Unterschriftenaktion

Kraftwerksareal Voerde: Bürger wollen keine „Dreckschleuder“

Möllener Bürger sammelten am Samstag Unterschriften für einen Widerspruch gegen die Planung, das frühere Kraftwerksgelände als regionalen Kooperationsstandort auszuweisen.

Möllener Bürger sammelten am Samstag Unterschriften für einen Widerspruch gegen die Planung, das frühere Kraftwerksgelände als regionalen Kooperationsstandort auszuweisen.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Voerde.  Bürger unterschrieben in Möllen Widerspruch gegen Ausweisung des Kraftwerksareals als Kooperationsfläche. Viele für Wohnen und kleineres Gewerbe.

„Zukunft gestalten“ stand auf dem Schild, das am Samstagmorgen vor dem Edeka-Markt in Möllen platziert worden war. Auf einem Stehtisch daneben lagen ein Stapel Zettel und Kugelschreiber bereit. Manfred Sanders und seine Mitstreiter sammelten Unterschriften für den Widerspruch gegen die Planungen des Regionalverbandes Ruhr (RVR), das ehemalige Kraftwerksgelände in Möllen als regionalen Kooperationsstandort auszuweisen . „Ich bin nicht gegen eine Ansiedlung von Industrie“, betonte Manfred Sanders, der die Aktion federführend ins Leben gerufen hat, es gehe aber um „vernünftige und saubere Industrie und keine Dreckschleuder“.

Das ehemalige Babcock-Gelände ist für Manfred Sanders ein positives Beispiel für eine nachfolgende Nutzung. Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände in Möllen könnte er sich Handwerksbetriebe, Technologieunternehmen und etwas aus dem medizinischen Bereich vorstellen. „Wenn dann noch ein paar Grundstücke für den Bereich Wohnen abfallen, umso besser“, meint Sanders. In den vergangenen Tagen hat er 600 Stück der von ihm verfassten Einwendung ausgedruckt und in Möllen verteilt, auch am Samstag hatten die Bürger die Möglichkeit, die Zettel mitzunehmen und zuhause in Ruhe zu unterschreiben – damit es vor Ort um den Stehtisch nicht zu voll wird. Diese Möglichkeit wurde auch genutzt, doch einigen war es wichtig, direkt zu unterschreiben oder ihren unterschriebenen Zettel an diesem Vormittag vorbei zu bringen. So wie Röttger Grans. „Ich habe vor 50 Jahren protestiert und jetzt wieder“, erzählte er.

Röttger Grans ist direkter Nachbar, wohnt nur zweihundert Meter Luftlinie entfernt vom ehemaligen Kraftwerksgelände, das in seinen Augen ein „wunderschönes Wohngebiet“ wäre und er fragt sich, warum dort nicht ausschließlich Wohnen möglich wäre. „Wir haben genug Gewerbegebiete in Voerde“, findet Röttger Grans und fürchtet eine zu hohe Lärmbelastung.

Wunsch nach umweltfreundlicher Nutzung

Eine umweltfreundliche Nutzung wünscht sich Yavuz Kamaci, der sich am zweiten Stand der Unterschriftenaktion vor der Barbara-Apotheke stand (ein dritter Stand befand sich neben der Bäckerei Schollin an der Dinslakener Straße). „Möllen stimmt mit“ war hier auf einem Schild zu lesen. Yavuz Kamaci hatte seinen Zettel bereits abgegeben. „Wir haben nichts gegen Arbeitsplätze“, erklärte er, aber er wünscht sich, dass auch die Möllener Bürger etwas von der nachfolgenden Nutzung des Geländes haben. Ähnlich sieht es das Ehepaar Feller. Die beiden sind extra mit den Fahrrad gekommen, um sich an der Unterschriftenaktion zu beteiligen. Das Ehepaar wünscht sich eine umweltbewusste Nutzung und dass das Gelände nicht „gegen den Bürgerwillen bebaut“ wird.

Viele wünschen sich eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe, das keine Belastung für die Gesundheit oder die Umwelt darstellt. Erhard Peter aus Götterswickerhamm fände es sehr gut, wenn in diesem Bereich am Rhein auch Wohnbebauung möglich wäre. „Das würde sich mit Gastronomie anbieten. Das wäre schön, in der Nähe von Rheinkilometer 800“, findet er. Der Beschluss des Stadtrates vom vergangenen Donnerstag, beim RVR dafür zu werben, dass neben der gewerblichen Nutzung auch Wohnen und Gastronomie auf dem ehemaligen Kraftwerksareal ermöglicht wird, hält Peter „für einen Schritt in die richtige Richtung“.

Hoffen auf Freizeitmöglichkeiten

Eine ähnliche Kombination wünschen sich auch Doris und Peter Lantermann. Sie kamen ebenfalls extra vorbei, um zu unterschreiben. „Ich hoffe, dass wir etwas erreichen“, sagte Doris Lantermann, denn sie möchte „kein Gewerbe, das stinkt und Dreck macht“. Das Ehepaar könnte sich kleinere Gewerbebetriebe, Gastronomie – beispielsweise eine Eisdiele – und Wohnen vorstellen. „Auf jeden Fall umweltfreundlich“, sagte Peter Lantermann mit Blick auf die benachbarte Emschermündung. Zudem wünschen sich die beiden Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Rentner und ein paar Bänke, um am Rhein sitzen zu können.

Mit der Resonanz und dem Interesse, das ihnen von den Bürgern entgegen gebracht wurde, waren Manfred Sanders und seine Helfer – darunter waren auch Vertreter aller Parteien – am Samstag zufrieden. „Es ist schön zu sehen, dass den Menschen ihr Stadtteil am Herzen liegt“, kommentierte CDU-Ratsherr Jan Langenfurth.

Noch bis Freitag können die unterschriebenen Einwendungen entweder bei Manfred Sanders oder in der Barbara-Apotheke abgegeben werden. Sanders möchte die unterschriebenen Einwendungen dann gerne selbst direkt beim RVR in Essen abgeben. Ihre Stellungnahmen können Bürger noch bis einschließlich 30. November bei der Regionalplanungsbehörde abgeben.

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