KUNST STATT LEERRAUM

Kunstfestival in der Dinslakener Innenstadt

Graffiti-Künstler Miami Weis im Einsatz gegen weiße Wände. Seit Montag gestaltete er Räume im „Haus des Handwerks“, dem jetzigen Hotel KSL.Donnerstag und Freitag ist er bei der Art Basel - um dann wieder nach Dinslaken zu kommen. Foto:Lars Fröhlich

Graffiti-Künstler Miami Weis im Einsatz gegen weiße Wände. Seit Montag gestaltete er Räume im „Haus des Handwerks“, dem jetzigen Hotel KSL.Donnerstag und Freitag ist er bei der Art Basel - um dann wieder nach Dinslaken zu kommen. Foto:Lars Fröhlich

Dinslaken.   Bis Samstag verwandeln 45 Künstler das abrissreife Haus des Handwerks in ein „Hotel KSL“ - dabei ist auch Bananen-Starschnitzer Stephan Brusche.

Der Coup an sich ist eigentlich das größte Kunststück - und das will bei der geballten Ladung internationaler Urban und Fine Art, die man in dieser Woche in Dinslaken antreffen kann, wirklich etwas heißen: Rund 45 Künstlerinnen und Künstler hat Ben Perdighe in der Neuerfindung von Kunst statt Leerraum (KSL) dazu gebracht, das abrissreife Haus des Handwerks an der Friedrich-Ebert-Straße 90 gegenüber der Stadtbibliothek in ein mehrstöckiges Gesamtkunstwerk zu verwandeln.

„Dinslaken hat ein eigenes Kunstfestival“

Sie tapezieren, sie streichen die Wände, sie richten Ateliers, Ausstellungsflächen, Schlafräume und eine Lounge unterm Dach ein. Alles für das große Finale: Die Vernissage am Freitag, 16. Juni, von 12 bis 20 Uhr und die mit einem großen Straßenfest rund ums Haus und in der Altstadt bis zu den Ateliers am Rittertor verbundenen Finissage am Samstag, 17. Juni. „Es ist mir fast peinlich, wie viel Arbeit sie sich machen“, gesteht Perdighe, aber er strahlt: „Man kann sagen: Dinslaken hat ein eigenes Kunstfestival“.

KSL setzt auch in seiner vierten Auflage wieder eine kreative Dynamik frei, der sich keiner entziehen kann. Graffiti-Künstler Miami Weis hat innerhalb eines Tags eine halbe Etagen-Wohnung in ein begehbares Kunstwerk verwandelt. Am frühen Abend nimmt er den Mundschutz ab und schaut sich im Raum um. Lange kann er den Anblick nicht genießen: „Donnerstag und Freitag bin ich bei der Art Basel, das konnte ich nicht mehr verschieben“. Aber Samstag ist der Dortmunder wieder in Dinslaken dabei: „Das ist echt super hier“.

Kai Dauvermann zeigt Dinslakener Bilder wie gemalt

Das Haus des Handwerks als Hotel KSL: ein verrückter Mix aus im Auftrag der Stadt Dinslaken „besetztem“ Abrisshaus und Galerie, die hinter jeder ehemaligen Küchenzeile neue Überraschungen bietet. Wie im ersten Stock, wo Maik Rotika unter dem Label Formwechsel Kunst an Skatebaords und Kunst aus Skateboards präsentiert: Er fertigt aus alten Brettern Armreifen und Ketten.

Im Ladenlokal im Erdgeschoss zeigt Kai Dauvermann, wie schön „sein“ Lohberg ist, wenn er es fotografiert hat: Vergangene Industriekultur wie gemalt und dazu das Fördergerüst im Sonnenuntergang. Die Motive gibt’s in groß oder als Küchenmagneten.

Ein Waldtroll namens Hutmacher

Gleich neben den Kauenkörben im Großformat die Hülle einer Waldtroll-Schamanin. Ein aufwendiges Fantasy-Outfit aus altem Leder und

handgefilzten Blättern und Blüten. Christoph heißt mit Nachnamen Hutmacher, ist aber ausgebildeter Maßschneider. Unter dem Motto „Nadel verpflichtet“ kreiiert er Fantasykleidung.

Seit Montag herrscht Leben und Geschäftigkeit in jedem Winkel des Haus des Handwerks, dabei werden erst heute im Laufe des Tages alle Künstler, darunter Tape-Art-Sensation Max Zorn und Bananen-Starschnitzer Stephan Brusche, einziehen. Besucher sind schon jetzt den ganzen Tag über willkommen, auch wenn die Ausstellung erst am Freitag offiziell um 15 Uhr von Bürgermeister Dr. Michael Heidinger eröffnet wird.

Und auch abends ist immer etwas los im benachbarten-KSL-Wettbüro. So auch heute um 18 Uhr, wenn die Beiträge zum bereits Tradition gewordenen KSL-Kurzfilmpreis gezeigt werden. Also hereinspaziert: Die Ameisen (Aufkleber und Graffiti) sind auch schon da.

Das ganze Programm gibt es unter http://www.ksl-dinslaken.de/

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