NRZ-Serie

Frühchenstation in Dinslaken ist Hort für die Schwächsten

Dr. Jan-Simon Hermens, Leitender Oberarzt der Kinderstation, untersuchte ein Frühchen mit Neugeborenengelbsucht.

Dr. Jan-Simon Hermens, Leitender Oberarzt der Kinderstation, untersuchte ein Frühchen mit Neugeborenengelbsucht.

Foto: Gerd Hermann / FFS

Dinslaken.  Für Frühchen gibt es eine eigene Station im St. Vinzenz-Hospital in Dinslaken. Denn: Sie brauchen mehr Zuwendung als normalgewichtige Babys.

Eine Zeit lang sah es gar nicht gut aus für die Geburtshilfe in Dinslaken. Das Land hatte sich vorgenommen, die Perinatalzentren zu reduzieren. Davon wäre auch das St. Vinzenz-Hospital betroffen gewesen – und viele zukünftige Eltern, deren Kinder ein wenig zu früh hinaus in die Welt wollen oder krank sind.

Geburtshilfekliniken werden in zwei Kategorien eingeteilt: Level 1 und Level 2. Außerdem gibt es Kliniken mit perinatalem (perinatal = um die Geburt herum) Schwerpunkt oder ganz normale Geburtskliniken. In Kliniken der Stufe Level 1 werden lebensfähige Frühchen ab der 22. Schwangerschaftswoche oder einem Gewicht bis zu 1250 Gramm versorgt, bei Level 2 alle Geburten ab der 19. Schwangerschaftswoche oder einem Gewicht ab 1250 Gramm, wie am St. Vinzenz-Hospital. Inzwischen darf das Krankenhaus seinen Level-2-Status behalten und auch mit der Level-1-Zulassung sieht es wohl nicht schlecht aus, hofft Dr. Jan-Simon Hermens, leitender Oberarzt und Neonatologe.

Plan: ein überregionales Perinatalzentrum gründen

„Wir wollen mit dem Marienhospital in Wesel ein überregionales Perinatalzentrum gründen, das den unteren Niederrhein und die ländlichen Gegenden abdeckt“, so Dr. Hermens. Der nächste Schritt wäre jetzt halt die Zulassung fürs Level 1.

Strukturell und technisch seien beide Krankenhäuser bestens aufgestellt. Und auch in personeller Hinsicht sei das Vinzenz sogar über Soll gerüstet. Denn zur Pflege von Frühchen bedarf es einer erweiterten Ausbildung: Hat man als Arzt seine Facharztprüfung für Kinder- und Jugendmedizin geschafft, gibt’s eine weitere zwei- bis dreijährige Weiterbildung, bis man sich endlich Neonatologe nennen darf. Nicht ganz so lange müssen Krankenschwester lernen, um sich für die Arbeit auf der Frühgeborenenstation zu qualifizieren.

Priorität: im Team verhindern, dass es zu einer Frühgeburt kommt

„Die Priorität liegt nicht darauf, Frühchen zu versorgen, sondern im Team zu verhindern, dass es zu einer Frühgeburt kommt“, erklärt Dr. Hermens. „Doch wenn es dazu kommt, können wir hier eine gute Frühgeborenenstation anbieten.“ Ab kommendem Jahr dann mit dem Marienhospital. Bereits jetzt finde ein regelmäßiger Austausch statt, um ähnliche Strukturen zu schaffen und so eine übergreifende Behandlung sicherzustellen.

Das Fachgebiet der Neonatologie ist bedeutend jünger als die Pädiatrie. Früher wurde der Bereich durch die Anästhesie mit abgedeckt. Kinder, die nach einem Kaiserschnitt zur Welt kamen, wurden von ihnen mitversorgt. Heute arbeiten die Neonatologen zusammen mit den Kinderkardiologen und Kinderchirurgen. Auch die Eltern, so Hermens, werden, anders als früher üblich, von Anfang an mit ins Boot geholt.

Eltern werden von Anfang an mit ins Boot geholt

„Früher durften die Eltern oftmals ihre Kinder nur durch ein Fenster sehen“, erzählt Hermens, „heute bekommt die Mutter selbst ein noch zu beatmendes Baby an die Brust gelegt. Das fördert die Einheit zwischen Mutter und Kind.“ Frühchen benötigten eine besondere Zuwendung, die in großen Zentren kaum zu bewältigen ist.

„Extrem leichte Frühchen so um die 300 Gramm dürften wir nach Level 1 behandeln, aber das wollen wir gar nicht. Solche kleine Wesen gehören in die Spezialklinik, auch wenn wir das Personal und die Technik vorweisen können. Wir wollen für normale Frühchen gerüstet sein.“ Denn es mache weder Sinn, Frühchen Kilometerweit nach der Geburt zu transportieren oder risikoschwangere Frauen.

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