Debatte

Friedrich Merz hat die Nase vorn in Voerde

Ralf Berensmeier (2.v.r.) ist einer der Delegierten aus dem Kreis Wesel, die beim Bundesparteitag in Hamburg den/die neue CDU-Bundesvorsitzende(n) wählen. Die Basis in Voerde diskutierte kontrovers über die Kandidaten.

Ralf Berensmeier (2.v.r.) ist einer der Delegierten aus dem Kreis Wesel, die beim Bundesparteitag in Hamburg den/die neue CDU-Bundesvorsitzende(n) wählen. Die Basis in Voerde diskutierte kontrovers über die Kandidaten.

Foto: Heiko Kempken

Voerde.   CDU Voerde diskutierte über Kandidaten für Bundesvorsitz. Nur Ralf Berensmeier sprach sich deutlich für Annegret Kramp-Karrenbauer aus.

Eine Abstimmung gab es am Montagabend bei der offenen Vorstandssitzung der CDU zwar nicht – doch gemessen an den Wortmeldungen und der Deutlichkeit der Positionierungen kristallisierten sich in der Debatte die beiden Männer im Trio der möglichen Nachfolge auf Angela Merkel für den Bundesvorsitz als Favoriten heraus. Ingo Hülser ließ bereits zu Anfang der Diskussion mit Bekanntgabe des abgefragten Stimmungsbildes innerhalb der Voerder CDU-Fraktion das Pendel für Friedrich Merz ausschlagen. Der ehemalige Unions-Fraktionsvorsitzende lag am Ende in Anbetracht der geäußerten Plädoyers für ihn vor Jens Spahn. Annegret Kramp-Karrenbauer indes hatte während der Sitzung einzig in Ralf Berensmeier einen deutlichen Befürworter.

Der Voerder Christdemokrat ist einer der Delegierten aus dem Kreis Wesel, die in wenigen Tagen in Hamburg beim Bundesparteitag den neuen Parteichef oder die neue Parteichefin wählen. Dass er sich vor wenigen Tagen in der Presse öffentlich bereits auf Kramp-Karrenbauer festlegte, wurde ihm in Voerde vorgehalten. CDU-Fraktionschef Ingo Hülser bewertete dies als „etwas misslich“ und stellte die Frage, ob das Delegiertensystem dazu geeignet sei, eine solch wichtige Entscheidung zu treffen. Er hätte sich wohler gefühlt, wenn er daran hätte teilhaben können. Ein Mitgliederentscheid, wie ihn die SPD in der Frage der Bildung einer Großen Koalition durchgeführt hatte, fand während der offenen CDU-Vorstandssitzung weitere Befürworter, aber auch Gegner.

Frühere Diskussion gewünscht

Kritik kam auch am Zeitpunkt der offenen Vorstandssitzung zum Thema Merkel-Nachfolge auf. Vielleicht hätte man die Versammlung etwas eher einberufen müssen, um das Votum den Delegierten als Meinungsbild mitzugeben, konstatierte Sabine Krüger und fügte mit Blick auf die Repräsentanz hinzu: „Die Fraktion ist nicht die Partei.“ Auch Georg Schneider hätte sich die Diskussion eher gewünscht und kritisierte Richtung Ralf Berensmeier, überrascht über dessen Festlegung in der Presse zu sein.

Sodann sprach Schneider flammende Worte auf Merz, der die „Wirtschaft nach vorne bringt“, dem er in Sachen Recht, Sicherheit und Ordnung mehr zutraue. Die drei Felder, so werde es ihm von Menschen, mit denen er zu tun hat oder auf die er trifft, gesagt, würden nicht mehr funktionieren, berichtete der Spediteur.

Neben Schneider und Hülser sprach sich auch Hans-Werner Tomalak für Merz aus, weil er ihn am ehesten in der Lage glaubt, Wähler für die CDU zurück zu holen, „Konturen zu zeigen“. Eine andere Stimme lautete, dass ein Neuanfang mit Merz besser als mit Kramp-Karrenbauer sei. Sie stehe für die Linie Merkel, die aber sei nicht mehr gewollt, konstatierte Ingo Hülser. Ähnlich argumentierte auch Tomalak, der befand: Kramp-Karrenbauer werde es „nicht gelingen, die Wähler zurück zu gewinnen“.

Berensmeier spricht sich für Kramp-Karrenbauer aus

Ralf Berensmeier indes erklärte, dass ein Teamplayer gesucht werde, der die verschiedenen Flügel zusammenführe. „AKK“ sei eine Persönlichkeit, die verbinden, die vermitteln könne. Auch erinnerte er daran, dass Kramp-Karrenbauer einst Ministerpräsidentin des Saarlandes gewesen sei und sich in den Dienst der Partei gestellt habe. Ingo Schachta nannte Kramp-Karrenbauer eine „Parteisoldatin“ und fragte, ob nicht Kompetenz Ausschlag gebend sein sollte. Sabine Krüger verwahrte sich gegen die Bezeichnung. „Sie wird hier in einer Art und Weise abqualifiziert – das ist nicht in Ordnung.“

Andere in der Voerder CDU wollen lieber einen Jüngeren am Ruder der Bundespartei sehen. „Ein Herr Merz hat schon die 60 überschritten“, meinte Ingo Schachta und fragte mit Hinweis auf den französischen Präsidenten Macron und den österreichischen Kanzler Kurz, warum man nicht der Jugend eine Chance gebe und einen Herrn Spahn, „der für einen langfristigen Umschwung“ stünde, zum Vorsitzenden mache.

Spahn könne laut Kehr frischen Wind reinbringen

Spahn sei der richtige Mensch, frischen Wind reinzubringen, das mache man nicht mit über 60-Jährigen, sagte Stefan Kehr, bei dem der Name Merz etwa die Assoziation „undurchsichtiger Wirtschaftslobbyismus“ auslöst. Auch spielte er auf dessen hohes Einkommen an – Aussagen, die Merz-Befürwortern monierten. „Mich stört, dass jemand, der in der freien Wirtschaft erfolgreich ist, besonders kritisiert wird“, befand Ingo Hülser.

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