Ökumenische Woche

Fazit in Dinslaken: Die Kirche ist noch zu retten

Auf dem Podium im ev. Gemeindehaus (v.l.): Eyüp Yildiz, Dr. Magdalene Bußmann, Esther Weidner, Okko Herlyn, Werner Knoor und Horst Vöge.

Auf dem Podium im ev. Gemeindehaus (v.l.): Eyüp Yildiz, Dr. Magdalene Bußmann, Esther Weidner, Okko Herlyn, Werner Knoor und Horst Vöge.

Foto: Heiko Kempken / Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Dinslaken  „Ist die Kirche noch zu retten?“ Sechs Teilnehmer diskutierten auf dem Podium zum Thema „Trümmerhaufen oder Bausteine neuer Hoffnung?“

. Am Ende der knapp zweistündigen Veranstaltung überwog das positive Fazit und alle sangen gemeinsam das Lied: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ „Ist die Kirche noch zu retten? – Trümmerhaufen oder Bausteine neuer Hoffnung?“ Das Motto der diesjährigen ökumenischen Woche in der Stadtmitte wurde nach dem beeindruckenden Gottesdienst am Pfingstmontag in St. Vincentius jetzt bei einer Podiumsdiskussion im gut gefüllten Saal des ev. Gemeindehauses aus verschiedenen Sichtweisen diskutiert. Pfarrer Jan Zechel (Friedenskirche) stellte die sechs Teilnehmer vor und moderierte.

„Eine Kirche, die so bleibt, bleibt nicht so.“

Dr. Magdalene Bußmann, katholische Theologin und seit 1978 in der Reformbewegung der Kirche unterwegs („im Kirchenkampf bin ich alt und grau geworden“), sagte, auf die Frage gebe es kein einfaches Ja oder Nein. „Eine Kirche, die so bleibt, bleibt nicht so.“ Kirche sei kein Selbstzweck. Ein Leben nach dem Vermächtnis Jesu Christi in Solidarität, Gerechtigkeit, Frieden und Gewaltfreiheit müsse „die Herausforderung unseres kirchlichen Handelns“ sein. Sie plädierte für neue Leitungsformen mit Laien.

„Viele Leute sprechen nicht mehr von Feiertagen, sondern von Brückentagen.“

Horst Vöge, Landesvorsitzender des Sozialverbands Deutschland („ich komme eher von der weltlichen Seite“), sagte, er glaube „zutiefst daran, dass Kirche weiterlebt und keine Friedhofskirche wird“. Aber die Bedingungen müssten sich ändern. Wachsen sollten Barmherzigkeit und Solidarität, Kirche könne die Menschen in ihrer Alltagsarmut betreuen. Dafür müssten Diakonie und Caritas in ihren Aufgaben gestärkt werden. Er kritisierte die heutige Freizeitmentalität: „Viele Leute sprechen nicht mehr von Feiertagen, sondern von Brückentagen.“

„Einige Bischöfe sehen die Zeichen der Zeit, auch ich sehe Bausteine der Hoffnung.“

Werner Knoor, katholischer Pfarrer in Walsum, machte zwei unterschiedliche Wirklichkeiten aus. Die Basisarbeit in Pfarrei und Gemeinden zeuge von einem großen und bunten Leben. „Ich erfahre viel Engagement und kann keine Trümmerlandschaft wahrnehmen.“ Aber bei der Institution römisch-katholische Kirche „ist an den Trümmern etwas dran“. Knoor nannte Vertrauensverlust und Machtmissbrauch. Viele Gläubige seien in Ämtern nicht vertreten, die Rolle der Frau müsse gestärkt werden. „Einige Bischöfe sehen die Zeichen der Zeit, auch ich sehe Bausteine der Hoffnung.“

„Wir sind es nicht, die die Kirche retten.“

Okko Herlyn, ehemaliger ev. Gemeindepfarrer, Hochschulpfarrer und auch als Kabarettist bekannt („wir sind es nicht, die die Kirche retten“), zeigte Zukunftsperspektiven und fünf Aufträge auf. Kirche müsse als „Kernkompetenz“ das Evangelium zu den Menschen bringen. Kirche müsse sich einmischen und positionieren, „weg von der Pfarrerkirche zur Gemeindekirche“. Jeder Christ habe seine eigene Verantwortung und sollte unbefangen über seinen Glauben reden. Kirche müsse für jeden Menschen erreichbar sein. Schließlich: Gelder sollten verantwortlich verwaltet werden („auf Menschen statt auf Steine setzen“).

„Kirche wird nicht von uns, sondern von Gott gebaut.“

Esther Weidner, seit Februar neue ev. Pfarrerin im 1. Pfarrbezirk Hiesfeld, betonte: „Kirche wird nicht von uns, sondern von Gott gebaut.“ Sie sei mehr als katholische und evangelische Kirche in Deutschland, funktioniere auch in anderen Ländern der Welt, „lebendig und ohne Kirchensteuern“. Strukturen und Bedeutung von Kirche änderten sich, sie werde innerhalb der Generationen unterschiedlich wahrgenommen. Es gelte klar zu machen, wofür die Kirche stehe, für die Kernbotschaft: „Auferstehung, Leben nach dem Tod, Gott ist bei uns.“ Und: „Als Pfarrer müssen wir Aufgaben abgeben und gemeinsam arbeiten.“

„Der Mensch und die Seele brauchen dringend Hilfe.“

Eyüp Yildiz, Caritas in Dinslaken, sagte, Kirche könne nur als gesellschaftlicher Zustand definiert werden. Man spreche von Säkularisierung, Lockerung von Kirche, Berufung auf Vernunft. „Wir sind in einer Ellbogengesellschaft, Existenzängste machen krank, der Mensch und die Seele brauchen dringend Hilfe.“ Kirche müsse „unkonventionell sein und die Botschaft Jesu anders verkaufen“. Yildiz zitierte: „Ihr könnt nicht gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen.“ Die Botschaft Jesu sei in 2000 Jahren verloren gegangen, denn „viele Menschen in der Welt sind unglücklich“, appellierte er an die Nächstenliebe.

Auch Ökumene könnte ein Baustein sein, „um Kirche zu retten“.

Anschließend diskutierten die Besucher mit dem Podium Themen wie Bedeutung des Ehrenamtes, Rechte für Laien, Maria 2.0, Ansprechpartner vor Ort, Kirche von unten. Auch Ökumene könne ein Baustein sein, „um Kirche zu retten“.

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