Kirche

Gotischer Taufstein ist zurück

Taufsteinenthüllung in der Hiesfelder Dorfkirche: (v.l). Erich Schult vom Förderverein, Presbyteriumsvorsitzender Martin Pieper und Pfarrerin Petra Schorberger-Waldhausen.

Taufsteinenthüllung in der Hiesfelder Dorfkirche: (v.l). Erich Schult vom Förderverein, Presbyteriumsvorsitzender Martin Pieper und Pfarrerin Petra Schorberger-Waldhausen.

Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool

Dinslaken.   Nach 180 Jahren hat die Hiesfelder Dorfkirche ihren gotischenTaufstein wieder. Mit einem Festgottesdienst und Feierstunde wurde der historische Moment gewürdigt.

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Das Interesse war gewaltig, der Rahmen festlich: Nach 180 Jahren ist der gotische Taufstein in die Dorfkirche Hiesfeld zurückgekehrt. Dies wurde am Sonntag mit einem Festgottesdienst und einer Feierstunde im Gemeindezentrum an der Kirchstraße gewürdigt. Eine historischer Moment in der Geschichte der ältesten Kirche Dinslakens.

Die Taufe stehefür Neuanfang, so Petra Schorberger-Waldhausen in ihrer Predigt, für das Öffentlichmachen der Bezeihung eines Menschen, eines kindes zu Gott. Es ist der Beginn eines Weges in nerhalb der christlichen Gemeinde. Aber Wege verlaufen nicht immer geradlinig,. Das gilt für die Menschen, die seit 500 Jahren mit dem Wasser aus dem Hiesfelder Taufstein getauft wurden wie für den Stein aus Baumberger Sandstein aus dem Münsterland selbst. Das wertvolle Stück wurde beschädigt, repariert, weggestellt und nun „nach Hause“ zurückgeholt.

Historische Spurensuche ist Detektivarbeit. Mühevoll, oft im dunkeln tappend, nicht zwingend zur letzendlichen Aufklärung führend. Dr. Ingo Tenberg stieß auf ihn im Rahmn seiner Heimatgeschichtlichen Forschung für Hiesfeld, spürte ihn in der Hamborner Abteikirche auf, wo er seit 1939 eingelagert war. Ein pompöser neogotischer Umbau hatte dem alten Gestein übel zugesetzt. Aber Hamborn war dennoch ein Glücksfall für ihn. 1934 wollten die Hiesfelder das gute Stück Sakralkunst als Blumenkübel verkaufen. Der Hamborner Pfarrer Werner Dahlmann erkannte seine Bedeutung, kaufte den Stein für seine Gemeinde und ließ in selber wieder herrichten.

Jetzt, wo das Interesse der ev. Kirchengemeinde an ihrem Stein neu erweckt war, gaben ihn die Verantwortlchen aus Hamborn zurück. Steinmetz Arnt Sondermann restaurierte ihn fachmännisch, legte Teile der historischen Bemalunge und der Blattvergoldung frei. Finanziell ermöglicht wurde dies alles durch die förderstiftung Dorfkirche und einer Spende aus dem Nachlass Rechtsanwalt Dietrich Fritz Overländer.

Der Stein hat es in sich. Nicht nur dei Glassteine, die er, gut verschlossen, für die gottesdienstbesucher am Sonntag zur Erinnerung barg. Nicht nur wegen seines emotionalen Wertes. Nicht nur, weil er ein Prachtexemplar der Steinmetzkunst am Niederrhein ist. Fischblasen und Vierpass-Maßwerk im Wechsel, das klevisch-märkische Wappen und ein von Pfeilen durchbortes Herz bedeuteten, so schätzt Sondrmann, für seinen kollegen aus dem ausgehenden Mittelalter 95 Tage Arbeit.

Es handelt sich offensichtlich um ein wertvolles, vergoldetes Geschenk des klevisch-märkischen Hauses an die Kirche von Hiesfeld. Aber wer war der Stifter, was war der Anlass? Wie alt ist das Stück genau? Das Wappen ließe auf Herzog Adolf II. (1394 - 1448) oder dessen Sohn Johann I. (1448 - 1481) schließen, so Dr. Tenberg. Auf eine enge Bindung des Herzogshauses zu Hiesfeld ließe zudem eine Grabplatte, die ebenfalls im Kirchturm aufgestellt ist, schließen. Keine Erkenntnisse lieferte ihm bislang das Herz mit den Pfeilen.

Der Stein ist zurück aus dem „Exil“, all seine Geheimnisse hat er allerdings noch nicht preisgegeben.

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