Lepramarsch

Dr. Romana Drabik macht den 38. Lepramarsch in Dinslaken

Romana Drabik bei der Untersuchung von Leprakranken. Sie zeigt den Ärzten, worauf sie achten müssen.

Romana Drabik bei der Untersuchung von Leprakranken. Sie zeigt den Ärzten, worauf sie achten müssen.

Foto: Privat

Dinslaken.   Am Samstag findet wieder ein Marsch in der Dinslakener City statt. Dr. Romana Drabik wünscht sich viele Teilnehmer und natürlich viele Spenden.

Noch immer bewegt sich die Zahl der Neuerkrankten an der Hansen-Krankheit um die 250 000 Fälle. Viel zu viele, meint Dr. Romana Drabik, denn die Dunkelziffer könne um einiges höher liegen. Dabei ist die Hansen-Krankheit seit vielen Jahren heilbar. Doch eine Krankheit, die es seit Urbeginn der Menschheit gibt, scheint nicht so leicht auszurotten zu sein – denn hinter der Hansen-Krankheit verbirgt sich die Lepra.

„Heute nennen Mediziner lieber den korrekten Namen, denn der Lepra haftet immer noch Unheilvolles an“, so Romana Drabik. Auf ihrem langen Weg begegnete der Ärztin viel Unwissen über die Krankheit bei ihren Kollegen. Nach über 40 Jahren Lepra-Arbeit, die Romana Drabik nach Afrika, Indien und in die ehemaligen Sowjetrepubliken führte, hat sich die Einstellung in diesen Ländern jedoch gewandelt. Was in den Gegenden der ehemaligen Sowjetunion hauptsächlich an der 82-jährigen Dinslakenerin liegt, die unbefangen und ohne Angst auf Leprakranke zugeht.

Nach Lepramarsch 2017 kam Hilferuf aus Karakalpakstan

„Wir können viele Erfolge verzeichnen“, erzählt Romana Drabik voller Stolz. Mit „wir“ meint sie die Dinslakener Bürger, die es ihr durch ihre Spenden immer wieder ermöglichten, den Kranken in den einzelnen Ländern zu helfen. Inzwischen ist Romana Drabik weltweit vernetzt, telefoniert wie selbstverständlich mit den Gesundheitsministern einzelner Länder, wird von ihnen angerufen und um Hilfe gebeten. Beispielsweise aus Karakalpakstan, einer autonomen Republik in Usbekistan.

Beim Lepramarsch 2017 war eine Ärztin aus der autonomen Republik zu Besuch in Dinslaken, hörte hier von der Arbeit mit taubstummen Kindern, von den möglichen Operationen, um ihnen wieder „Gehör zu verschaffen“ und sprach in ihrer Heimat sofort den Gesundheitsminister an. Der schrieb sogleich an alle Kinderärzte der Republik und bat um Meldung.

260 taubstumme Kinder in Karakalpakstan gefunden

260 taubstumme Kinder habe man gefunden, Kinder, denen nun Romana Drabik und Dinslaken helfen sollen. „Wir hatten schon ein paar Jahre zuvor im weißrussischen Grodno eine Station für taubstumme Kinder errichtet, die dort mit dem von uns angeschafften Audiometer erst untersucht und schließlich operiert werden können“, erzählt Romana Drabik.

„Bei unserem Besuch im Mai konnten wir zwei Ärzte aus Karakalpakstan in Grodno begrüßen, die dort zu einer Schulung in Diagnostik und Therapie angereist waren. Zurzeit werden zwei Logopädinnen ausgebildet. Darüber hinaus wird ein Arzt aus Grodno nach Tadschikistan und Karakalpakstan reisen, um dort die zuständigen Ärzte zu unterweisen.“ Mit finanzieller Hilfe aus Dinslaken versteht sich. „Das Geld dafür nehme ich vom Tuberkulose-Konto, das Einverständnis der Sponsoren vorausgesetzt“, so Drabik.

Karakalpakstan bleibt das Sorgenkind der Ärztin

Allerdings fehle es in der TB-Klinik von Grodno auch an allen nötigen Dingen, stellten Romana Drabik und Monika Barking von der Caritas bei ihrem Besuch im Mai fest. Zudem sei das Haus in einem beklagenswerten Zustand, der Neubau aus finanziellen Gründen ausgesetzt. Erfreulicher trafen es die beiden Frauen in Ross, 60 Kilometer von Grodno entfernt, an. Dort war „das Haus der Barmherzigkeit“ der dortigen Caritas fast fertig, die Inneneinrichtung aus Dinslaken war auf dem Weg und wird inzwischen längst ihre Bestimmung gefunden haben.

Karakalpakstan bleibt allerdings das Sorgenkind der 82-jährigen Ärztin. Im Vergleich zu den anderen 15 Ländern der ehemaligen Sowjetunion gibt es dort immer noch die höchste Durchseuchung mit der Lepra. Karakalpakstan, am Aral-See gelegen, hat auch ansonsten mit viel Unbill zu kämpfen. Betroffen von der großen Umweltkatastrophe – vom Aralsee verblieb gerade noch ein Fünftel seiner vorherigen Wasserfläche – herrscht im Land Arbeitslosigkeit und Armut. „Die Dinslakener sind die einzigen, die Hilfe bringen“, berichtet Drabik. „Deshalb widme ich den Lepramarsch am 29. September dieser Republik. Sie sind dringend auf unsere Hilfe angewiesen.“ Allerdings unterstütze die Regierung in geradezu vorbildlicher Weise die Arbeit der Dinslakener Ärztin. Statt Hütten ein neues Leprahaus, Ärzte, die sich kümmern, dennoch ist die Armut allgegenwärtig.

Bei Expedition durchs Land fanden sie 15 Patienten

„Um unsere Aufgaben dort zu erfüllen, organisierte ich eine epidemiologische Expedition für vier Endemie-Gebiete in Karakalpakstan und Usbekistan“, erzählt Drabik. Fünf Tage lang ging es im Auto durchs Land, mit dabei ein russischer Leprologe und lokale Ärzte. Hunderte Kilometer führte die Expedition durch unwegsame Gebiete, durch Wüsten, um neue Leprafälle aufzuspüren. Leider wurden sie fündig.

„15 Patienten haben wir entdeckt, zehn konnten wir sofort versorgen, fünf weitere wurden in Nukus in die Lepraklinik eingewiesen“, berichtet die Ärztin. „Nicht viel, aber diese Patienten stecken weitere Menschen an und so geht die Kette immer weiter“, erklärt sie. Grund genug also, mit der Arbeit nicht aufzuhören. „So lange ich kann, werde ich meine Leprakranken nicht im Stich lassen“, sagt Romana Drabik und hofft auf weitere finanzielle Unterstützung ihrer Arbeit.

>> LEPRAMARSCH AM KOMMENDEN SAMSTAG

  • Am Samstag, 29. September, findet der 38. Lepramarsch statt. Gestartet wird an den unterschiedlichen Kirchen zum gemeinsamen Treffpunkt an der St. Vincentius Kirche. Von dort aus geht es ab 12 Uhr durch die Stadt und wieder zurück zum Johannahaus. Der Erlös des Lepramarsches ist für die Arbeit in Karakalpakstan vorgesehen. Spenden bitte unter Leprahilfe bei der Volksbank Dinslaken.

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