Tulpensonntagszug

Jecken in Voerde trotzten beim Tulpensonntagszug dem Wetter

Das Voerder Stadtprinzenpaar Markus I. und Marie I. fuhr auf dem Wagen der Pinguine des 1. Dinslakener Narrenkomitees mit.

Foto: Markus Joosten

Das Voerder Stadtprinzenpaar Markus I. und Marie I. fuhr auf dem Wagen der Pinguine des 1. Dinslakener Narrenkomitees mit. Foto: Markus Joosten

Voerde.   Tausende kamen zum Tulpensonntagszug in die Voerder Innenstadt. Das mäßige Wetter konnte weder Teilnehmern noch Besuchern etwas anhaben.

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Da, unglaublich, die Sonne lugt hinter den Wolken hervor! Es ist wenige Minuten nach 11.11 Uhr – kurz nach dem Start des Tulpensonntagszuges scheint es so, als hätte Petrus ein Einsehen mit den jecken Besuchern und den jecken Aktiven auf der Straße und auf den Wagen. Doch nichts da, der Lichtblick ist nur von kurzer Dauer. Etwa eine Viertelstunde später lässt er Regen auf die kleinen und großen Närrinnen und Narren prasseln. Doch die lassen sich davon die Stimmung nicht vermiesen. Ein Buswartehäuschen bietet Besuchern Schutz. Wandelnde Bettgarnituren mit ganz spezieller Rückseite haben sich ihre Wärmekissen gleich mitgebracht.

Bewegung ist Trumpf

Gegen die nasse Kälte wird angeschunkelt und angetanzt. Dafür gibt es nicht nur aus der Konserve gehörig was auf die Ohren – verschiedene live und in Farbe tonangebende Gruppen laufen bei Wind und Wetter mit. Die kunterbunten Clowns der KAB treten auf ihrem riesigen Fahrrad gemeinsam gegen die Kälte in die Pedale. Die Gelb-Grünen legen eine flotte Sohle auf die Fahrbahn, denn, ob alt oder jung, die SV 08/29 bringt „alle in Schwung“. Und auch die Fußgruppe der Tanzschule Rautenberg weiß, was gegen winterliche Temperaturen hilft. Der Sport ist auch inhaltlich ein Thema. Da macht der 1. KV Jeck in Hünx’ auf seinem Wagen ganz unmissverständlich seine Position zur aktuellen Diskussion zu Hause klar: „Ob Asche, Rasen oder Stein – in Bruckhausen soll ein Sportplatz sein.“

An der Zugstrecke stehen unzählige kleine und große Jecken und jubeln den Teilnehmern zu. Vor dem Ärztehaus an der Bahnhofstraße sitzen – in Decken gehüllt – einige Bewohner des nahe gelegenen Awo-Seniorenzentrums „Altes Rathaus“ und schauen dem vorbeiziehenden Jecken-Tross zu. Darunter wiederum sind auch wilde Wikinger: Die „Rasselbande“ kommt aus Möllen. Zum fünften Mal ist der Freundeskreis beim Zug dabei, wie Stefan Hentschel erzählt. Er lobt den guten Zusammenhalt in Voerde und, dass der Karnevalszug trotz der nur noch alle zwei Jahre gewährten finanziellen Unterstützung der Stadt dank Sponsoren und Vereinen „immer zustande“ komme.

So zieht der närrische Lindwurm durch Voerde

Besucher und Vereine feierten am Tulpensonntag wieder ihren Straßenkarneval in der Voerder Innenstadt. Sie präsentierten dabei viele kreative Kostüme und Wagen.
So zieht der närrische Lindwurm durch Voerde
Petra Keßler, Anja Hasenjürgen, Ann-Christin Fürbach

Viele Vereine aus der Nachbarschaft vertreten

Auch aus der Nachbarschaft sind wieder viele Teilnehmer vertreten: Die Karnevalsfreunde Walsum laufen als Schotten mit Ziehwagen mit, die KKG Wehofen bleibt auch bei fehlender Zeche im Revier „trotzdem hier“, derweil die Dinslakener KG Rot-Gold bei „44 Jahren Narretei das Rittertor stets“ dabei hat und mit Krokodil, Clowns, Fledermaus und noch mehr Kostümierten auf dem Wagen unterwegs ist. Der DKV Blau-Weiß Dinslaken schwebt in anderen Sphären: Nicht nur im Traum fliegt er „durch Zeit und Raum“. Auch die KG „We sind wer dor“ ist mit von der Partie und der HCC aus Hiesfeld ebenfalls.

Das Voerder Stadtprinzenpaar Markus I. und Marie I. vom MGV „Eintracht“ Spellen wird vom Express der Pinguine des 1. Dinslakener Narrenkomitees durch die Stadt chauffiert. Das nennt man närrische Nachbarschaftshilfe!

Bürgermeister und Kämmerin in ungewohnter Rolle

Der Veranstalter, der 1. Voerder Karnevalsverein (VKV), ist mit Elferrats- und Senatorenwagen auf Tour. Letzterer bildet das Ende des närrischen Lindwurms und hat unter anderem Dirk Haarmann und Simone Kaspar mit an Bord. Eine ungewohnte Rolle kommt ihnen an diesem Tag zu: Bürgermeister und Kämmerin können mal aus dem Vollen schöpfen und viele gute Gaben unters Volk bringen...

>>Info: Polizei zieht Bilanz: 16 Strafanzeigen

  • Rettungsdienst und Polizei hätten kaum Einsätze gehabt, äußerte sich Stefan Schmitz, stellvertretender VKV-Vorsitzender, kurz nach Ende des Zuges zufrieden mit dem Ablauf. Nach der Zugauflösung ging es mit dem Straßenkarneval weiter.

  • Die Kreispolizei zog dann am frühen Abend folgende Bilanz: Die Beamten nahmen 13 Personen in Gewahrsam. Weiterhin sprachen die Polizisten in 15 Fällen Platzverweise aus und fertigten Strafanzeigen wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (2), wegen Körperverletzung (6), Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte (3), Beleidigungen (3) und Sachbeschädigung (1). In einem Fall wurde die Polizei nach Äußerung einer rechtsradikalen Parole tätig.

  • Für die Tulpensonntagszüge im Kreis Wesel lautet die Gesamtbilanz der Polizei:„Wir haben heute weitgehend friedliche und ruhige Umzüge erlebt. Unser mit den Kommunen abgestimmtes Konzept mit erhöhter Polizeipräsenz, Verstärkung der Ordnungsdienste und zusätzlicher Absicherung der Wegstrecke hat auch dieses Mal wieder ein hohes Maß an Sicherheit geboten“, erklärt Polizeirat Jörg Weßels.

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