Friedwald

Kreis Wesel erteilt Hünxe keine Genehmigung für Friedwald

In anderen Regionen wie im Westerholter Wald gibt es bereits die Möglichkeiten der Waldbestattung. Der Hünxer Friedwald wäre der erste dieser Art im Kreis Wesel.

Foto: Thomas Schmidtke

In anderen Regionen wie im Westerholter Wald gibt es bereits die Möglichkeiten der Waldbestattung. Der Hünxer Friedwald wäre der erste dieser Art im Kreis Wesel. Foto: Thomas Schmidtke

Hünxe.   Im Schreiben an die Gemeinde werden mehrere Gründe angeführt. Wie Bürgermeister Dirk Buschmann sagt, lässt die Gemeinde die Entscheidung gerichtlich prüfen.

Die Partner waren sich einig, haben im April sogar einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. In einem Wald am Lindhagenweg, am Südrand der Testerberge, sollten Urnenbestattungen möglich sein. Jetzt hat die Gemeinde Hünxe Post vom Kreis bekommen. In dem Schreiben wird ihr mitgeteilt, dass keine Genehmigung für die Errichtung eines kommunalen Friedhofes erteilt werde.

Somit können die gemeinsamen Pläne von der Gemeinde, Thyssen Vermögensverwaltung und FriedWald GmbH nicht umgesetzt werden. Wie Bürgermeister Dirk Buschmann auf Anfrage erklärte, werde man die Entscheidung der Kreisverwaltung gerichtlich überprüfen lassen.

Klage beim Verwaltungsgericht Düsseldorf wird eingereicht

In den nächsten Tagen werde eine entsprechende Klage beim Verwaltungsgericht Düsseldorf eingereicht. Eigentlich dachte man, so Buschmann, in mehreren Gesprächen mit dem Kreis, Bedenken ausgeräumt zu haben. Doch nun erhielt man die Ablehnung.

Der Kreis führt darin für seine Entscheidung mehrere Gründe. Sämtliche für den Friedwald vorgesehene Grundstücke liegen im Außenbereich und der Flächennutzungsplan weist sie als Fläche für Wald aus. Einen Bebauungsplan gebe es nicht. Die Kreisverwaltung verweist darauf, dass das betroffene Gebiet auch zu einem Landschaftsschutzgebiet gehöre. Und dort gelte das Verbot Nummer 14, wonach es untersagt ist, Flächen außerhalb der Straßen, Wege, Park- und Stellflächen sowie Grillplätze zu betreten.

Kreis: Eine Frage des gemeindlichen Bedarfs

Die Kreisverwaltung weist darauf hin, dass Hünxe über zwei Friedhöfe verfügt, die von den Kirchen getragen werden. Da nun geplant sei, auf einer Fläche von zirka 44 Hektar einen weiteren gemeindlichen Friedhof zu errichten, stelle sich die Frage des gemeindlichen Bedarfs. Bemängelt wird von Seiten der Kreisverwaltung auch, dass der Friedhof nicht nur den Einwohnern der Gemeinde Hünxe zur Verfügung stehen soll, sondern auch ein Angebot an die Menschen im rechtsrheinischen Teil des Kreises sowie den Teilen des Kreises Bottrop und der Stadt Oberhausen sein soll.

Deshalb gehe es hierbei nicht um die Erfüllung gemeindlicher Aufgaben, der Bestattung der Einwohner, sondern allein um die Erzielung von Einnahmen.

Eigentum Dritter steht Nutzung als Friedhof entgegen

Die Genehmigung wurde auch nicht erteilt, weil das Grundstück nicht der Gemeinde gehört. Der Kreis erläutert, dass das Eigentum Dritter einer Nutzung als gemeindlichem Friedhof grundsätzlich entgegen stehe.

Einige Flächen sind als Teil des Ökokontos der Thyssen Vermögensverwaltung GmbH ausgewiesen. Bei der Nutzung als letzte Ruhestätte könne nach Auskunft der unteren Naturschutzbehörde die Anerkennung dieser Flächen als Ökokonto-Flächen nicht mehr in Aussicht gestellt werden. Da sich das Areal in einem Landschaftsschutzgebiet befindet, sei es nicht möglich, eine baurechtliche Genehmigung für den 200 bis 300 Quadratmeter großen vorgesehen Andachtsplatz zu erhalten.

Toiletten auf einem Parkplatz

Jeder Friedhof soll mit einer öffentlichen Toilettenanlage ausgestattet sein, es bestehen „erhebliche Bedenken“ dass in diesem Fall eine mobile Toilettenanlage auf einem Wanderparkplatz genutzt werden soll. Die Anlagen würden sich außerhalb des Friedhofsgeländes befinden.

Bürgermeister Buschmann hofft, dass das Gericht den Bescheid des Kreises kippt, denn er sieht einen Bedarf für diese Art der Bestattung. In diesem Spätsommer sollten in dem Waldgebiet, das zwischen Sternweg und Lindhagen liegt, die ersten Urnenbestattung erfolgen. Bei der Vertragsunterzeichnung im April wurde betont, dass das Grundstück durch seine Artenvielfalt besteche, dort gebe es verschiedene Laubbaumarten. Auch als Friedwald würde die forstliche Bewirtschaftung der Thyssen Vermögensverwaltung obliegen, deren Personal auch die Betreuung der Menschen vor Ort übernehmen würde. Es führe durch den Wald, stelle das Konzept vor, berate bei der Baumauswahl und begleite die Angehörigen bei Trauerfeiern.

>> EINSTIMMIGER RATSBESCHLUSS

  • Ex-Bürgermeister Hermann Hansen hatte vor zwei Jahren die Diskussion zur Einrichtung eines Friedwaldes angestoßen, im Juni 2016 gab es unter Nachfolger Dirk Buschmann dazu im Rat den einstimmigen Beschluss. Der geschlossene Vertrag gilt für 99 Jahre, die Gemeinde ist mit drei Prozent am Gewinn beteiligt.

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