Aktionstag

EBGS-Schüler in Dinslaken setzen sich für Straßenkinder ein

Die Klasse 6c der Ernst-Barlach-Gesamtschule sammelte gestern im Dauerregen mehrere Stunden lang Geld für Straßenkindern in Mexiko-Stadt.

Foto: Heiko Kempken

Die Klasse 6c der Ernst-Barlach-Gesamtschule sammelte gestern im Dauerregen mehrere Stunden lang Geld für Straßenkindern in Mexiko-Stadt. Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Sechstklässler der Ernst-Barlach-Gesamtschule unterstützen erneut den Aktionstag von „terre des hommes“ und sammeln Spenden auf der Neustraße.

Alexas Schuhwahl war die falsche: Die hellgrünen Stoffschuhe sind mittlerweile dunkelgrün, sie schmatzen bei jedem Schritt, den die Elfjährige geht. „Es ist kalt und nass“, sagt Alexa, als sie gemeinsam mit Meikel (11) und mit einem überdimensionalen Regenschirm über ihrem Kopf über das nass-schimmernde Kopfsteinpflaster auf der Neustraße geht. „Aber in guter Stimmung sind wir trotzdem.“

Schmatz, Schmatz, Steh. Meikel prescht vor. „Entschuldigung, haben Sie kurz Zeit?“, fragt der Sechstklässler eine vorbeieilende Passantin. „Wir sammeln Spenden für Straßenkinder in Mexiko-Stadt“, ergänzt er. Die Frau schirmt sich ab, geht weiter, lässt die Frage unbeantwortet – und Meikel im Regen stehen. Der Elfjährige zuckt mit den Schultern, Wassertropfen perlen von seiner Jacke. „Die meisten Leute heute haben nett reagiert“, sagt er.

Nur zwei von vielen Sechstklässlern

Alexa und Meikel sind nur zwei von vielen Sechstklässlern, die seit Montag und noch bis Mittwoch in der Dinslakener Fußgängerzone Spenden für Straßenkinder weltweit sammeln.

Denn alle sechs sechsten Klassen der Ernst-Barlach-Gesamtschule (EBGS) nehmen an drei Tagen auch in diesem Jahr wieder an der Aktion „Straßenkind für einen Tag“ teil, mit der das internationale Kinderhilfswerk „terre des hommes“ an den Jahrestag der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention durch die UNO am 20. November 1989 erinnert.

Einige Gesamtschüler putzen Schuhe der Passanten

„Wir haben zum Beispiel Weihnachtskarten gebastelt und Kuchen gebacken. Beides geben wir gegen eine kleine Spende ab“, erzählt Manuel (11), sucht kurz das Trockene der Bohlenpassage, um nieder zu knien, seine fingerlosen blassgrünen Handschuhe abzustreifen und die feuchten Haarsträhnen aus dem Gesicht zu streichen.

„Sind eh total nass“, kommentiert Manuel. „Helfen mir jetzt auch nicht mehr beim Schuhe putzen.“ Denn das machen einige Gesamtschüler bei der Straßenkind-Aktion auch: Schuhe putzen. „So wie es auch Straßenkinder weltweit tun müssen, um etwas Geld zu verdienen“, sagt Manuel. „Das ist jetzt nicht so tolle Arbeit, aber Straßenkinder haben es ja auch nicht so gut.“ Fünf Paar Schuhe habe er in den knapp zweieinhalb Stunden, die seine Klasse 6c nun hier ist, geputzt, schätzt der Sechstklässler. Das Wetter sei natürlich nicht unbedingt geeignet, um die vorbeigehenden Leute mit einer solchen Aktion anzulocken.

EBGS-Schüler aus Dinslaken sind Straßenkinder für einen Tag

Schüler der Ernst-Barlach-Gesamtschule machten bei der Aktion mit, um auf die Situation von Straßenkindern in armen Ländern aufmerksam zu machen.
Straßenkind für einen Tag

Nicht weiter laufen, als dass die Lehrerin sie sieht

Schmatz, Schmatz, Steh. Alexa und Meikel sind an der Stelle angekommen, an der die Neustraße den kleinen Rechtsschwenk in Richtung Neutorplatz macht. Jetzt müssen sie umdrehen, denn sie dürfen ohne Aufsichtsperson nicht weiter laufen, als Klassenlehrerin Nelli Graf sie sehen kann. Ein älterer Herr stapft vorbei und durch den Regen, erblickt die beiden und ihre Spendendose, wird langsamer.

„Entschuldigen Sie, wir sammeln Spenden für Straßenkinder“, wiederholt Meikel. Der Mann hält an. Es folgt ein kurzer Wortwechsel, in dem die Kinder ihm das Straßenkinder-Projekt näher erklären, dann kommt der Griff in die tiefe Manteltasche. Es klimpert. Es scheppert.

Zurückgewiesen werden war ein blödes Gefühl

Ein kurzer Gruß, alle lächeln und gehen ihres Weges. Schmatz, Schmatz. „Die meisten Leute waren aufmerksam und haben uns zugehört und gespendet“, sagt Alexa, als sie mit Meikel zurück in Richtung des vor der Bohlenpassage aufgestellten Klapptisches und zurück in Richtung der restlichen Klasse geht.

Schmatz, Schmatz. Steh. „Wenn wir aber zurückgewiesen wurden, dann war das schon ein sehr blödes Gefühl“, ergänzt Klassenkameradin Anna-Lena. „Darum geht es bei dem Projekt ja auch irgendwie“, sagt Lehrerin Nelli Graf. „Die Kinder sollen Mitgefühl entwickeln, Empathie. Einfach mal selbst erfahren: Wie ist das, wenn ich Menschen ansprechen muss, weil ich auf ihre Hilfe angewiesen bin?“

>> GELD KOMMT STRASSENKINDERPROJEKT IN MEXIKO ZUGUTE

  • Das Geld, das die EBGS-Schüler bei der Spenden-Aktion sammeln, kommt in diesem Jahr dem Straßenkinderprojekt „El Caracol“ in Mexiko-Stadt zugute. Laut Lehrerin Bettina Röttger, die an der Gesamtschule für den Projektbereich „Schule der Zukunft“ und für das Straßenkinderprojekt verantwortlich ist, leben in der mittelamerikanischen Stadt rund 30 000 Kinder auf der Straße, weltweit sind es schätzungsweise 100 Millionen.
  • „Alle diese Kinder haben das Recht auf ein würdiges Leben. Gemeinsam mit ihren Eltern brauchen sie einen Zufluchtsort. Sie müssen die Chance bekommen, zur Schule zu gehen und eine Ausbildung zu machen, um neue Lebensperspektiven entwickeln zu können“, hebt Bettina Röttger die Bedeutung des Projektes hervor.
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