Obdachlosenhilfe

Dinslakener Wunderfinder helfen Menschen in Not in der Kälte

Elke Schwinen (links) hilft öfters bei den Wunderfindern mit und versorgt die Menschen beispielsweise mit Kaffee und Kuchen.

Foto: Heiko Kempken

Elke Schwinen (links) hilft öfters bei den Wunderfindern mit und versorgt die Menschen beispielsweise mit Kaffee und Kuchen.

Dinslaken.   Der Verein verteilte in der Woche der Kältewelle am Dinslakener Bahnhof bereits zum 100. Mal Essen, Getränke und Kleidung an Obdachlose.

Die Temperaturen sind an diesem Abend so niedrig, dass die Kälte selbst durch dick gepolsterte Handschuhe zieht und die Finger zum Zittern bringt. Piotr hat sich über seine Mütze noch die Kapuze seines Pullovers gezogen. Zusammen mit vielen anderen Obdachlosen und Hilfsbedürftigen ist er zum Bahnhofsvorplatz in Dinslaken gekommen, um die Unterstützung von dem Verein Wunderfinder entgegen zu nehmen.

„Wenn es die nicht gäbe, dann würde es auf jeden Fall viel schwieriger sein zu überleben“, sagt Piotr und aus dem Lächeln in seinem Gesicht spricht pure Dankbarkeit. Er zeigt auf seine Klamotten, die er fast alle von den Wunderfindern erhalten hat: „Bei der Kälte muss ich manchmal auch drei oder vier Hosen und Pullover übereinander anziehen, dann geht das schon.“

Reibekuchen zum Jubiläum

Am Dienstagabend gab der Verein Wunderfinder, der aus der Initiative „Dinslaken packt an“ entstanden ist, zum 100. Mal Essen, Trinken und Kleidung an Obdachlose und Hilfsbedürftige aus. Seit knapp einem Jahr führt der Verein Einsätze auf dem Dinslakener Bahnhofsplatz durch. „Heute ist eigentlich trotzdem alles wie immer. Nur eine Änderung gibt es: Wir machen Reibekuchen, das haben sich viele gewünscht“, erzählt Bianka Lakomski, die 2. Vorsitzende des Vereins.

Sie trägt, wie alle anderen freiwilligen Helfer, eine Weste in Signalfarbe über der warmhaltenden Jacke. Ungefähr 15 Ehrenamtler packen regelmäßig mit an, um die Hilfsbedürftigen zu versorgen. „Es ist echt Wahnsinn, wie viel Unterstützung wir auch aus der Dinslakener Bevölkerung erhalten“, sagt Lakomski.

Unterstützung aus der Bevölkerung

Vor ein paar Tagen bat der Verein beispielsweise über Facebook um Spenden in Form von Tütensuppen. „Die Resonanz war klasse, wir haben nicht nur viele Suppen bekommen, sondern auch einige Thermoskannen“, erzählt Lakomski. Bei den Aktionen am Dinslakener Bahnhof verteilen die Wunderfinder regelmäßig unter anderem neun Liter Kaffee und verschiedene Lebensmittel an Hilfsbedürftige. Die Wunderfinder erhalten dabei Essensspenden von fünf unterschiedlichen Restaurants und Fleischerein. „Wir sind aber eigentlich fast täglich abends da und verteilen zumindest Lebensmittel an die Hilfedürftigen“, erzählt Lakomski.

Sie ist seit Beginn der Aktion dabei und kennt mittlerweile alle Gesichter: „Am Anfang war es natürlich so, dass wir erst einmal Vertrauen aufbauen mussten. Aber das haben wir geschafft und jetzt bieten wir den Menschen vor allem ein offenes Ohr.“

Wunderfinder als Treffpunkt

Es gehe vor allem darum, zuzuhören und eine Kommunikationsplattform zu bieten, betont sie immer wieder. „Die Geschichten und Schicksale, die wir hier mitbekommen, nehmen einen schon sehr mit. Da muss man erstmal schlucken und das auch selber verarbeiten“, pflichtet ihr der erste Vorsitzende des Vereins, Ludger Krey, bei. Auch Elke Schwinen unterstützt die Wunderfinder oft als ehrenamtliche Helferin am Bahnhof.

Während des 100. Einsatzes verteilt sie aus einem großen weißen Bottich dampfend heißen Tee. „Ich finde es einfach traurig, dass es in Deutschland überhaupt solche Zustände geben muss. Eigentlich sollte niemand auf der Straße schlafen müssen“, sagt Schwinen. Für sie lohnt sich die ehrenamtliche Tätigkeit jedes mal aufs Neue: „Hier freuen sich alle so sehr darüber, dass wir da sind. Als Dankeschön habe ich auch schon mal einen Handkuss bekommen.“

Klientel ändert sich leicht

Die Hilfesuchenden seien fast immer die selben, aber eine Veränderung hat Lakomski festgestellt: „Es kommen auch immer mehr ältere Leute zu uns, die sich am Ende des Monats keine Lebensmittel mehr von ihrer Rente leisten können. Das ist eine sehr traurige Entwicklung.“

Davon erzählen auch Gregor und Tom, die den freiwilligen Helfern des Vereins für ihre Hilfe sehr dankbar sind. „Hier ist auch ein Platz für uns, wo wir mit anderen Leuten offen reden können. Jetzt bei der Kälte retten die Wunderfinder dem ein oder anderen vielleicht sogar das Leben“, sagt Tom. Auf die Frage, ob es nicht unerträglich sei, bei diesen Temperaturen auf der Straße zu leben, sagt er nur: „Die Kälte geht mit genügend Kleidung eigentlich. Wenn es jetzt noch anfangen würde zu regnen, dass wäre nicht auszuhalten.“

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