Rathaussturm

Geballte Frauenpower: Hünxer Weiber erobern das Rathaus

Mit ihrem selbst gestalteten Rammbock, vorne thront ein Fußball, stürmen die Hünxer Weiber das Rathaus.

Foto: Heiko Kempken

Mit ihrem selbst gestalteten Rammbock, vorne thront ein Fußball, stürmen die Hünxer Weiber das Rathaus. Foto: Heiko Kempken

Hünxe.   Andrea Wefelnberg wurde zum Ritter des 1. KV "Jeck in Hünx’" geschlagen. Dirk Buschmann reimte und bezog Stellung zum Bruckhausener Sportplatz.

Der Rammbock ist schon präpariert und in Stellung gebracht vor der verschlossenen Tür des Hünxer Rathauses. Kreativ haben sich die Jecken an ihrem Werkzeug ausgelassen – Turnschuhe, Ballons und Fußball zieren es – das passt zum Motto: „Ob Asche, Rasen oder Stein – in Bruckhausen soll ein Sportplatz sein.“ Andrea Wefelnberg führt die Weiber an – im pinken neonfarbenen Trainingsanzug mit Trillerpfeife um den Hals. Ein Pfiff ertönt und die Närrinnen bringen sich in Position. Sie singen („Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“) und rufen („Wir wollen hier rein“). Es dauert nicht lange, da weicht Bürgermeister Dirk Buschmann „der Gewalt“ und lässt sie ein.

Cheerleader-Outfits, Trainingsanzüge oder Fußballtrikots

Einen Moment später macht es auch schon „schnipp, schnapp“ und ab ist die Krawatte des Gemeindeoberhaupts. Elfi Vennmann hält ein Stück davon in der Hand. „Das löst sich schon auf“, sagt sie und zieht mit den anderen Weibern des 1. Karnevalsverein „Jeck in Hünx’“ Richtung Ratssaal, wo bald auch schon bunt weitergefeiert wird. Die Hünxer Weiber tragen Cheerleader-Outfits, Trainingsanzüge oder Fußballtrikots an diesem Tag, sind als Bienen verkleidet oder haben lilafarbene, glitzernde Hüte auf dem Kopf.

Nicht der Bürgermeister, aber das Mikrofon lässt sich von so viel geballter Frauenpower einschüchtern: Kurz nachdem Dirk Buschmann mit seiner Büttenrede begonnen hat, gibt es den Geist auf. Doch davon lässt sich Buschmann nicht abbringen, begrüßt die „bunt bemalte Meute“ und thematisiert bald auch schon das Thema, das die Karnevalisten wie auch die Bruckhausener so sehr bewegt. „Als Sportsmann ist mir selber wichtig, dass der Ort, der mich ertüchtigt, so mit allem drum und dran, geplant wird und gebaut sein kann“, bezieht er Stellung. „Drum lasst es mich euch heut versprechen, Lügen wäre ein Verbrechen – ob Asche, Rasen oder Stein, in Bruckhausen wird ein Sportplatz sein“ – es schließt sich schallender Applaus an.

Vereinsmitgründerin erhält Ritterschlag

Den symbolischen Schlüssel für die Rathaustür übergibt das Gemeindeoberhaupt kurze Zeit später stellvertretend für die jecken Weiber an Marianne Günther. „Wir haben jetzt die Macht“, ruft sie – und bald marschiert eine Polonaise durch den Ratssaal. Und wie es Tradition ist, wird noch jemand zum Ritter des 1. KV „Jeck in Hünx’“ geschlagen – an diesem Altweibertag ist es die Vereinsmitgründerin Andrea Wefelnberg, die von ihrem Mann und Vorsitzenden Dr. Michael Wefelnberg die Urkunde erhält.

Hünxer Möhnen erobern das Rathaus

Bürgermeister Dirk Buschmann zögerte zwar einen Moment, doch dann gab er den Eintritt frei und die jecken Weiber eroberten die Macht über das Rathaus.
Hünxer Möhnen erobern das Rathaus
Ann-Christin Fürbach

Auf ihren neuen Ritter gibt es „ein dreifaches Hünxe Jeck“, ehe die Narren durch das Dorf und schließlich Richtung Vereinsheim des STV Hünxe zur traditionellen Weiberfastnachtsparty ziehen.

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