Geschichte

Glocke in Götterswickerhamm schlug erstmals Heiligabend 1642

Die Glocke 1 klingt heute noch so über die Dächer des Rheindorfs wie an Heiligabend 1642. Kurt Franke kümmert sich um die Glocken und die Uhr.

Die Glocke 1 klingt heute noch so über die Dächer des Rheindorfs wie an Heiligabend 1642. Kurt Franke kümmert sich um die Glocken und die Uhr.

Foto: Heiko Kempken

Voerde.   Am 24. Dezember vor 375 Jahren schlug die Glocke im Kirchturm von Götterswickerhamm zum allerersten Mal. Im Krieg wurde sie beschlagnahmt.

Man schreibt das Jahr 1642. Es ist das Todesjahr von Galileo Galilei und das Jahr, in dem Rembrandt mit der „Nachtwache“ eines seiner bekanntesten Bilder schafft. In Europa tobt der Dreißigjährige Krieg und in Götterswickerhamm machten sich im Mai so genannte „Lothringer Wandergießer“ an den Neuguss einer Glocke für die dort stehende Kirche. „Laut einem Bericht im Archiv wurde die Glocke im Kirchraum gegossen.

Wahrscheinlich wurde die Glocke direkt im Kirchturm gegossen

Aber wahrscheinlich fand der Guss direkt im Kirchturm statt“, erklärt Kurt Franke, der sich im Rheindorf um die Glocken und die Uhr im Kirchturm kümmert. Eine Vermutung, die sinnvoll erscheint, hätte man die 930 Kilogramm schwere Glocke doch ansonsten noch zum Turm bewegen müssen. Dabei heißt die Glocke in Götterswickerhamm schlicht „Glocke 1“. „Bei uns haben die Glocken keine besonderen Namen, wie das bei den Katholiken oft der Fall ist“, erklärt Kurt Franke.

In den Archiven finden sich auch noch Listen über die Materialien, die für die Glockenform verwendet wurden, darunter unter anderem zehn Pfund Kuhhaare. Dazu kam aber auch ein Pfund spanische Seife und natürlich zwei Paar Handschuhe für die Glockengießermeister zu den Materialkosten hinzu.

In der Glocke aus dem Jahr 1642 finden sich zwei Inschriften

Für die Glocke selbst verwendete man Überreste der Glocken, die zuvor in der Kirche hingen und die 1586 von spanischen Truppen im Achtzigjährigen Krieg (auch Spanisch-Niederländischer Krieg genannt) zerstört worden waren. „Ein Teil des Materials ist also schon älter als 375 Jahre“, erzählt Kurt Franke. In der Glocke selbst, die heute zwischen zwei jüngeren Glocken im Turm der Schinkelkirche in Götterswickerhamm hängt, finden sich dabei zwei Inschriften. „Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln“, ist dort ein Teil des Psalms 150 auf Latein zu lesen. „Im Mai 1642 hat der Richter Martin Willich, der Pastor Thomas Hachellius, der Kirchenmeister Johann Scholte und Adolph Frericks mich gemacht“, steht am oberen Rand der Glocke. Wohl eine Inschrift, die auf die damals Verantwortlichen in der Gemeinde verweist. 125 Taler zahlten diese damals an Lohn an die Glockengießer. Dazu kamen rund 140 Taler für Material und eine Feier nach dem Glockenguss.

An Heiligabend des Jahres 1642 wurde die damals neue Glocke zum allerersten Mal geläutet, um die Gläubigen zum Gottesdienst in die Kirche zu rufen. Und bis heute erklingt sie, gemeinsam mit den beiden anderen Glocken. An Samstagen um 18 Uhr für eine Viertelstunde, um den Sonntag einzuläuten. An Sonntagen 15 Minuten lang um 10.30 Uhr, zur Ankündigung des Gottesdienstes und bei Beerdigungen. Natürlich in jedem Jahr auch an Heiligabend, rechtzeitig, um die Dorfbewohner auf den bevorstehenden Gottesdienst mit Krippenspiel hinzuweisen.

1947 wurde die im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte Glocke wiedergefunden

In den 375 Jahren hat die Glocke allerdings schon einiges mitgemacht. So beschlagnahmte man im Ersten Weltkrieg die zweite Glocke im Turm, die aus dem Jahr 1723 stammte. „Die hat man dann eingeschmolzen, um Kanonen herzustellen“, erklärt Kurt Franke. Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte man dann die 1642 gegossene Glocke. „Man hat 1947 angefangen, nach der Glocke zu suchen“, erzählt Kurt Franke. Pfarrer Wolfgang Petri musste schriftlich auf Russisch bei einem Glockenlager in der sowjetischen Besatzungszone anfragen, ob die Glocke dort zu finden sei und wurde Ende August 1947 fündig.

Jubiläum der Kirchenglocke in Götterswickerhamm

Die Glocke der Schinkelkirche hat Heiligabend vor 375 Jahren zum ersten Mal geläutet.
Jubiläum der Kirchenglocke in Götterswickerhamm

Unter der so genannten Glockenleitnummer 14/1/4/C war die Glocke im Glockenlager Hettstedt im Südharz eingelagert worden. „Dort fanden sich mehr als 400 Glocken, die meisten davon aus dem Rheinland“, erzählt Kurt Franke. Es sollte aber noch bis zum Oktober 1949 dauern, bis die Glocke wieder ins Rheindorf zurückkehrte. Im November wurde sie dann in den Turm eingebaut. „Anfang Dezember kamen die ersten Anfragen, warum die Glocke nicht in Betrieb geht“, berichtet Franke. Wann genau das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg die Glocke in Götterswickerhamm wieder zu hören war, ist nicht bekannt. „Ich nehme aber an, es war auch an Heiligabend und davon gehen auch alle aus, mit denen ich bisher über das Thema gesprochen habe.“

Der Turm der evangelischen Kirche Götterswickerhamm wird einmal im Jahr überprüft

Seitdem erklingt der Ton der Glocke wieder im Rheindorf, Jahr für Jahr und Tag für Tag. Damit es auch weiterhin so bleibt, wird der Turm einmal im Jahr komplett überprüft. „Es wird die Aufhängung kontrolliert und alles an Technik, was vorhanden ist“, erzählt Kurt Franke. „An der Glocke selbst wird allerdings nichts verändert.“ Diese klingt also heute noch genau so über die Dächer des Rheindorfs wie an Heiligabend im Jahre 1642.

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