herbeizuführen. „Wir sind nach wie vor optimistisch, diese Anzahl zu erreichen.“

Noch den Rest des Novembers sowie den kompletten Dezember über wollen die Initiatoren im Stadtgebiet weiter Signaturen sammeln. In dieser Woche stehen die Unterstützer des Bürgerbegehrens an folgenden Stellen: Am heutigen Dienstag von 15 bis 17 Uhr vor dem Pennymarkt am Kreisverkehr; am Donnerstag, 16. November, von jeweils 9.30 bis 12 Uhr auf den Wochenmärkten am Baßfeldshof und in Hiesfeld; am Freitag, 17. November, von 9.30 bis 12 Uhr auf dem Altmarkt; am Samstag, 18. November, von jeweils 9.30 bis 12 Uhr in der „Bohlenpassage“ (Neustraße) und auf dem Wochenmarkt in Lohberg.

Zudem, so Kathöwer, würden am Mittwoch Flyer in den Briefkästen an der Bahnstraße verteilt, um diejenigen zu informieren, die direkt von der geplanten Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes betroffen wären.

  • Wo die Initiatoren des Bürgerbegehrens Unterschriften sammeln, steht immer auf: www.ubv-dinslaken.de

Kommentar von Michael Turek: Fair muss es bleiben 

Erst hat die Stadtspitze auf das Bürgerbegehren gegen die Pläne für den Bahnhofsvorplatz mit einem Pressegespräch, dann mit einer umfangreichen Stellungnahme reagiert, jetzt mit einer „spontanen“ Aktion am frühen Morgen. Welchen Stellenwert hat es für die Entscheidung, dass die Stadtspitze früh morgens das Gespräch mit den Bürgern sucht?

Mit der Befragung von Pendlern zeigt sie, dass es sich um ein wichtiges Projekt handelt, dass sie sich einsetzt, Argumente für ihre Position zu bekommen. Das darf aber nicht bedeuten, dass sie an ihren Plänen ohne wenn und aber festhält. Sie muss weiterhin für Alternativen offen sein. Der Platz vor dem Bahnhof als Eingangstor in die Stadt ist zu wichtig. Es sollte immer um die beste Lösung gehen, bei jeder Entscheidung, die getroffen wird. Auch bei diesem großen Projekt. Aber bei aller Leidenschaft dürfen die beiden Parteien nicht die Fairness aus den Augen verlieren.

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