MUSIK

Eine Samba und „Der Nussknacker“ in der Friedenskirche

Das Akkordeon-Orchester spielte in der Friedenskirche zusammen mit der Harfenistin Sonja Jahn.

Das Akkordeon-Orchester spielte in der Friedenskirche zusammen mit der Harfenistin Sonja Jahn.

Foto: Jochen Emde

Dinslaken.   Eine Harfe sorgte im Konzert des 1. Akkordeon-Orchesters Dinslaken 1965 für klangliche Akzente. Musiker spielten unter der Leitung von Bärbel Klott.

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Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“ assoziiert man zumeist mit der Vorweihnachtszeit. Dass die Musik auch im Mai verzaubern kann, bewies das 1. Akkordeon-Orchester Dinslaken 1965 in seinem Frühjahreskonzert am Samstagabend in der Friedenskirche. Die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Bärbel Klott spielten das Pas de Deux „ein Tanz für zwei mit 45 Mitwirkenden“, wie Moderatorin Barbara Driesen scherzte. Für den gewissen märchenhaften Zauber sorgte dabei jedoch Sonja Jahn. Sie setzte dem orchestralen Klang der Akkordeone die Dreiklangsbrechungen der Harfe entgegen: so genannte Arpeggien. In dem Fachwort, dass für diese Art der Begleitung auch bei anderen Instrumenten verwendet wird, steckt der italienische Name für die Harfe.

Dass man auf der Harfe selbst hingegen Flamencogitarre spielen kann und sogar die Zapateados, das rhythmische Schlagen der Tänzer mit den Schuhspitzen und Absätzen auf den Boden, perfekt imitieren kann, zeigte Sonja Jahn in ihrem letzten Solostück des Abends. Mit „Barocque Flamenco“ lässt die amerikanische Jazzharfinistin Deborah Henson-Conant filigrane Ballettweisen und waschechten Flamenco aufeinandertreffen. Beide Stile stehen sich zunächst streng getrennt gegenüber. Doch dann werden die klassischen Klänge durch die Akkordfolge der typischen Flamencokadenz geführt und die Begleitung des „Baroque“-Themas mit den Fingern auf die Saiten geschlagen.

Sonja Jahn legt mit Schlagzeuger eine Samba hin

Eine weitere musikalische Überraschung der aus Bratislava stammenden und nun in Dorsten lebenden Konzertharfenistin, die zuvor nicht nur virtuos verwehten Klänge eines „Nachtgesangs“ präsentierte, sondern mit Unterstützung eines jungen Perkussionisten aus den Reihen des Akkordeon-Orchesters eine flotte Samba hinlegte.

Dem standen die beiden Orchester – neben den Erwachsenen trat auch die Jugend des Vereins auf – nichts nach. „Da geht die Post ab“ versprach Barbara Driesen für das erste Stück des Abends. In „Ruslan und Lyudmila“ verwickelt Mikail Glinka edle Ritter und einen bösen Zauberer in stürmisch Kämpfe.

Jugendorchester spielt „Viva la Vida“ und „Lucky Day“

Der „Tango Appasssionado“ dagegen verriet eine offenkundige Leidenschaft des deutschen Akkordeonisten und Komponisten Thomas Ott: die Musik von Astor Piazzolla. Ob Mexikanisches von Arturo Márquez, feurig wie Chili, Swingendes von Benny Goodman oder Klezmer zwischen Temperament und Getragenheit, die das Orchester im Kirchenraum ins Opulente zu steigern weiß, das Konzert bietet stilistische Vielfalt bei gleichbleibendem Elan.

Ein Tempo, dass auch das Jugendorchester beibehält. „Das ist ein Wettbewerbsstück“ erklärt Barabara Driesen die „Rhapsodia Andalusia“ von Adolf Götz, „die Jury sind Sie, verehrtes Publikum“. Nach soviel Spanischen Feuer mit Kastangnetten-Klang mutet „Viva La Vida“ von Coldplay wie eine Ballade an. Saschas Swingnummer „Lucky Day“ bringt Glück, das Publikum fordert eine Zugabe der Jugendlichen. Die bieten die Erwachsenen zum Schluss gleich zweifach. Und das Publikum klatscht rhythmisch mit.

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