Tag der offenen Tür

Hexenhaus in Dinslaken öffnet Besuchern seine Türen

Der Künstler Marcos „Reych“ Saavedra verwandelte das Hexenhaus in ein zeitgenössisches Kunstwerk.

Der Künstler Marcos „Reych“ Saavedra verwandelte das Hexenhaus in ein zeitgenössisches Kunstwerk.

Foto: Christoph Karl Banski

Dinslaken.   Das Hexenhaus öffnete im Rahmen von „Kunst statt Leerraum“ seine Türen für Besucher. Die erfuhren viel über Geschichte und ehemalige Bewohner.

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Seit einem Jahr ist die Fassade des Hexenhauses an der Brückstraße 11 ein bunter Blickfang und Teil des Nachhaltigkeitsprojektes „Weltbaustellen“. Am Samstag wurde es selbst zu einer Art Kunstwerk und öffnete im Rahmen von „Kunst statt Leerraum“ seine Pforten zum Tag der offenen Tür. „Wir wollen zeigen, was aus dem Hexenhaus geworden ist und wie es genutzt wird“, erklärt Jonas Egelkraut von der Aufsuchenden Jugendarbeit, die in dem alten Gemäuer ein neues Zuhause gefunden hat.

Vor dem Haus stellten sich das Kinder- und Jugendparlament mit seinen verschiedenen Arbeitskreisen, die Gruppe „together“ – ein Treff für junge Schwule und Lesben – und eine Truppe Skateboarder vor und informierten über ihre Arbeit. Im Garten bot die Schwangerenberatung des Diakonischen Werkes Mitmachaktionen für Kinder an. Alle diese Initiativen finden in dem kleinen Hexenhaus ihren Platz und schreiben ein neues Kapitel in seiner langen Geschichte.

Zeugnisse von Vergangenheit und Gegenwart

Einen Eindruck davon erhielten die Besucher im Inneren des Hauses: Bilder und Zeitungsartikel erzählten von Vergangenheit und Gegenwart des Hexenhauses. Historische Aufnahmen hingen neben Fotos, die die Renovierungsarbeiten zeigen.

„Wir haben viel gemacht“, erinnert sich Jonas Egelkraut. So wurde der rote Teppich zum Beispiel durch einen Holzfußboden ersetzt. Wie es sich für ein altes Gemäuer gehört, ranken sich viele Mythen und Anekdoten um das Haus – angeblich solle es mal im Suff beim Kartenspielen verzockt worden sein, sagt Egelkraut.

Ehemalige Bewohnerin gab Haus den Namen

Ben Perdighe, Initiator von „Kunst statt Leerraum“, hat im Hexenhaus sein Agenturbüro und kann weitere Geschichten über das Haus und seine Bewohner erzählen.

Er berichtet an diesem Tag der offenen Tür zum Beispiel von Kabarettistin Heike Becker, die auch hier wohnte und der das Haus seinen Namen verdankt: Sie habe immer gesagt, sie wohne im Knusperhäuschen, daraus sei dann Hexenhaus geworden, erklärt Perdighe. Ein passender Name für das windschiefe Häuschen, dessen Ursprung etwa bis 1780 zurückreicht. Vor Heike Becker wohnte hier eine alte Frau, die in der winzigen Kemenate unter der Treppe heimlich eine kleine Destille betrieb. Der Hausschnaps wurde sonntags nach der Kirche beim Frühschoppen am Stehtisch im Flur genossen.

Eigentümer wünschte sich gemeinnützige Mieter

Nach dem Auszug von Heike Becker wollte Eigentümer Andreas Eickhoff gerne gemeinnützige Mieter haben und bat Ben Perdighe, ihm bei der Suche zu helfen. Als dieser während der Din-Tage das Hexenhäuschen zur Bar verwandelte, trafen sich Eickhoff und Jonas Egelkraut hier beim Bier, kamen ins Gespräch – und die Idee für die heutige Nutzung des Gebäudes war geboren.

„Wenn man dem Haus etwas Gutes tut, gibt es einem das auch zurück“, ist Ben Perdighe überzeugt. Das hat er selbst erfahren: Nachdem er sein altes Büro aufgegeben hat, fand er ein neues im Hexenhaus und der chilenische Künstler Marcos „Reych“ Saavedra, der die Fassade gestaltete, brachte weitere Künstler aus seiner Heimat zu „Kunst statt Leerraum“ mit. Während sich hier ein Kreis schließt, sind die Geschichten des Hexenhauses längst noch nicht alle erzählt: Ben Perdighe zeigt ein verstecktes Zimmer im Gebäude, zu dem es bislang keinen Zugang gibt und das er nur zu gerne einmal öffnen würde. Wer weiß, welche Geschichten sich noch hinter diesen Wänden verbergen.

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