KLEINGÄRTEN

Große Nachfrage nach Kleingärten in Dinslaken und Voerde

Die Kleingartenvereine - hier der KGV Am Volkspark in Dinslaken –  sind offener geworden. Gartenzwerge gibt es ebenso wie Blumenwiesen und spielende Kinder. Der Nachfrage tut das gut.

Die Kleingartenvereine - hier der KGV Am Volkspark in Dinslaken – sind offener geworden. Gartenzwerge gibt es ebenso wie Blumenwiesen und spielende Kinder. Der Nachfrage tut das gut.

Foto: Heiko Kempken

Dinslaken/Voerde.   Die Kleingartenvereine haben sich geöffnet, Richtlinien gelockert und werden immer beliebter. Ökologisch wertvoll waren sie schon immer.

Klimaprobleme, die Artenvielfalt stirbt so langsam aus, es gibt kaum noch Insekten – Schlagzeilen, die sich derzeit häufen. Dagegen steuern kann man auch schon im Kleinen, wie seit Jahren die Kleingartenvereine beweisen. Einstmals belächelt, erfreuen sie sich heute immer größer werdender Beliebtheit – vor allem bei jungen Familien mit Kindern. Doch die Vereine haben sich auch im Laufe der Zeit gewandelt, unterliegen nicht mehr ganz so strenger Richtlinien, haben sich geöffnet für Familien mit Migrationshintergrund und passen sich den neuen Gegebenheiten an.

Elf Vereine gehören zum Stadtverband Dinslaken-Voerde

Biologischen Anbau jedoch gab es dort schon immer. „Bei uns in den Kleingartenvereinen hat es noch nie chemische Pflanzenschutzmittel gegeben“, versichert Sandra Scholten, Vorsitzende im Kleingartenverein Averbruch und darüber hinaus Verbandsfachberaterin des Stadtverbandes der Kleingärtner e.V. Dinslaken-Voerde. Elf Vereine sind dem Stadtverband angeschlossen, neun aus Dinslaken, zwei aus Voerde.

Der älteste Verein, der KGV Averbruch, stammt aus dem Jahr 1931, die beiden jüngsten Vereine, Am Leitgraben und Am Siepenbach, aus 1986. Der größte Verein im Stadtverband ist der KGV Volkspark mit 153 Parzellen verschiedener Größen, der kleinste Verein, Grüne Insel aus Voerde, hingegen hat nur 37 Mitglieder. Auf 817 Parzellen kommen die elf Vereine, insgesamt sei dies eine Fläche von 35 Hektar. Grüne Lungen im städtischen Asphalt.

Kinder bringen viel Leben in den ältesten KGV in Dinslaken

Nachwuchssorgen haben die elf Vereine laut Sandra Scholten nicht. Über längere Zeit verwaiste Parzellen – Fehlanzeige. Weit über 30 Kinder gibt es allein im KGV Averbruch und „die bringen eine Menge Leben und Spaß in den Kleingartenverein“, so Sandra Scholten. Den Eltern sei es wichtig, dass ihre Kinder den richtigen Umgang mit Nahrungsmitteln lernen, sich gesund ernähren und erfahren, wie Gemüse und Obst angebaut werden, verschiedene Blumen und Obstsorten kennenlernen. Und sich einfach im Garten wohlfühlen.

Bürgermeister Heidinger steht im Wort

Zehn der elf Vereinsflächen befinden sich im Besitz der Städte Dinslaken und Voerde, lediglich der KGV Tannenbusch sei in privater Hand, so Scholten. Angst um ihre Parzellen, weil die Stadt diese Flächen als Bauland ausschreiben können, haben sie derzeit in Dinslaken nicht. „Bei der letzten Begehung im Verein an der Trabrennbahn hat uns Bürgermeister Heidinger versprochen, dass eine Bebauung auf der Rennbahn nichts an unseren Gärten ändern wird“, so Scholten.

Immerhin wisse die Stadt um die ökologisch wertvollen Gebiete. Sie seien inzwischen zu Treffpunkten mit den Nachbarschaften geworden. Zwischen 280 und 660 qm groß sind die einzelnen Parzellen, die 1/3-Regelung, die gäbe es immer noch, wenn auch inzwischen in gelockerter Form. So darf ein Drittel des Grundstückes für die Laube herhalten, ein weiteres Drittel ist dem Rasen vorbehalten, das letzte Drittel dem Anbau von Obst und Gemüse sowie Sträuchern. Im Gegensatz zu früher sei dies allerdings nicht mehr streng reguliert. So könne man inzwischen kleine Blumenwiesen integrieren.

„Viele Insekten und Vögel sind zurückgekehrt“

Im Winter lasse man inzwischen Samenstauden als Winternahrung stehen, stelle Insektenhotels bereit, schichte Reisighaufen für Igel auf und setze sich somit aktiv für den Natur- und Umweltschutz ein. Der Lohn – „viele Insekten und Vögel sind inzwischen wieder in unsere Gärten zurückgekehrt“, freut sich Sandra Scholten. Ob Stieglitze, Grünlinge, Dompfaff oder Schmetterlinge – in ihrem Garten herrsche ein kunterbuntes Treiben.

Brennnessel für Schmetterlinge

„Manche Kleingärtner pflegen Brennnessel für die Schmetterlingsbrut ein und tatsächlich, deren Bestand ist wieder größer geworden“, so Scholten. Es sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, bedenkt man, wie groß Wissenschaftler das Insektensterben einschätzen. „Einer muss den Anfang machen, wenn nicht wir Kleingärtner, wer dann“, sagt Sandra Scholten.

Bio-Produkte zu kaufen, sei immer noch relativ teuer, sie selber anzubauen koste eines – Zeit. Aber sie in der Gemeinschaft in freier Natur einzusetzen, sei sinnvoll. Und die Ernte meist ein Gedicht. „Nichts schmeckt so gut, wie Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten“, erzählt die Vereinsvorsitzende. Viele Pächter gingen inzwischen dazu über, wieder alte Sorten anzubauen – und Neues auszuprobieren. Es sei ein Nehmen und Geben mit der Natur.

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