E-Fahrzeuge

In Voerde gibt es nun die ersten umweltfreundlichen E-Taxis

Serdal Degirmenci (v.li.), Daniel und Michael Dickmann stellten dem CDU-Bürgermeisterkandidaten Frank Steenmanns das erste E-Taxi samt Ladesäule in Voerde vor.

Serdal Degirmenci (v.li.), Daniel und Michael Dickmann stellten dem CDU-Bürgermeisterkandidaten Frank Steenmanns das erste E-Taxi samt Ladesäule in Voerde vor.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Voerde.  Taxibetreiber tauscht vier Diesel gegen E-Fahrzeuge aus. Strom produziert Solaranlage auf dem Dach. Die Infrastruktur in Voerde sei ungenügend.

„Mike das freundliche Taxi“ steht in roten Herzen auf den Wagen von Taxi Dickmann in Voerde. Nun könnte ein weiteres Herz hinzukommen: „Mike das umweltfreundliche Taxi“. Denn das Voerder Unternehmen rüstet einen Teil seiner Flotte um. Zu den 52 Fahrzeugen sollen bald vier Elektrowagen gehören. Sie sollen vier Dieselfahrzeuge ersetzen und durch eine eigene Solaranlage mit Strom versorgt werden.

„Das ist wirkliche Nachhaltigkeit“, lobt Frank Steenmanns, Bürgermeisterkandidat der CDU, der sich über das Projekt informierte und das erste Voerder E-Taxi, einen weißen Golf, begutachtete. Der Wagen schafft mit einer Ladung etwa 200 Kilometer und wird derzeit im Schülerverkehr eingesetzt. „Da sind die Strecken kalkulierbar“, begründet Inhaber Michael Dickmann.

Ladung dauert drei Stunden

Einmal am Tag muss das Elektro-Taxi und -Mietauto geladen werden. Die „Tanke“ steht auf dem Hof des Betriebs an der Grenzstraße. An der E-Ladesäule mit einer Leistung von 11 kW braucht der E-Golf für eine Ladung etwa drei Stunden. Weil der Schülerverkehr naturgemäß tagsüber stattfindet, kann Dickmann den Wagen bequem nachts aufladen. Die drei weiteren E-Taxen, die bereits bestellt sind – VW-Busse für bis zu sechs Fahrgäste – sollen im normalen Taxibetrieb zum Einsatz kommen. Dafür wird eine zweite Ladesäule auf dem Grundstück installiert.

Der Strom für die E-Taxen soll – bei optimalem Wetter – weitgehend selbst produziert werden: 72 Solarmodule auf dem Flachdach des Gewerbebetriebs sollen im Jahr rund 21.000 kWh erzeugen. Überschüssige Energie, die tagsüber erzeugt aber nicht genutzt wird, weil die Taxen dann unterwegs sind, wird in einer Batterie gespeichert und kann so nachts abgerufen werden.

Rund 80.000 Euro in die Anlage investiert

Wenn alle vier Taxen in Betrieb sind, sollen durch die Solaranlage der bisher extern bezogene Strom reduziert und die Bezugskosten halbiert werden. Eine kWh Strom aus der Solaranlage koste knapp über 10 Cent, der Preis beim Versorger sei mehr als doppelt so hoch. Rund 80.000 Euro hat Dickmann in die Anlage investiert – die Kosten für die Wagen kommen hinzu. In rund zehn Jahren soll sich die Anlage inklusive Speichermodul amortisiert haben.

Um die Konzeptionierung, Planung und Installation kümmert sich das Unternehmen B&W Energy aus Heiden. Die Module werden in Ost–West Richtung montiert, um das tägliche Zeitfenster für die Energieerzeugung maximal auszunutzen. Laut Energiemanager Serdal Degirmenci erlaubt diese Ausrichtung eine Solarstrom-Produktion von den frühen Morgenstunden bis in den späten Nachmittag.

Umsetzung betriebswirtschaftlich und umweltpolitisch sinnig

„Die Umsetzung einer solchen Investition hier in Voerde ist lobenswert“, findet Steenmanns. Sie mache betriebswirtschaftlich und umweltpolitisch Sinn. Die Luft werde um fast 15 Tonnen CO entlastet. Das sei „eine Maßnahme, dem von rot-grün in Voerde beschlossenen Klimanotstand einmal etwas ganz Konkretes folgen zu lassen“.

An der passenden Infrastruktur für E-Autos, das gab Michael Dickmann seinem Gast allerdings mit, müsse dringend gearbeitet werden. Voerde habe zu wenig Ladesäulen – auf dem Rathausplatz sowie in Spellen und Friedrichsfeld – und diese stünden an der falschen Stelle. Sowohl für Taxiunternehmen als auch für Bürger, die vom öffentlichen Verkehr auf private E-Autos umsteigen wollen, würden Ladepunkte – möglichst die schnelleren DC-Ladestationen – am Bahnhof mehr Sinn machen.

>> AUCH FÜR DIE ÖFFENTLICHKEIT NUTZBAR

Die Ladesäulen auf dem Betriebshof an der Grenzstraße 191 dienen in erster Linie dem Eigenverbrauch – sollen aber zwischen 6 und 22 Uhr auch von der Öffentlichkeit für einen Preis von etwa 0,28 Euro pro kWh genutzt werden können.

Taxi Dickmann besteht bereits seit 1976. Das Unternehmen beschäftigt rund 100 Mitarbeiter.

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