Geschichte

„Gestatten, mein Name ist Althoff“

Dr. Hans Althoff überreicht

Foto: Birgit Gargitter

Dr. Hans Althoff überreicht Foto: Birgit Gargitter

Dinslaken.   Dr. Hans Althoff, Urgroßneffe des Friedrich Althoff, besuchte erstmals den Geburtsort seines berühmten Verwandten. Und brachte einen Koffer mit

Mit Koffern in der Hand stand er da – mitten im Burginnenhof. Aus Bendorf ist er angereist. „Gestatten, Dr. Hans Althoff, Urgroßneffe des Friedrich Althoff.“ Na ja, eine Familienähnlichkeit scheint nicht vorhanden, oder? Zumindest nicht mit der Marionette, doch dann zeigt Hans Althoff ein Porträt seines Urgroßonkels und siehe da, eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht zu verleugnen. „Oh, davon gibt’s noch mehr“, verrät Ehefrau Renate der Archivarin Gisela Marzin und der NRZ.

Friedrich Althoff ist 1839 als jüngstes Kind einer kinderreichen Familie auf dem Kastell zu Dinslaken geboren. Zehn Geschwister aus der ersten Ehe und sechs Geschwister aus der zweiten Ehe des Vaters gab es. Der Familie von Althoffs Mutter, Julie von Buggenhagen, gehörte seit zwei Generationen das Dinslakener Kastell, auch Gut Bärenkamp war im Besitz der Familie. Friedrich Althoff, ein wahrer Sohn Dinslakens also, der in die Welt hinauszog und Preußens „heimlicher Kultusminister“ wurde, neben Humboldt Deutschlands größter Wissenschaftsorganisator.

Doch kein Urgroßvater

Nun weilte mit Dr. Hans Althoff ein weiterer waschechter Althoff auf der Dinslakener Burg, herbeigerufen von Gisela Marzin. „Ich habe vor Monaten ein fröhliches Telefonat mit Gisela Marzin geführt“, erzählt Hans Althoff munter und gesteht. „Ich dachte eigentlich früher immer, dass der gute Fritz mein Urgroßvater war.“ Mitnichten, der Urgroßvater hieß Gustav und stammt aus der ersten Ehe, er und Friedrich waren also Halbbrüder mit einem gewissen Altersunterschied.

Das tat der Zuneigung zu Friedrich bei Hans Althoff jedoch keinen Abbruch. „Ich hatte mir schon immer vorgenommen, irgendwann mal die ganzen Familienpapiere zu durchforsten und die Familiengeschichte zu schreiben.“ Das kam nun schneller als erwartet. Und so suchte der Apotheker in seiner Freizeit alles schriftliche Material zusammen, sichtete es und schickte es nach Dinslaken ins Archiv. Selbst einen Stammbaum entwarf Hans Althoff nun und ist mit Feuer und Flamme dabei. „Eigentlich wollte ich das alles erst in meinem Rentnerdasein machen, aber Frau Marzin hat mich so charmant von der Wichtigkeit der Aktion überzeugt“, so der 71-Jährige lachend.

71 Jahre – da beziehen andere schon ihre Rente. Ein Blick auf Ehefrau Renate. „Ich sagte doch, es gibt jede Menge Familienähnlichkeit: sein Arbeitseifer, seine Promotion im Bereich Botanik.“ Obwohl Pharmazie studiert, hat Dr. Hans Althoff nämlich in Botanik promoviert, was wohl der Verwandtschaft zu Friedrich geschuldet war. Sein Doktorvater fragte damals nämlich: „Sind Sie verwandt mit dem Althoff?“ Als Student Hans dies bestätigte, durfte er promovieren, ohne seine Zeugnisse zu zeigen, ohne bürokratischem Aufwand. „Aber das ist mir nur einmal passiert.“

Wie der Onkel so der Neffe

Stolz ist er auf seinen berühmten Vorfahren, „auch wenn er nun doch nicht mein Urgroßvater ist“. „Ein toller Verwandter, ein toller Mann“, ist sich Hans Althoff sicher. Und es ist seltsam, wie sich einige Wege der beiden ähneln. Der in Rheinland Pfalz ansässige Apotheker war nämlich lange Zeit Landeselternsprecher im Ministerium. „Wenn Sie vier Kinder haben und sich dafür interessieren, ist das halt so, dann wird man irgendwann Elternsprecher“, wiegelt Hans Althoff sein politisches Amt ab. „Ich habe nur das gemacht was ich für richtig hielt und ich auch vertreten konnte.“ Gisela Marzin lacht. „Genau wie Friedrich also“, nennt sie die nächste Ähnlichkeit.

Den ganzen Vormittag waren die Althoffs mit Gisela Marzin auf Spurensuche gegangen, durchstreiften die Altstadt, besuchten Haus Wohnung, auf der die Althoff-Tagung im Oktober stattfinden wird, und sahen sich die Stadt an. „Ein gemütliches Fleckchen Erde“, waren sich die Althoffs einig.

Ein Koffer voller Geheimnisse

Und packten schließlich die Koffer aus: Bilder der Familie und Friedrich Althoff in alten originalen Rahmen, der Forschung bekannte aber auch unbekannte Bilder, Siegel und Petschaften, verschiedene Orden, darunter auch der rote Adlerorden, einer der höchsten. Orden in Preußen, Zeitungsausschnitte und sogar ein Testament der Julie von Buggenhagen. Wie dies in das Vermächtnis seinen Familienzweig gelangt ist, vermag Hans Althoff nicht zu sagen. Auch seien ihm nicht alle Ahnen bekannt, die sich auf den Bildern tummeln. Auf die Stadtarchivarin wartet daher jede Menge Arbeit.

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