Pflichtdienst

Geteiltes Echo auf Pflichtdienst-Idee

Bufdis werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt.

Bufdis werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt.

Foto: Heinz-Werner Rieck

Dinslaken.   Der Wegfall des Zivildienstes hat die Arbeit der Wohlfahrtsverbände erschwert. Einige sehen den Vorschlag dennoch kritisch.

Es gibt zwar das Freiwillige soziale Jahr (FSJ) und den Bundesfreiwilligen-Dienst (Bufdi), doch so ganz lassen sich damit die Lücken, die durch den Wegfall des Zivildienstes entstanden sind, nicht schließen. Was könnte Abhilfe schaffen? In diesen Tagen ist eine Diskussion über die Einführung eines verpflichtenden Dienstjahres für Schulabgänger entfacht worden. Ist das ein gangbarer Weg?

Beim Gespräch über diesen Pflichtdienst erinnert Caritasdirektor Michael van Meerbeck daran, dass man mit dem Zivildienst einen guten Dienst hatte. Dabei seien Menschen der Pflege näher gekommen. „Das war segensreich“, betont van Meerbeck.

Ob nun ein Dienst verpflichtend für alle eingeführt werden soll, da sei er hin und hergerissen, zumal sich der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gegen einen Pflichtdienst ausgesprochen habe.

Er sei zwiegespalten, zumal noch nicht feststehe, wie dieser Dienst umgesetzt werde. Freiwilligkeit sei schon gut für ein soziales Handeln, die Einstellung wäre anders, wenn ein Zwang dahinter stehen würde.

Erfahrungen sammeln

Es wäre schon eine gute Sache, wenn die Freiwilligen mehr Geld erhalten würden. Sofort fügt van Meerbeck an, dass diese Kosten aber nicht auf die Träger, also auf die Wohlfahrtsverbände, abgewälzt werden sollten.

Ob ein Zwang dahinter stehen muss, da ist sich Alexandra Schwedtmann, Geschäftsführerin der Diakonie Dinslaken, nicht sicher, hier sei sie zweigeteilt.

Es sei wichtig, dass Menschen in jungen Jahren Erfahrungen sammeln. Ein Problem sieht sie im Pflichtdienst darin, dass man sich ihm nicht entziehen könne. Was mache man mit Verweigerern, fragt sie.

Klar für die Einführung eines verpflichtenden Dienstjahres ist Dr. Kurt Gerritz, Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Dinslaken-Voerde-Hünxe. Dazu habe es einen klaren Beschluss des Kreisvorstandes gegeben.

Man unterstütze die Bemühungen, diesen Dienst einzuführen. Gerritz nennt in diesem Zusammenhang Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger, der sich ebenfalls für einen solchen Dienst stark mache. Gerritz berichtet, dass leider auf DRK-Landesebene das anders gesehen werde. Dort werde auf die Freiwilligkeit gesetzt.

Verbände wie das DRK haben Probleme bekommen, als die Wehrpflicht und damit der Zivildienst abgeschafft worden waren. Ein Jahr sei auch der Mindestzeitraum für solch einen Dienst, so Gerritz.

„Ich bin für einen verpflichtenden Dienst, da dann auch beide Geschlechter betroffen sind“, so Gerritz. Die Einführung wäre für das DRK „eine erhebliche Erleichterung“, fügt er hinzu. Er glaubt, dass das verpflichtende Dienstjahr eine gute Lösung sei, „um junge Menschen auf die soziale Schiene zu bringen“.

Resolution wurde zugestimmt

Zustimmung kommt auch von der CDU und Jungen Union (JU). In einer Pressemitteilung erinnern die Dinslakener Christdemokraten daran, dass sie einen entsprechenden Antrag gemeinsam mit der SPD in den Rat eingebracht hatten.

Der angenommene Antrag hatte zum Inhalt, dass die Resolution „Einführung einer Allgemeinen Dienstpflicht zur Verbesserung der Sicherheits- und Daseinsvorsorge“ unterstützt werden sollte. Diese sieht eine Einführung einer allgemeinen, inklusiven Dienstpflicht für Männer und Frauen zur Verbesserung der Sicherheits- und Daseinsvorsorge in Deutschland vor.

JU-Vorsitzender Fabian Schneider betont: „Für JU und CDU steht fest, dass die Aussetzung der Wehrpflicht nicht nur für die Bundeswehr erhebliche Folgen hatte, sondern auch für die Daseinsvorsorge auf kommunaler Ebene.“

Die weltpolitische Lage habe sich so verändert, dass die Bundeswehr deutlich gestärkt werden müsse. Der Wehrdienst habe unter anderem auch die Funktion gehabt, Talente zu entdecken und junge Männer für den Dienst in der Bundeswehr zu begeistern.

Durch den Wegfall der Wehrpflicht sei es nun deutlich schwieriger geworden, junge Menschen für einen Beruf in Uniform zu gewinnen, da sie gar nicht mehr in Berührung mit der Bundeswehr kommen.

Auf der anderen Seite sei durch den Wegfall des Zivildienstes und der Möglichkeit, sich anstelle der Erfüllung der Wehrpflicht für zehn Jahre bei den so genannten „Blaulichtorganisationen“ zu verpflichten, auch die Arbeit der Wohlfahrts- und Katastrophenschutzverbände vor Ort deutlich erschwert worden.

Der personelle Mangel führe dazu, dass bestimmte Aufgaben nicht mehr im erforderlichen Umfang erledigt werden können.

Enorme Spuren hinterlassen

„Der Wegfall des Zivildienstes hat enorme Spuren, gerade auf kommunaler Ebene, hinterlassen“, betont Heinz Wansing, Vorsitzender der CDU-Fraktion.

Deswegen habe man in der Resolution gefordert, dass neben dem Zivilschutzdienst bei den „Blaulichtorganisationen“ auch der Sozialdienst bei den Wohlfahrts- und Sozialverbänden, der ökologische Dienst bei Naturschutzverbänden, der Friedensdienst beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Entwicklungshilfedienst wie auch weitere gesellschaftlich relevante Dienstbereiche wählbar sein sollen.

„Gerade unser Gesundheitssystem steht im Personalbereich vor großen Herausforderungen. Auch hier hatte der Zivildienst eine große Werbekraft, um Menschen beispielsweise für Gesundheits- und Pflegeberufe zu gewinnen.“

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